https://www.faz.net/-gy9-6m60f

Handy als Mobilitätszentrale : Mitfahren mit Web 2.0

Nur eine Frage der guten Planung: Flinc setzt auf eine iPhone-App Bild: Michael Spehr

Das junge Startup-Unternehmen „Flinc“ bindet das Mitfahren in elektronische Netzwerke ein. Man nimmt mal den einen, mal den anderen mit und muss sich nicht an starre Abfahrtszeiten halten. Ein weiterer Anbieter ist Open Ride.

          4 Min.

          Mitfahrzentrale: Das hört sich staubtrocken nach den achtziger Jahren an, man denkt an die guten alten Zeiten von Karteikästen und „Anhaltern“ am Straßenrand. Letztere sind aus dem deutschen Straßenbild so gut wie verschwunden. Man will sich eben nicht Tage vor seiner Reise irgendwo anmelden oder wildfremde Leute auf seinen savannebeigefarbenen Ledersitzen im Sportcoupé lümmeln lassen. Indes hat die Idee einer angenehmen Plauderei während der Fahrt durchaus ihren Reiz, wenn Freunde oder zumindest weitläufige Bekannte mitfahren.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          So sieht man immer wieder Hinweise auf Twitter oder Facebook, wer wann welche Fahrt antritt, auf dass sich ein Follower oder Facebook-Freund als spontane Reisebegleitung melden möge. Diesen Gedanken, das Mitfahren in elektronische Netzwerke einzubinden, treibt das junge Startup-Unternehmen „Flinc“ an. Drei Studenten der Fachhochschule Darmstadt entwickelten die Idee, ein erfahrener Unternehmer kam als Geschäftsführer dazu, man gründete eine Aktiengesellschaft, und in der vorigen Woche ging Flinc nach längerem Versuchsbetrieb an den Start.

          Das Funktionsprinzip von Flinc basiert unter anderem auf dem Vertrauensbonus der sozialen Netze. Wer mit Foto und seinem realen Namen angemeldet ist und sich über mehrere Ecken in den eigenen Bekannten- oder Freundeskreis einordnet, den sieht man mit anderen Augen. Auch auf dem Leder in Savannebeige (5823 Euro Aufpreis). Man baut in Flinc sein privates Mobilitätsnetz auf, erkennt Relationen und Verknüpfungen zu anderen, erfährt, dass das Gegenüber schon 27 Mal Fahrer oder Mitfahrer war und dabei durchgängig positive „Bewertungen“ erhalten hat.

          Nach der Eingabe von Start und Ziel...

          „Routen-Matching“

          Flinc will an „soziale Hubs“ andocken, etwa das Arbeitsumfeld in großen Unternehmen. Man nimmt mal den einen, mal den anderen mit und muss sich nicht an starre Abfahrtszeiten von Fahrgemeinschaften halten. Denn der zweite Pluspunkt von Flinc ist seine Flexibilität. Im Unterschied zu vielen anderen Mitfahrzentralen im Internet gibt es ein „Routen-Matching“, das auch Mitfahrer vermittelt, die auf einer Fahrstrecke zusteigen können oder nur einen Teil mitfahren. Ferner eignet sich das System für kurze Strecken und kleine Orte, die von den meisten herkömmlichen Mitfahrzentralen nicht bedient werden. Dank der Smartphone-Anbindung kann der Fahrer seine Reisedaten jederzeit eingeben - und potentielle Mitfahrer werden mit Push-Benachrichtigungen in Echtzeit informiert. Noch funktioniert das allerdings nur mit dem iPhone, eine App für die Androiden ist in Entwicklung.

          Wer losfahren will, muss sich auf www.flinc.org mit Name und E-Mail-Adresse anmelden. Anschließend kann man sein privates Netzwerk aufbauen wie bei Facebook: Nach Kontakten suchen, Freundschaftsanfragen stellen oder in den Kontakten der Freunde stöbern, um weitere Personen in den Kreis eventueller Fahrer und Mitfahrer aufzunehmen. Wie bei Facebook erhöht sich die Zahl der Kontakte durch die Freunde von Freunden ungemein schnell. Wir hatten in der vergangenen Woche mit nur 17 Flinc-Kontakten ein Mobilitätsnetzwerk aus insgesamt 2800 Personen. Wer vorsichtig ist, stellt Flinc so ein, dass sämtliche Vermittlungsaktivitäten im Rahmen des persönlichen Mobilitätsnetzes bleiben. Man fährt also beispielsweise nur mit Arbeitskollegen und jenen Personen, die man ausdrücklich in seinen eigenen Kreis aufgenommen hat. Deaktiviert man die Option, kommen Anfragen und Vorschläge aus dem gesamten Flinc-Netz.

          Weitere Themen

          Klasse Kombi-Flunder Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht Peugeot 508 SW : Klasse Kombi-Flunder

          Dem SUV-Trend zum Trotz bringt Peugeot seinen Kombi 508 in einer neuen, fast flunderartigen Version auf den Markt. Martina Göres hat ihn getestet und weiß, warum dieses Auto außen wie innen ein Schmuckstück ist.

          Das filigrane Dach

          Kathedrale der Wellen : Das filigrane Dach

          Die Kathedrale der Wellen auf dem Felsberg hat eine abenteuerliche Geschichte und eine avantgardistische Architektur. Jetzt wird ein tragfähiges Nutzungskonzept gesucht.

          Topmeldungen

          So wird man ihn nicht mehr sehen: Dirk Nowitzki im Trikot der Dallas Mavericks, hier im April 2019

          Basketballstar in Rente : Nowitzki und die große Zukunftsfrage

          Das Ziel für die anstehende Saison der besten Basketball-Liga der Welt lautet für Dirk Nowitzki: Abstand gewinnen. Für den ehemaligen NBA-Star gibt es jetzt sogar Eis zum Frühstück. Doch was macht er dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.