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Im Dauertest : So tickt die Apple Watch

Einige Male in der Stunde gibt es Ausreißer

Schließlich die Sport-Funktionen: Der Besitzer einer Watch soll sich mehr bewegen, und dazu hat Apple einen Fitness-Tracker mitsamt Trainingsplaner eingebaut, der auch zu mehr Stehen auffordert. Das kann man als Spielerei abtun. Wir haben indes die Herzfrequenzmessung ausgiebig erprobt. Sie ist verblüffend genau, wenn man vergleichend mit einem Brustgurt misst. Einige Male in der Stunde gibt es Ausreißer, aber das ist nicht tragisch. Während eines Work-outs ist die Pulszahl kontinuierlich abrufbar, so dass der Hobby-Sportler frohlocken könnte: Endlich wird der ungeliebte Brustgurt überflüssig. Die Tücke liegt im Detail: Obwohl Apple alle Daten umfassend und ordentlich erfasst, ist eine nachträgliche Auswertung einzelner Sportereignisse nur rudimentär möglich.

Ein Diagramm mit der Herzfrequenz über die Zeit sucht man in der Health- und Aktivitäten-App vergeblich, und es ist auch nicht möglich, nach dem Joggen die Strecke in einer Karte anzusehen und einzelne Passagen im Hinblick auf Tempo oder Puls zu analysieren. Das alles ist umso bedauerlicher, als beim Laufen abermals Distanzen, Rundenzeiten, Geschwindigkeit und Herzfrequenz sehr exakt ermittelt werden; selbst dann, wenn man das iPhone zu Hause lässt. Ein GPS-Track wird gar nicht aufgezeichnet, und wenn man zu diesem Zweck auf dem iPhone eine App wie Runtastic startet, benötigt man zusätzlich doch wieder den Brustgurt, weil Apple derzeit den Zugang zu den Watch-Herzfrequenzdaten für Dritte nicht erlaubt.

Die Watch muss jede Nacht auf die Ladestation

Im sportlichen Einsatz mit kontinuierlicher Pulsmessung ist der Akkuverbrauch der Watch am höchsten, die Uhr hält in diesem Modus sechseinhalb Stunden durch. Im gemischten Betrieb kommt man gut über den Tag. Aber die Watch muss jede Nacht auf die mitgelieferte induktive Ladestation. Das stört ungemein. Schon für kurze Reisen landet ein zweites Ladegerät im Gepäck, man wünscht sich eine schöne Stromtankstelle für iPhone und Uhr.

Bisher waren Smartwatches ein Nischenprodukt für den Nerd. Apple gibt seiner ersten Uhr viele Details und ein elegantes Design mit auf einen Weg, der aus dieser Nische herausführen soll. Ob das Experiment gelingt? Die Watch ist eine Ergänzung des iPhone und löst dieses so wenig ab, wie der Tablet PC das Notebook ersetzt hat. Man braucht die Uhr nicht, sagen die einen. Sie zeigt die Zukunft der Wearables, die sich vom Smartphone lösen, sagen die anderen. Das Meldungssystem rund um die Push-Nachrichten und die Verbindung zu Siri halten wir für gelungen.

Der Fitness-Tracker mit seiner Messgenauigkeit ist beeindruckend, kann eigentlich mehr und ruft geradezu nach einem Funktions-Update. Native Apps auf der Uhr könnten ein Knüller werden. Apple legt mit seiner ersten Watch etliche Grundlagen, die über das hinausgehen, was man bislang gesehen hat. Das Fundament steht, es eröffnet viele Möglichkeiten. Alles andere muss sich in den nächsten Monaten zeigen.

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