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Smartphone Huawei P8 im Test : Nur im Preis ein halbes iPhone

Das neue Flaggschiff von Huawei: P8 Bild: Hersteller

Der chinesische Hersteller Huawei drängt in die Oberklasse der Smartphones. Das neueste Modell heißt P8. Es macht gewaltig Eindruck.

          3 Min.

          Viele Gerüchte, erste „Leaks“ und unscharfe Bilder von Prototypen: Wenn der chinesische Netzwerkausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei einen Pressetermin anberaumt, ist die mobile Welt angespannt. Fast wie bei einem Apple- oder Samsung-Event. Das wundert nicht, denn die Huawei-Geräte haben mittlerweile einen gewissen Kultstatus erreicht: hohe Verarbeitungsqualität, kleiner Preis, trickreiche Funktionen und eine Betriebssoftware, die viel Nutzwert bringt. So lässt sich in etwa das Geheimnis des chinesischen Erfolgs zusammenfassen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun kommt das neue Referenzgerät P8 in den Handel, auf den ersten Blick ein typisches Android-Smartphone mit 5,2-Zoll-Display. Es entfällt Ascend, der Beiname bisheriger Geräte. Aber alles andere bleibt gleich. Und schon der zweite Blick lässt staunen über die besonders dünne Bauweise (6,4 Millimeter) und eine hochauflösende Anzeige mit extrem schmalen Rändern. Mit Aluminium-Gehäuse und angeschliffenen Kanten gehört das P8 nun eher zur Ober- als zur Mittelklasse.

          Auf den ersten Blick ein typisches Android-Smartphone mit 5,2-Zoll-Display

          Der IPS-Bildschirm überzeugt mit Full-HD-Auflösung (1920 × 1080 Pixel), satten Farben und einem beachtlichen Blickwinkel. Zugegeben: Samsung kann es bei seinen beiden jüngsten Oberklasse-Modellen noch besser. Aber die sind auch deutlich teurer. Das P8 startet hingegen mit einer Preisempfehlung von 500 Euro, der Ladenpreis dürfte sich schnell bei 400 Euro einpendeln. Auch die übrige Ausstattung liegt auf sehr hohem Niveau: Der Achtkernprozessor ist eine Eigenentwicklung von Huawei und kann auf drei statt der sonst üblichen zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zurückgreifen. Das Tempo des Kirin 930 mit 64 Bit ist ordentlich, und bei der Konnektivität überzeugen die Chinesen mit LTE bis 150 Mbit/s, Bluetooth 4.1 und NFC.

          Kurioserweise muss man beim W-Lan auf das 5-Gigahertz-Frequenzband verzichten, und leider ist die deutsche Variante des P8 keine Dual-Sim-Ausführung. Die internationalen Modelle des P8 erlauben die Bestückung des Micro-SD-Schlittens mit einer zweiten Nano-Sim-Karte. Dieser schöne Luxus für Vielreisende musste angeblich dem Druck deutscher Netzbetreiber geopfert werden.

          Nimmt man das P8 mit Android 5 in Betrieb, entdeckt man sofort weitere Vorzüge: Das Betriebssystem ist aufgeräumt, es herrscht vornehme Zurückhaltung, aufdringliche Werbe-Software fehlt, und je länger und intensiver man sich mit dem Huawei beschäftigt, umso mehr feine Details lernt man schätzen. Vieles ist von Apple kopiert, etwa der Start der geräteübergreifenden Suchfunktion mit einer Wischgeste nach unten.

          Andere Vorzüge gibt es schon lange bei Huawei, zum Beispiel die Möglichkeit, datenhungrigen Apps den Zugriff auf Standort, Kontakte, Kalender und weitere persönliche Informationen kurzerhand abzudrehen. Das funktionierte bereits mit dem Ascend P6, hier ist nun die Huawei-App PM Plus dafür zuständig. Auch kann man gleich zwei Kennworte für den Gerätezugriff vergeben, das eine dient als Gastkennwort, das andere schützt persönliche Daten. Neu ist ferner eine Energiekontrolle für Apps.

          Erstmals ist das Referenzgerät von Huawei gegen Spritzwasser geschützt

          Erstmals ist das Referenzgerät von Huawei gegen Spritzwasser geschützt, und der Freisprechmodus macht in kleinen Besprechungen ein Konferenzsystem überflüssig. Die Nebengeräuschunterdrückung arbeitet vorzüglich, nun auch mit Headsets. Als Sahnehäubchen ist demnächst ein E-Ink-Aufsatz für das P8 erhältlich, der zum Lesen elektronischer Bücher als Huckepack-Zweitdisplay für die Rückseite dient. Gute Ablesbarkeit selbst bei hellem Sonnenschein und niedriger Energieverbrauch sind die Pluspunkte. In dieser Hinsicht fährt man aber mit dem P8 und seinem fest eingebauten Akku ohnehin bestens: Selbst bei intensiver Nutzung sind anderthalb Tage problemlos zu erreichen.

          Besonderes Augenmerk hat Huawei auf die Kamera gelegt, die mit 13 Megapixel auflöst und einen optischen Bildstabilisator mitbringt. Im Unterschied zum Samsung Galaxy S6 und iPhone 6 Plus ragt die Bildeinheit nicht aus dem Gehäuse hervor, sondern schließt bündig ab. Auch kommt ein eigener Signalprozessor zur Szenenerkennung und Unterdrückung des Bildrauschens bei wenig Licht zum Einsatz. Das P8 macht insgesamt sehr gute Fotos mit lebendigen Farben und beeindruckenden Kontrasten, vor allem in Innenräumen.

          Nah an der Oberklasse

          Vergleicht man mit den Rivalen von Samsung und Apple, erledigt die Huawei-Software ihre Nachbesserungsarbeiten bisweilen zu gut: Der Himmel ist blau wie nie, manches Detail wirkt leicht überzeichnet. Unter widrigen Lichtverhältnissen bewährt sich das P8, aber es reicht nicht ganz an die Wettbewerber heran. Wer ein Stativ hat, kann indes mit dem „Super-Nacht“-Modus die Belichtungszeit und die ISO-Empfindlichkeit manuell einstellen und damit sehr rauscharme Aufnahmen erhalten.

          Insgesamt fährt Huawei mit dem neuen P8 nah an die Oberklasse heran. Die unaufdringliche Android-Software mit vielen Anleihen von Apple gefällt, Verarbeitungsqualität, Akku-Laufzeit und Preis sind ebenfalls starke Argumente für den Kauf. Man macht nichts verkehrt, wir können diesen Androiden nur empfehlen. Die etwas kleinere Version heißt P8 Lite und kommt von Mitte Mai an für 250 Euro in den Handel, ein größerer Bruder namens P8 Max ist ebenfalls angekündigt.

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