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Handy : Pannenbericht Mobiltelefone: Besser als ihr Ruf

Handy-Innereien im Detail: Dort steckt oft der Teufel Bild: Wille

Die Klagen über immer schlechtere Verarbeitungsqualität bei Handys sind nicht immer berechtigt. Vor dem Kauf gilt es sich dennoch zu informieren. Doch Vorsicht bei „Pannenstatistiken“: Oftmals sagen diese nicht viel aus.

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          Viele Leser fragen nach der Robustheit von Handys im Dauereinsatz. Es gehe ihnen nicht darum, dass das nächste Mobiltelefon alle nur denkbaren Funktionen habe, sondern um seinen zuverlässigen Einsatz im Alltag. Uns fällt dazu als erstes Norwegen ein. Hier ist der Kunde König, es gibt eine fünfjährige Garantie für Mobiltelefone. Unlängst hat sich das Oberste Gericht mit diesem ungewöhnlich langen Recht auf Reklamation beschäftigt. Marktführer Nokia argumentierte in diesem Rechtsstreit, dass Mobiltelefone nur auf eine Lebensdauer von zwei Jahren ausgelegt seien. Und hatte mit dieser bezeichnenden Aussage keinen Erfolg. Wer sich mit dem Thema intensiver beschäftigt, stößt sogleich auf die „Pannenstatistiken“ der kleinen Fachzeitschriften. Schon der Begriff ist irreführend. Er soll an die ADAC-Pannenstatistik anknüpfen, die repräsentativ nach Einsätzen der ADAC-Straßenwacht erhoben ist.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Handys bleiben aber nicht auf der Straße liegen. Die Zeitschriften befragen deshalb ihre Leser, und die Ergebnisse sind brisant und belanglos zugleich. Da meldet sich natürlich nur, wer schlechte Erfahrungen mit seinem Mobiltelefon gesammelt hat, was beispielsweise ein „Pannenreport“ der „Connect“ zeigt. Hier schickten lediglich 7000 der 110.000 Zeitschriftenkäufer überhaupt den Fragebogen ein: angesichts von mehreren hundert Millionen Mobiltelefonen in Deutschland ein eratisches Rauschen. Trotzdem verkündete die „Connect“ lauthals: „Jedes fünfte Handy geht kaputt!“ Denn von den 7000 Einsendern hatten 1200 ihr Gerät bereits einmal zur Reparatur gegeben. „Fehlerquelle Nummer eins“ sei mit 42 Prozent die Software. Hier kann man natürlich vortrefflich streiten, ob ein Garantie- oder Reparaturfall vorliegt. Denn alle großen Hersteller aktualisieren regelmäßig das Betriebssystem ihrer Top-Handys. Da werden kleine Macken ausgebügelt oder neue Funktionen hinzugefügt. Nokia hat beispielsweise die Empfindlichkeit des GPS-Empfängers seiner Modelle N95 und E90 durch ein Software-Update erheblich erhöht.

          Die anfälligsten Komponenten

          Dauerte früher die Suche nach den Satelliten bis zu fünf Minuten, ist die Angelegenheit nun dank hinzugefügtem Assisted GPS (die Positionsdaten der Erdtrabanten werden über Mobilfunk geladen) in weniger als 30 Sekunden erledigt. Natürlich will der technikaffine Käufer das sofort haben und stürzt mit seinem Gerät ins nächste Nokia-Center, wo er das gefragte Update gratis bekommt. Ist das nun eine Reparatur oder nicht? Des Handys Software-Macken lassen sich übrigens bei fast allen Geräten der namhaften Hersteller einfach und bequem zu Hause ausbügeln. Man aktualisiert dazu das Betriebssystem des Mobiltelefons am PC. Erforderlich ist nur ein DSL-Anschluss, wichtig ist eine vorherige Datensicherung. Das alles ist mittlerweile so selbstverständlich wie die regelmäßigen Sicherheits-Updates des Betriebssystems.

          Bei unserem Kollegen bis heute im Einsatz: Das Nokia 6310i

          Um noch einmal auf den Pannenreport der „Connect“ zurückzukommen: Tastatur, Display und Akku sind die anfälligsten Komponenten eines Handys, und das mag richtig sein, auch wenn die Datenerhebung nicht repräsentativ ist. So bleibt also nur der Rückgriff auf eigene Erfahrungen. Insgesamt gesehen, ist die Verarbeitungsqualität der Handys in den vergangenen Jahren deutlich schlechter geworden, aber wir haben in zehn Jahren nur ein Handy zur Reparatur geben müssen. Ein legendäres Nokia 6310i aus dem Jahr 2002 ist bei unserem Kollegen Rüdiger Abele bis heute im Einsatz. Es hat natürlich kein Farbdisplay, keine E-Mail und kein UMTS. Aber eine sagenhafte Ausdauer von mehr als einer Woche. Das gute Stück zeigt zwar mittlerweile ein paar Kratzer und Staub hinter dem Display, arbeitet aber perfekt wie am ersten Tag. Eine solche Verarbeitungsqualität sucht man heute vergebens.

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