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Im Gespräch: Co-President von MySpace : „Es fließen genug Werbedollar in soziale Netzwerke“

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Mike Jones: „Wir sind länger am Markt und haben mehr Erfahrung mit dem Schutz der Privatsphäre” Bild: Holger Schmidt

MySpace schien schon als der sichere Sieger im Markt der sozialen Netzwerke, bevor Facebook kam. Nach mehreren Wechseln an der Spitze soll nun Mike Jones gemeinsam mit Jason Hirschhorn das Ruder herumreißen.

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          MySpace war mal das größte soziale Netzwerk, ist dann aber von Facebook quasi überrollt worden und stagniert seitdem. Wohin wollen Sie mit MySpace?

          Wir wollen der beste Platz sein, um neue Dinge zu entdecken. Das können Menschen sein, aber auch neue Bands, Videos oder Spiele. Wir konzentrieren uns nicht auf die echten Freundschaften der Menschen. Zu uns kommen die Nutzer nicht, um Fotos mit ihrer Mutter auszutauschen. Das unterscheidet uns stark von unseren Konkurrenten. Twitter ist ein großartiges System, um Informationen zu verteilen. Facebook ist ein fantastisches Kommunikationsinstrument. Wir sind in einem anderen Feld unterwegs. Soziale Netzwerke sind keine homogene Gruppe.

          Rupert Murdoch, Ihr Eigentümer, sagte einmal, alle Nutzer gingen zu Facebook. Wie viele Nutzer sind MySpace geblieben?

          Wir haben konstant zwischen 115 und 120 Millionen Nutzer im Monat und sind damit die neuntgrößte Website in der Welt. Wir konzentrieren uns aber auf die Menschen zwischen 13 und 34 Jahren und können daher auch gar nicht die größte Seite der Welt sein. Wir wollen aber weiterhin in den Top-Ten-Websites vertreten sein.

          Facebook hat heute etwa 200 Millionen Nutzer am Tag. Wie viele loyale Nutzer hat MySpace?

          Zwischen 30 und 40 Millionen am Tag. Da wir aber nicht auf Kommunikation ausgerichtet sind, kommen viele Nutzer nicht täglich zu uns. Im Durchschnitt kommen die Nutzer zwischen 15 und 18 Mal im Monat.

          Während Facebook anscheinend ungebremst wächst, kann MySpace nicht mehr zulegen. Bedeutet das nicht Rückschritt?

          Wir werden auch nicht wachsen, bevor wir nicht die Seite umgebaut und neue Funktionen eingeführt haben. Vor uns liegen sechs Monate Produktentwicklung, bevor wir die Marke neu aufstellen können. Dann werden wir auch wieder wachsen.

          Welche neuen Produkte meinen Sie?

          Mehr als die Hälfte aller Seitenaufrufe findet auf den Profilen statt. Daher bauen wir an der nächsten Generation der Profile, mit denen sich die Nutzer besser darstellen können. Wir richten auch eine Kategorie "Trends" ein. Wenn die Nutzer wissen wollen, welche Musik gerade angesagt ist, zeigen wir es ihnen. Zudem bauen wir die Mobilität aus, arbeiten an neuen Applikationen für iPhone, iPad und Android. Schon heute gehen 20 bis 30 Prozent der Interaktion von mobilen Geräten aus.

          MySpace steht vor allem für Musik. Werden Sie den Bereich ausbauen?

          Musik, aber auch Spiele machen große Teile unserer Seite aus. Videos werden wir mit einem neuen Produkt nun ausbauen. Wir setzen stark auf Inhalte.

          Rupert Murdoch greift hart durch, wenn ein Geschäft nicht so läuft wie geplant. Wie viel Zeit haben Sie, mit MySpace Gewinne zu erzielen?

          Wenn man die Herausforderungen für MySpace betrachtet, ist der Umsatzpfad in Ordnung. Die Herausforderung lautet, das Produkt und die Marke neu zu erfinden.

          Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

          Nun, unser Geschäftsmodell ist Werbung, vor allem Markenwerbung. Dazu kommen das Suchmaschinenmarketing und Performance-Marketing. Die News Corp. unterstützt das Modell, denn die Online-Werbung erholt sich gerade wieder, und viele Werbedollar werden jetzt ins Netz verlagert, vor allem in die sozialen Medien. Wir experimentieren aber auch mit anderen Modellen, zum Beispiel mit dem Verkauf virtueller Güter in Spielen oder dem Musikvertrieb.

          Es stimmt, Werbemanager finden soziale Netzwerke sehr attraktiv. Aber dabei fällt immer nur der Name Facebook - MySpace fast nie. Wer also wirbt auf MySpace?

          Nun, die Unterhaltungsindustrie gehört zu unseren wichtigsten Werbekunden. Wir arbeiten aber auch mit Toyota, Coca-Cola und vielen anderen Markenherstellern zusammen. Aber wenn Facebook in den Markt eindringt, nehmen sie nicht MySpace die Werbedollar ab. Es fließt genügend Geld für alle in die sozialen Netzwerke. Facebooks Fokus liegt mehr auf Performance-Marketing und ist damit eher ein Konkurrent von Google.

          MySpace hat bisher stark von einem Vertrag mit Google profitiert, der Ihnen 900 Millionen Dollar Umsatz in drei Jahren gebracht hat. Google scheint damit aber nicht sehr zufrieden zu sein.

          Der Vertrag mit Google läuft Ende Juni aus. Dann gibt es eine neue Struktur. Wir diskutieren mit Google und auch anderen Unternehmen darüber, wie es weitergeht. Im Moment weiß ich noch nicht, wer der richtige Partner für MySpace ist.

          Facebook hat großen Ärger mit seinen Nutzern wegen des Schutzes ihrer Privatsphäre. Kann MySpace das besser?

          Wir sind länger am Markt und haben mehr Erfahrung mit dem Schutz der Privatsphäre. Wir haben ein junges Zielpublikum und müssen daher sicherstellen, dass die Privatsphäre auf alle Fälle geschützt ist. Wir konzentrieren uns aber auch auf die Seite MySpace.com. Die Bedenken zu Facebook richteten sich eher darauf, was außerhalb von Facebook.com geschieht. Facebook verfolgt eine größere Mission; die Menschen sollen ihre digitale Identität durchs ganze Web mitnehmen. Das verursacht eine Reihe von Privatsphären-Bedenken.

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