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Induktive Ladegeräte für Smartphones : Endlich ohne Kabel aufladen

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Kontaktloser Energiefluss: Maxfields Lade-Pad speist Samsungs Smartphone Bild: Hersteller

Ladematte statt Kabelsalat: Smartphones können dank induktiver Energieübertragung kabellos aufgeladen werden. Die Unterstützung für den Qi-Standard wächst.

          3 Min.

          Smartphones und Tablets können fast alles drahtlos - nur den nötigen Ladestrom für die eingebauten Akkus saugen sie meistens noch nach alter Väter Sitte über eine Kabelverbindung aus einem Netzteil. Das müsste eigentlich nicht mehr sein: Mit induktiven Ladegeräten funktioniert die Strom-Betankung strippenlos nach dem Vorbild der elektrischen Zahnbürste. Man legt das Mobilgerät dazu einfach auf eine flache Ladefläche, und die Energie fließt durch die Luft in den Akku - durch resonante induktive Kopplung, wie die Physiker sagen.

          Das Prinzip ist keineswegs neu: In der Ladefläche sitzt eine flache Spule, Primärspule genannt, durch die hochfrequenter Wechselstrom fließt. Im passenden Smartphone oder Tablet ist ebenfalls eine flache Spule eingebaut, die Sekundärspule. Sie fängt die von der Primärspule abgegebene Energie ein und leitet sie über Regler und Gleichrichter in den Akku.

          Qi definiert Spezifikationen für zwei Leistungsklassen

          Allerdings bedarf es einiger Voraussetzungen, damit Netzteil und Ladekabel wirklich aufs Altenteil können. Zunächst einmal muss ein Standard her, nach dem sich alle Hersteller richten können. Denn die drahtlose Energieübertragung funktioniert nur, wenn die Parameter der beteiligten Geräte zueinander passen. Eine De-facto-Norm gibt es bereits. Sie ist international zwar nicht konkurrenzlos, stützt sich aber auf eine mitgliederstarke Industrie-Gruppe, das Wireless Power Consortium, und hört auf den Namen Qi (ausgesprochen: „tschi“ in Anlehung an das chinesische Wort für Lebensenergie).

          Qi definiert Spezifikationen für zwei Leistungsklassen: bis 5 Watt für die Smartphone-Ladung und bis 120 Watt für die Betankung von Tablets und ähnlichen Geräten. Die Wechselfrequenz der Ladeströme liegt im Langwellenbereich zwischen 110 und 205 Kilohertz. Zudem tauschen Sender und Empfänger Daten aus, um eine optimale Energieübertragung zu gewährleisten; das empfangende Gerät nutzt dazu eine RFID-ähnliche Technik.

          Ein deutscher Hersteller macht von sich reden

          Und es bedarf natürlich einer hinreichend großen Population von Geräten, die den Energietransfer von Spule zu Spule beherrschen. Smartphone-Modelle von Samsung, Google Nexus und Nokias Lumia-Generation unterstützen den Qi-Standard bereits. Unter den Anbietern passender Ladegeräte finden sich auch Samsung und Nokia, und neben einigen amerikanischen Anbietern macht nun der deutsche Hersteller Maxfield von sich reden, ein Start-up aus Buchen im Odenwald, das den Markennamen aus der Konkursmasse des unternehmerisch glücklosen Franjo Pooth übernommen hat. Das Maxfield-Sortiment zeigt exemplarisch den Entwicklungsstand von Markt und Technik. So bietet der Hersteller zwei Lade-Pads an, ein kleines rundes und ein größeres in Smartphone-Dimensionen (Preise: 22,95 und 39,95 Euro).

          Sie laden die mit Spulen ausgerüsteten Modelle Nokia Lumia 920, 930 und 1520 sowie Google Nexus 4 und 5 ohne weitere Zusatzkomponenten. Das gilt auch für eine mit einer Halterung ausgerüstete Lade-Variante, die im Auto für kontaktlosen Stromnachschub sorgt. Die Samsung Smartphones Note 2, Note 3, S3, S4, S4+NFC und S5 lassen sich für die induktive Ladung nachrüsten. Dazu bietet Maxfield sogenannte Receiver an: flache Spulen-Module, die sich zusätzlich ins Akku-Fach zwängen und über spezielle, vorsorglich eingebaute Ladekontakte mit der Smartphone-Elektronik verbinden.

          Die beiden Varianten des iPhones 6 folgen

          iPhone-Besitzer müssen mit einer weniger eleganten Lösung vorliebnehmen: einer Ladeschale, die man wie eine der üblichen Schutzhüllen verwendet. Sie trägt in ihrem Rücken die nur 1,2 Millimeter flache Spule und hält über den Lightning-Anschluss den nötigen elektrischen Kontakt. Die Ladeschalen gibt es derzeit für die iPhone-Modelle 5 und 5S, Passendes für die beiden Varianten des iPhones 6 folgt in den nächsten Wochen.

          Interessant im Maxfield-Sortiment ist auch die Powerbank, eine Kombination aus einem externen, über ein USB-Kabel aufladbaren Reserve-Akku und einer Induktionsladestation. So lässt sich das Smartphone auch unterwegs drahtlos betanken. Auch Einbaulösungen für Möbel bietet Maxfield schon an - sowohl zur sichtbaren als auch zur unsichtbaren Integration in Tischplatten oder Sideboards.

          Markt-Auguren sagen der drahtlosen Ladetechnik eine große Zukunft voraus. Einige Indizien sprechen dafür: Der Gemeinschaftsstand des Wireless Power Consortiums auf der amerikanischen Fachmesse CES hat sich in den letzten zwei Jahren dramatisch vergrößert, und der praktische Nutzen der Luftbetankung liegt auf der Hand: Kabelsalat nimmt ab, der Elektronik-Wust im Reise-Handgepäck schrumpft spürbar, umständliches Anstöpseln der Kabelverbindung wird überflüssig, der Verschleiß der elektrischen Kontakte schreitet langsamer voran.

          Zwei Nachteile wollen wir nicht verschweigen: So kann man das Smartphone nicht gleichzeitig laden und zum Telefonieren ans Ohr halten. Und der Wirkungsgrad der induktiven Energieübertragung ist etwas schlechter als beim konventionellen Laden über ein Kabel. Aber den Schuh des Energieverschwenders muss sich deshalb niemand wirklich anziehen: Die Verluste halten sich in so engen Grenzen, dass sie auf der monatlichen Stromrechnung kaum Bezifferbares hergeben dürften.

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