https://www.faz.net/-gy9-x0bk

IBM : Das Superhirn aus der Maschine

Mensch und Maschine: Supercomputer im Forschungszentrum Jülich Bild: Forschungszentrum Jülich

Supercomputer sind zentrale Forschungsinstrumente geworden. Nun macht sich IBM daran, eine technische Schallmauer zu durchbrechen. Das eröffnet auch der Stammzellenforschung neue Horizonte.

          IBM steht kurz vor dem Durchbrechen einer technischen Schallmauer. Der amerikanische Hochtechnologiekonzern wird in Kürze einen Computer vorstellen, der doppelt so leistungsfähig sein soll wie alles, was es in der Branche bisher gab. Das eröffnet der Wissenschaft für die Erforschung hochkomplexer Zusammenhänge wie in menschlichen Stammzellen, in Atomkernen oder in Nanostrukturen neue Horizonte. Denn das Gerät werde mehr als 1000 Billionen Rechenoperationen in einer Sekunde ausführen können, eine Spitzenleistung von 1300 sogenannten Teraflops (1,3 Petaflops) haben und damit so stark sein wie mehr als eine viertel Million erstklassiger Laptop-Computer zusammen.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit wäre die Maschine in der Branche das Maß aller Dinge. „Wir können sie sehr bald der Öffentlichkeit vorstellen“, sagte Cornell Wright von IBM Cell Software Development auf einer Tagung in Stuttgart. Bereits auf einem für Juni anstehenden Branchentreffen könnte der Computer mit dem Namen Roadrunner die prestigeträchtige Liste der leistungsfähigsten Rechner der Welt offiziell anführen. Als Abnehmer tritt die amerikanische Energiebehörde auf. Sie hatte schon mehrere Hochleistungsrechner der Spitzenklasse in Auftrag gegeben, gekauft und so die Entwicklung der Branche mit ihrem halben Dutzend Anbietern hin zu einen Jahresumsatz von 10 Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) beschleunigt.

          Kapazitäten kommen der Wissenschaft zugute

          Der Aufbau dieser Kapazitäten kommt der Wissenschaft zugute. Institute der Grundlagenforschung oder Unternehmen aus dem Auto- und Flugzeugbau, der Bio-, Nano- und Molekularbiologie mieteten in den vergangenen Jahren massiv Rechenzeiten an den teueren Zahlenautomaten, um dort hochkomplexe Aufgaben und mathematische Simulationen aller Art durchzuspielen. Verlangen doch Forschungen wie die am menschlichen Erbgut, an der Kernfusion oder der Windschnittigkeit einer Autokarosse die Verarbeitung riesiger Datenmengen. Mit herkömmlichen Computern ist das nicht mehr zu stemmen. So ziehen Leistungssprünge in der Datenverarbeitung oft Forschritte in anderen Wissenschaften nach sich.

          Da macht schrauben Spaß: IBMs neuer Power 575

          Vor diesem Hintergrund unterstützen die Regierungen Amerikas und Japans die Entwicklung von Supercomputern seit 1995. Das holte die Branche aus ihrer damals tiefsten Krise seit der Entstehung in den sechziger Jahren. Die Ingenieure drückten aufs Tempo. Im Mai 1997 schlug ein IBM-Computer erstmals den amtierenden Schachweltmeister. Im November brachte es ein von Intel bestückter Computer als Branchenprimus auf eine Rechenleistung von einem Teraflop. Flops sind eine zentrale Maßeinheit der Branche und geben die Anzahl der Rechenoperationen in einer Sekunde an. Der erste frei programmierbare Rechner Zuse-1 von 1937 schaffte zwei Additionen in einer Sekunde. Seit Ende der neunziger Jahre kommen die Maschinen auf mindestens hundert Billionen Berechnungen je Sekunde.

          Amerikas Vorherrschaft bei Hochleistungsrechnern brechen

          Zu jener Zeit machte sich die japanische NEC-Gruppe daran, Amerikas Vorherrschaft bei Hochleistungsrechnern zu brechen. Während Deutschland sein Programm zur Herstellung eines eigenen Hochleistungsrechners bereits eingestellt hatte, fuhren die Japaner mit den Supercomputern der SX-Serie einige Erfolge ein. Im Jahr 2002 besaßen sie mit dem 250 Millionen Euro teueren „Earth-Simulator“ den vorübergehend stärksten Rechner der Welt. Heute rüsten IBM und NEC die deutschen Forschungszentren in Jülich, München und Stuttgart mit ihren Computern aus.

          Weitere Themen

          Dacia Duster Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Dacia Duster

          Kein SUV bietet mehr fürs Geld. Das merken immer mehr Kunden, und mit dem neuen Turbo-Benziner ist der Dacia Duster sogar richtig flott.

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.