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Android-Smartphones im Test : Geben Sie das iPhone ruhig mal aus der Hand

Bild: Johannes Krenzer

Ein Android als Alternative zum iPhone? Diese neuen Top-Modelle kämen in Frage. Ohne Einschränkung ist das Samsung S6 Edge zu empfehlen, das HTC One (M9) nur unter einer Bedingung.

          3 Min.

          Immer noch gibt es Menschen, für die das iPhone das einzige Smartphone ist, das zählt. Wenn man ihnen begeistert ein neues Android-Gerät unter die Nase hält, halten sie reflexartig ihr iPhone hoch und verweisen auf das edle Gehäuse und das sympathische Betriebssystem iOS. Einfache Bedienbarkeit, anstandslose Verarbeitung und schickes Aussehen findet man aber auch bei Android-Smartphones. Beispiele sind das Galaxy S6 und S6 Edge von Samsung und der Kritiker-Liebling One (M9) von HTC.

          Die Strategie der Weiterentwicklung ihrer Flaggschiffe könnte bei den Unternehmen unterschiedlicher nicht sein. Getreu dem Motto „Never change a winning team“ hat HTC das One (M9) gegenüber seinen Vorgängern M7 und M8 wenig verändert. Die Entscheidung ist nachvollziehbar. Das aus einem Stück Metall gefräste Gehäuse überzeugt weiterhin. Das gebürstete Aluminium auf der Rückseite glänzt wertig. Im Vergleich zu anderen Smartphones liegt das Gerät angenehm schwer in der Hand. Über den neuen goldfarbenen Rand lässt sich diskutieren.

          Ganz anders Samsung: Die Koreaner haben Ballast abgeworfen und sich etwas getraut. Vom abnehmbaren Kunststoffrücken, dem austauschbaren Akku und dem Micro-SD-Slot haben sie sich verabschiedet. Nur Letzteren wird der Benutzer möglicherweise vermissen. Zudem hat Samsung seinem Flaggschiff S6 eine Modellvariante zur Seite gestellt, die von nun an die Spielführerbinde übernehmen könnte: das S6 Edge.

          Die Kamera der beiden Android-Smartphones im Vergleich Bilderstrecke

          Dieses steht auch im Fokus unseres Tests. Es unterscheidet sich vom S6 fast nur durch das Display, dessen Glas an beiden Seiten abgerundet ist. Dadurch wird es nicht nur zum Hingucker und Handschmeichler. Der Rand übernimmt Aufgaben eines zweiten Mini-Displays, von Samsung „Seitenbildschirm“ genannt, je nach Wahl auf der linken oder rechten Seite. Nach gut einer Woche des täglichen Umgangs mit dem Edge haben wir diese Funktionen so liebgewonnen, dass wir sie nicht mehr missen möchten. Nachts lässt sich etwa der Rand als minimalistische Uhr- und Weckzeit-Anzeige aktivieren, die kaum Akkuleistung beansprucht.

          Häufig nutzten wir auch die Favoritenleiste, die sich durch einen Wisch über den Rand einblendet. Fünf ausgewählte Kontakte sind dadurch schnell erreichbar. Überhaupt festigt sich der Eindruck, dass Samsung beim Edge die Optimierung der Benutzeroberfläche im Blick hatte. Selbst die nervtötende „Crapware“ ist fast verschwunden. Ein großer Pluspunkt ist die schnelle Erreichbarkeit der Kamera. Ein Doppelklick auf den Homebutton genügt, und nahezu ohne Verzögerung ist die Kamera einsatzbereit und löst auch blitzschnell aus.

          Die Kamera punktet zudem mit der Qualität der Bilder. Zieht man zum Vergleich das iPhone 6 Plus als Referenzgerät heran, findet man keinen eindeutigen Sieger. Weil das iPhone dank seiner Software den Hell-Dunkel-Bereich maximal dehnt und die Kontraste erhöht, kann es mit sehr hellen Bereichen an sonnigen Tagen besser umgehen. Diese Schwäche des Edge wird in den schattigen Bereichen zu seiner Stärke. Dort sind dann noch Details zu erkennen, die der Kontrastkorrektur beim iPhone zum Opfer fallen. Bilder in mäßig beleuchteten Innenräumen lassen einen bei Edge und iPhone staunen: Sie rauschen kaum.

          Wäre nur nicht die schwache Kamera

          Das ist beim One (M9) anders. Die Kamera bleibt eine Schwäche des Flaggschiffs von HTC. Außenaufnahmen waren selbst bei ansetzender Dämmerung eines sonnigen Tages überbelichtet, die Stellen mit den Spitzlichtern reißen aus. Bilder in wenig beleuchteten Räumen rauschen deutlich. Nach einem Software-Update, das HTC eilig nachgeschoben hat, ist eine Verbesserung zu erkennen. Sie reicht aber nicht aus, um mit der Kamera von iPhone 6 oder S6 Edge mithalten zu können. Das darf bei einem Preis von 750 Euro nicht vorkommen.

          Schaut man sich die technischen Fakten des Bildschirms an, könnte man meinen, dass das One (M9) auch hier einem Vergleich nicht standhält. HTC hat sich „nur“ für ein Full-HD-Display mit einer Auflösung von 1920×1080 Pixeln (441 ppi) entschieden, das Edge hingegen kommt mit einem Quad-HD-Display auf 2560×1440 Pixel (577 ppi). Doch die Zahlen entsprechen nicht der Wahrnehmung. Der Bildschirm des One ist knackig scharf, hell, mit aussagekräftigen Farben und einer guten Blickwinkel-Stabilität. Hält man das Edge daneben, sticht dieses zunächst hervor, aber das HTC nicht aus. Denn Samsung arbeitet wie schon beim Note 4 und seinen neuesten Tablets mit überzogener Farbsättigung. Was die Darstellung der Android-Oberfläche noch erfrischend und superscharf macht, taucht Fotos und Filme häufig in grelles Licht und kitschige Farben. Realistisch sieht das nicht aus.

          Was die Prozessorleistung betrifft, sind die beiden Oberklasse-Smartphones mit dem Bestmöglichen ausgestattet. Im HTC One arbeitet ein Snapdragon 810 von Qualcomm mit 64-Bit-Architektur, unterstützt von 3 Gigabyte Arbeitsspeicher. Im Benchmark-Test vergibt Geekbench 3 im Multi-Score-Modus 4131 Punkte. Damit lässt das One sogar das iPhone 6 hinter sich. Das Edge legt noch einen drauf und erreicht im gleichen Benchmark-Test 4833 Punkte. Samsung hat sich dieses Mal für den hauseigenen Prozessor mit acht Kernen entschieden. Die gemessenen Werte bestätigt auch der alltägliche Umgang mit den Smartphones. Das One und S6 Edge sind in jeder Hinsicht blitzschnell. Das Öffnen von, Arbeiten mit und Wechseln zwischen Apps geht sehr flott. Wartezeiten gibt es nicht mehr. Und der Spaß ist bei beiden von sehr ordentlicher Dauer. Selbst wenn der Akku stark beansprucht wird, hält er auf jeden Fall einen Tag.

          Bis auf die schwache Kamera des HTC One haben uns beide Smartphones jeweils eine Woche begleitet, ohne dass jemals die Sehnsucht aufkam, zum iPhone zu greifen. Samsung hat uns mit seinem Galaxy S6 Edge überzeugt. Abschreckend ist jedoch der Preis, denn der Spaß beginnt bei 850 Euro (32 Gigabyte) und endet bei 1050 Euro (128 Gigabyte). Da wirkt ja fast das iPhone 6 Plus günstig.

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