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Circle von Logi im Test : Kamera mit Familienanschluss

Weiter Winkel: Logi Circle im Büro, markante Ereignisse mitsamt Uhrzeit sind rechts abrufbar Bild: Spehr

Die Circle von Logi schaut ins Heim und fasst zusätzlich das Wichtigste des Tages zusammen. Fragt sich, wer das gebrauchen kann.

          3 Min.

          Man sollte sie eigentlich nicht als Überwachungskamera bezeichnen. Den Job erfüllt sie nämlich mehr schlecht als recht, wenngleich Push-Meldungen auf dem Smartphone darauf hinweisen, dass zu Hause etwas gesehen oder gehört wurde. Die Circle der Logitech-Tochter Logi arbeitet zwar wie andere Heimkameras mit App-Unterstützung, sie ist jedoch eine ganz neue Gerätegattung, nämlich eine Art Ereignisrekorder für Familien oder Tierhalter. Weniger die Kontrolle steht im Vordergrund, sondern der Spaß, mal eben von unterwegs aus zu sehen, was sich zu Hause gerade tut - und abends schaut sich der Abwesende im Hotelzimmer eine 30-Sekunden-Zusammenfassung des Tages daheim an. Dieses Resümee mit den vermeintlich schönsten Momenten wird automatisch erstellt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Logi Circle für 200 Euro gehört zu den wenigen Heimkameras mit eingebautem Akku. Das erweitert ihren Aktionsradius ungemein. Man kann sie einfach auf das Regal setzen, das den besten Blick ins Wohnzimmer bietet oder in die Nähe des Hundekörbchens, wenn der dort Dösende das Objekt der Beobachtung ist. Der Akku hält im Energiesparmodus, in dem nicht alle Sensoren aktiv sind, einen halben Tag durch. Mit voller Funktionalität sind es leider nur rund drei Stunden. Die Ladekonstruktion verdient Lob und Kritik.

          Einerseits ist das USB-Kabel ungewöhnlich lang, drei Meter, andererseits ist die Vorrichtung selbst labil: Zwei Metallstifte an der Unterseite der Kugel müssen zwei Metallbahnen im Ladefüßchen treffen. Das geht oft schief, und zum Wackelkontakt gibt es noch eine krächzende Rückmeldung dazu. Nichtsdestotrotz stellt man immer wieder und erst nach einem Blick ins entsprechende Menü der App fest, dass nicht geladen wird, obwohl die Kamerakugel auf ihrem Füßchen steht.

          Mehr als eine Heimkamera: die Circle von Logi
          Mehr als eine Heimkamera: die Circle von Logi : Bild: Hersteller

          Davon einmal abgesehen, ist die Einrichtung überaus einfach: App laden, am Smartphone die Kamera mit dem W-Lan verbinden, das ist schon alles. Die Optik löst ganz hervorragend mit einem extremen Weitwinkel auf, so sieht man wirklich viel von daheim. Auch der Ton wird übertragen, man kann aus der App heraus sogar gegensprechen in den Raum hinein. Es gibt einen ebenfalls vorzüglichen Nachtsichtmodus, und mit einem Zeitstrahl wählt man innerhalb der App jene Elemente zum Zurückblättern und zur Wiedergabe aus, welche die Bewegungssensoren detektiert haben.

          Diese Ereignisse sind bis zu 24 Stunden lang in einer Art Logi-Cloud abgelegt, man kann nur aus der App darauf zugreifen - und zum Glück speichern. Zum Beispiel mit dem iPhone über die Standardfunktionen des Teilens und der Weitergabe, von hier aus gelingt manuell auch ein Export etwa in die Dropbox. Indes: Als Überwachungskamera müsste die Circle deutlich mehr bieten, nämlich eine direkte Cloud-Anbindung, längere Speicherzeiten, die Verwendung mit mehr als nur einem einzigen Smartphone, Zugriff über den Web-Browser und anderes.

          Was die Bewegungssensoren als wichtig erachten, scheint sich an der Brauchbarkeit für die Tageszusammenfassung zu orientieren. Mit dem Blick nach draußen werden die sich im Wind bewegenden Äste des Baums ignoriert, aber auch der Postbote und der Zeitungszusteller. Ein Spaziergänger am Ende der Straße löst jedoch plötzlich Alarm aus. Als wir das Auto vom Hof fahren, bleibt die Kamera wiederum stumm. Die Empfindlichkeit der Bewegungssensoren lässt sich nicht einstellen, auch können keine Bewegungszonen oder differenzierte Alarmmeldungen konfiguriert werden.

          Die Logi Circle für 200 Euro gehört zu den wenigen Heimkameras mit eingebautem Akku.
          Die Logi Circle für 200 Euro gehört zu den wenigen Heimkameras mit eingebautem Akku. : Bild: Logi

          Die 30 Sekunden dauernde Tageszusammenfassung dieses Familienrekorders ist jedoch ein spannendes Detail, das die einen begeistert - und bei anderen Bedenken hervorruft: Ist es in Ordnung, wenn der Vater auf Geschäftsreise mit einem längeren Blick sieht, dass die Kinder daheim den Nachmittag über nur gespielt und sich wahrscheinlich nicht eine Minute lang den Hausaufgaben gewidmet haben? Den Kontrollblick aus der Ferne erlauben indes so gut wie alle anderen Überwachungskameras ebenfalls. Nur dass der neugierige Familienchef etwas mehr Zeit und Aufwand investieren muss, etwa um auf den Cloud-Speicher mit den Bewegungsvideos zuzugreifen oder, wenn es um den Gesamtüberblick eines ganzen Tages geht, einen Zeitstrahl mit Ereignissen manuell „abzufahren“. Einen Zeitraffer aller gespeicherten Videoereignisse bieten andere Kameras ebenfalls an.

          Wer Heimüberwachung mit Cloud-Diensten kombiniert, muss sich schließlich die Frage gefallen lassen, wie es um die Sicherheit der dort liegenden Daten bestellt ist. Gelangen Dritte daran, sind rechnergestützte Auswertungs- und Analysemöglichkeiten weitaus brisanter als die private Neugier. Nicht zuletzt deshalb wollen die Internetgiganten wie Google ins vernetzte, smarte Heim: weil sie zum Beispiel aus einer Videoanalyse einer gemächlich durch die Wohnung schlurfenden Person deren Krankheiten oder drohende Krankheiten ermitteln können. Ist die vernetzte Kamera erst einmal im Haus, das gilt für jedes Modell, verabschiede man sich vom Gedanken der Privatsphäre.

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