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In-Ear-Hörer von Zeitgeist : Ohrschmuck für Audiophile

Der Specs War ist ausgebrochen

Es nützt aber das beste Aussehen nichts, wenn der In-Ear-Hörer nicht gut klingt. So wie es bei großen Kopfhörern, die das Ohr umschließen, klanglich und preislich kaum Grenzen nach oben gibt, können sich auch Freunde des Knopfs im Ohr auf einem recht umfangreichen, aber oft unbekannten Markt bedienen. Halbgewachs hat Kunden, die bei seiner Headphone Company gerne mal 3000 Euro für einen In-Ear-Hörer ausgeben. Um Käufer für sehr teure Produkte zu gewinnen, sei unter den Herstellern „ein Specs War“ ausgebrochen, sagt Halbgewachs, ein „Krieg der Spezifikationen“, der dazu führe, dass nur noch mit der „Anzahl der Treiber“ geworben werde. Mittlerweile hält ein Hersteller mit 18 Treibern den Rekord – das ist in etwa so, als hätte man zu Hause eine 18-Wege-Box stehen.

Die meisten Hersteller kommen bei Lautsprechern mit drei Wegen aus, bei In-Ear-Hörern ist es sogar nur ein Treiber. Viel hilft nicht immer viel. So reicht beispielsweise Sennheiser und Beyerdynamic für ihre Topmodelle ein Breitband-Treiber. Die aktuellen Modelle von Zeitgeist arbeiten mit zwei Treibern, was schon ambitioniert ist. Zeitgeist kauft sie bei einem der führenden Spezialisten mit Sitz in Dänemark. Einen eigenen Treiber zu entwickeln, das schaffen in Deutschland nur große Firmen wie Sennheiser.

Zwei-Treiber-Technik als Standard

In Dieburg saß Halbgewachs wochenlang mit Marius Schmitt zusammen, um am Klang der Hörer zu arbeiten. Das bedeutete unter anderem, dass immer wieder ein Prototyp gebaut, angehört und danach wieder neu gebaut werden musste. Irgendwann waren die drei Klangsignaturen so, wie Halbgewachs sich das vorstellte und wie sie nun für die meisten Editionen von Kunden ausgewählt werden können. Wir haben eine Zeitlang das Modell „Bye, bye, Britain“ mit einem an den Union Jack erinnernden Gehäuse gehört, das mit 700 Euro preislich im Mittelfeld liegt und dessen Zwei-Treiber-Technik am häufigsten eingesetzt wird.

Der Sound trifft ziemlich genau unseren Geschmack. Das Bassfundament ist kräftig, aber nicht dominant. Weiter oben im Frequenzgang herrscht fast Gleichberechtigung, der In-Ear lässt Stimmen eher den Vortritt, aber die Höhen werden nicht versteckt. Wie bei allen hochwertigen Ohrstöpseln fasziniert es auch hier, wie gut In-Ears auflösen können. Jeder Ton, jedes Instrument lässt sich identifizieren. Es tritt sogar der seltene Effekt auf, dass man Töne in Liedern hört, die einem vorher nie aufgefallen sind. Solche Momente kennt man von High-End-Kopfhörern.

Der exzellente Klang fordert technisch ein Merkmal, auf das viele Hersteller mittlerweile verzichten, weil sie auf „True Wireless“ setzen: Alle Zeitgeist-Modelle haben ganz klassisch ein Kabel, weil dadurch keine Kompromisse in Sachen Ergonomie und Klang gemacht werden müssen. Das speziell geformte Gehäuse lässt sich nur ohne Bluetooth- und Noise-Cancelling-Technik verwirklichen.

Kabel? Viele Jugendliche haben vermutlich noch nie ein Kabel an einem Kopfhörer gesehen, weil sie die weißen Stöpsel von Apple ins Ohr stecken oder die ohrumschließenden großen Kopfhörer nur als Bluetooth-Variante kennen. Viele werden sich womöglich fragen: Wo soll ich das Kabel überhaupt reinstecken? Aktuelle Smartphones haben keinen Eingang mehr für einen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker. Daher benötigt man einen Adapter für den USB-Port, an dem das Handy aufgeladen wird. Oder man leistet sich einen sogenannten Digital Audio Player, also quasi einen MP3-Player für Fortgeschrittene, der nur fürs Musikhören gedacht ist. Das ist der Zeitgeist der Audiophilen.

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