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HiFi-Anlage von Sonoro im Test : Schüchterne Faltmembrane

  • -Aktualisiert am

Das komplette System von Sonoro besteht aus drei Komponenten. Bild: Hersteller

Sonoro macht sich auf den Weg aus der Küche in die Wohnstube. Dort ist klassische HiFi-Kunst gefragt.

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          Wer ein kompaktes Küchenradio sucht, das richtig und richtig gute Musik macht, in einem hübschen Holzgehäuse steckt, Digitalempfang beherrscht, Streamingdienste anzapft und auch noch CDs abspielt, stößt irgendwann auf den Namen des in Neuss ansässigen Herstellers Sonoro. Kongeniale Apparate, die im Schlafzimmer den Weckdienst übernehmen oder neben der Dusche aufspielen, zählen ebenfalls zu den Spezialitäten des Hauses. Jetzt traut sich Sonoro auf neues Terrain, mit einer Musikanlage nach klassischen HiFi-Rezepten. Das lässt aufhorchen: Kann er damit in einem von etablierten Marken dichtbesiedelten Umfeld bestehen?

          Das komplette System besteht aus drei Komponenten: dem Receiver Maestro, der die gesamte Elektronik vereint und 1300 Euro kostet, und den Lautsprechern Orchestra zum Paarpreis von 1000 Euro, die erst vor wenigen Tagen das offizielle Licht der Welt erblickten. Bevor wir den Receiver aus seinem Karton hievten, streiften wir erst einmal die mitgelieferten Baumwollhandschuhe über. Das Gerät steckt nämlich in einem hochglanzlackierten Holzgehäuse, das Fingerabdrücke gnadenlos herzeigt. In unserem Fall trafen Hände und Augen auf eine schneeweiße Oberfläche, eine schwarze Version ist ebenfalls zu haben.

          In der schimmernden Behausung stecken die Empfänger für analoges UKW- und digitales DAB-Radio, eine W-Lan-Station für den Zugriff auf Internetradio und etliche Streamingdienste von Spotify über Tidal bis Qobuz, ein Verstärker mit 200 Watt starken Schaltendstufen und ein CD-Laufwerk. Die üblichen Schnittstellen verbinden mit weiteren Programmquellen. Zwei Hochpegeleingänge, ein optischer und ein koaxialer Digitaleingang sowie ein Anschluss für einen Plattenspieler mit Magnetsystem finden sich auf der Geräterückseite. Sollen Smartphones mitspielen, transportiert Bluetooth die Musik. Der Kurzstreckenfunk kann auch drahtlose Kopfhörer ansteuern. Und den Kontakt zu den Lautsprechern stellen robuste Schraubklemmen her.

          Die Sache klappt nur mit iOS-Geräten

          Die Vorbereitung des Geräts auf den praktischen Einsatz erfordert ein bisschen Geduld. DAB-Radio verlangt nach einem Suchlauf, W-Lan muss sich mit dem Router verbinden, Bluetooth mit Peripheriegeräten paaren, Streamingdienste möchten, dass man Konten anlegt. Eine 70 Seite starke Bedienungsanleitung führt durch die nötigen Prozeduren, die Fernbedienung erleichtert so manchen Schritt. Wir haben lieber eine passende App geladen und alles vom Smartphone aus erledigt. Eine weitere App, die Sonoro Room Correction, kann den Klang optimieren, etwa um zu fette Bässe elektronisch zu verschlanken. Dazu sendet das Mobilgerät Testsignale an die Anlage, sein eingebautes Mikrofon fängt die Wiedergabe ein und leitet daraus Filter-Einstellungen ab. Allerdings klappt die Sache nur mit iOS-Geräten. In der Android-Welt wäre die Vielfalt der Mikrofone eine zu große Unwägbarkeit.

          Stimmt am Ende alles, ist die weitere Bedienung ein Kinderspiel, nicht zuletzt dank des farbigen LCD-Schirmchens auf der Gerätefront. Es zeigt alles Nötige übersichtlich an, vom Streamingsignet bis zum Senderlogo. Und wenn eine CD musiziert, läuft der Titelname über die Bildfläche. Der automatische Zugriff auf eine Internetdatenbank macht es möglich.

          Ein paar sachdienliche Hinweise noch zu den Lautsprechern. Sie sind mit ihrer Bauhöhe von 37 Zentimetern dem Regalformat eigentlich schon entwachsen. Auf einem Sideboard machen sie sich gut. Wir fanden die freie Aufstellung auf einem passenden Fuß noch besser, auch, weil der 15 Zentimeter große Tieftöner von einem nach hinten strahlenden Bassreflex-Port unterstützt wird, der nicht direkt gegen eine Wand blasen sollte. Den Hochtonbereich vertraut Sonoro Air-Motion-Transformern an, feinen, gefalteten Folienmembranen, die wie eine Ziehharmonika schwingen und schon geringe Oberflächenbewegungen in beachtlichen Schalldruck verwandeln. Solche Wandler sind eigentlich eher in der High-End-Szene zu Hause, was als ein weiteres Indiz für die hohen Ambitionen der Entwickler gewertet werden darf.

          Der Auftritt des Trios in unserem Hörraum hat uns tatsächlich beeindruckt. Nicht etwa mit Spektakel, sondern mit eher dezenten, unaufdringlichen Klängen. Bollernde Bässe? Fehlanzeige, statt dessen lässig intonierte, gelegentlich fast gehauchte, aber tiefe Fundamentaltöne. Zirpende Höhen? Niemals. Die feinen Faltmembranen tönen sauber, manchmal fast ein bisschen schüchtern. Vor allem, wenn sich der Hörer weit nach rechts oder links aus der Abstrahlachse bewegt. Perfektes Rundstrahlverhalten zählt offenbar nicht zur Kernkompetenz dieser Hochtöner. Das ist eigentlich schon der einzige Wermutstropfen. Alles andere spricht für einen gelungenen Einstieg von Sonoro in die gehobene HiFi-Welt.

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