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Folgen des Handelskriegs : Huawei und sein Versprechen für die Zukunft

Riesig groß: Das Mate 20 X in der Version 5G mit einem Display, das 7,2 Zoll misst. Bild: Hersteller

Der amerikanische Bann gegen den chinesischen Telekom-Konzern bleibt angeblich für die Kunden folgenlos. Huawei präsentiert sein erstes 5G-Smartphone.

          Wie geht es weiter mit Huawei? Der chinesische Telekom-Konzern und Netzwerkausrüster steht im Fokus fortwährender Angriffe aus Amerika. Mit einem Bann belegt, soll er für seine Neuerscheinungen auf dem Smartphone-Markt nicht mehr das vollständige Android-Betriebssystem nutzen können, sondern nur Teile davon. Wie darf man sich die nächsten Neuerscheinungen von Huawei vorstellen? Mit einem eigenständigen Huawei-Betriebssystem könnte man sich schnell anfreunden. Denn die Chinesen haben ohnehin ihr auf Android aufsetzendes Emui schon lange den eigenen Geräten mitgegeben. Doch was ist mit dem Google Play Store und den Apps der Google-Welt? Muss man hier Kompromisse eingehen, könnte eine langjährige Erfolgsgeschichte schnell enden.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In der vergangenen Woche stellte Huawei in Berlin sein erstes 5G-Smartphone für den deutschen Markt vor, das Mate 20 X 5G. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich um ein modifiziertes Mate 20 X, also jenes Monster-Smartphone, das im vergangenen Jahr mit seinem riesigen 7,2-Zoll-Bildschirm als ideale Maschine für Gamer und Video-Freunde debütierte. Glasgehäuse und geriffelte Rückseite sowie viele weitere Finessen sorgen für eine Einordnung in der Oberklasse. Das Mate 20 X 5G bringt alle Pluspunkte des Spiele-Smartphones mit, darunter den derzeit stärksten Huawei-Prozessor Kirin 980 und die rückseitige Leica-Triple-Kamera mit 40-Megapixel-Auflösung des Weitwinkelobjektivs plus Teleobjektiv mit 8 Megapixel.

          Das europäische Ausland ist indes schon weiter

          Der 230-Gramm-Bolide kommt mit Android 9. Acht Gigabyte RAM daher, und 256 Gigabyte Speicher für eigene Daten sind üppig. Zusätzlich ist der Speicher mit den proprietären NM-Speicherkarten erweiterbar, die ausschließlich von Huawei angeboten werden. Zwei mögliche Minuspunkte fielen uns während der Vorstellung in Berlin auf: Obwohl die Anzeige riesig ist, löst sie nur mit Full HD Plus auf, das sind 2244 × 1080 Pixel. Hier hätte man mehr erwartet. Und sodann ist ein Akku mit einer Kapazität von 4200 Milliamperestunden verbaut, das ist zwar überaus beachtlich, aber das zugrundeliegende Mate 20 X hat einen Kraftspender mit 5000 Milliamperestunden. Dass man bei beiden Geräten, Mate 20 X und Mate 20 X 5G, auf induktives Laden verzichten muss, sei ebenfalls erwähnt.

          Nichtsdestotrotz: Der kommende neue ultraschnelle Mobilfunkstandard wird hier mit einem 5G Multimode-Chipsatz umgesetzt, er heißt Balong 5000 und ist laut Huawei mit mehreren Generationen von Netzwerkprotokollen kompatibel, so dass flink von 2G bis 5G umgeschaltet werden könne. In Deutschland kann man 5G bestenfalls im Testbetrieb ausprobieren, wenn das Mate in diesem Monat für 1000 Euro in den Handel kommt. Gerade erst endete die Versteigerung der Frequenzen. Das europäische Ausland ist indes schon weiter. In der Schweiz beispielsweise lässt sich 5G bereits in mehreren hundert Städten nutzen.

          Das Mate 20 X 5G war in Berlin mit vollwertigem Android zu sehen. Doch was ist mit weiteren Neuerscheinungen und Updates, wenn am 19. August die Schonfrist endet, von der an Google dem chinesischen Konzern keine Updates, keinen Zugriff auf die Google-Dienste und den Play-Store bereitstellen darf? Die chinesischen Manager wiederholten in Berlin gebetsmühlenartig, dass sich nichts ändern wird. 17 Huawei-Geräte würden das Update auf Android 10 erhalten. Man verspricht weitere Support-Updates, die gewohnte Nutzung von „Top-Apps“ und Android. Auch auf mehrfache Nachfrage hin heißt es nur: Es ändert sich nichts. „Wir bleiben im Android-Ökosystem“, sagt Walter Ji, der Zuständige für das Konsumentengeschäft in Westeuropa.

          Entwickelt Huawei ein eigenes Betriebssystem für Smartphones? Diese Gerüchte wolle man nicht kommentieren, man wiederhole abermals, dass sich für die Kunden nichts ändern werde, und man sich auf dieses „Zukunftsversprechen“ von Huawei verlassen könne. Der amerikanische Präsident Trump hatte am Rande des G-20-Gipfels in Osaka mitgeteilt, dass die Blockade gegen den chinesischen Konzern wieder aufgehoben wird. Zugleich schränkte er ein, dass die entsprechenden Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien. Vielleicht weiß Huawei schon mehr.

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