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Guitar Hero: On Tour : Dann doch besser Luftgitarre

Nahe an der Realität, aber immer noch virtuell Bild: Activision

Mit einem Modul kann jeder aus seinem Nintendo DS eine mobile „Guitar Hero“-Station machen. Ob diese „On Tour“-Variante des Computerspiel-Klassikers ebenso erfolgreich sein wird, ist fraglich. Nach wenigen Tönen sehnt man sich die virtuelle Gitarre herbei.

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          Auch wenn es häufig kindisch aussieht: Computer spielen ist manchmal nur etwas für Erwachsene. Klassisches Beispiel ist „Guitar Hero“. Kaum ein Kind würde auf die Idee kommen, eine Plastikgitarre in die Hand zu nehmen, um vor einem Monitor stehend einen Rocksong auf fünf bunten Tasten nachzuspielen. Dass es meist gestandene Männer tun, liegt auch daran, dass die von der Spielekonsole vorgegebenen Songs aus einer Zeit stammen, als die spielenden Erwachsene noch Jugendliche waren.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Guitar Hero“ ist ein Videospiel, bei dem der Nutzer eine Plastikgitarre bedient, um Punkte zu sammeln, aber vor allen Dingen um einen Rockstar zu spielen. Monitor, Fernseher oder Leinwand zeigen einen stilisierten Instrumentenhals, auf dem blaue, rote, gelbe, orange- und türkisfarbene Punkte auf den Spieler zu laufen. Immer wenn ein Punkt auf dem „Note Highway“ die „Ziellinie“ erreicht, muss er die richtige Taste drücken und dazu in die virtuellen Saiten schlagen. Die bunten Punkte entsprechen den Akkorden und Noten der Rhythmus- oder Leadgitarre. Schlagzeug, Bass und andere Instrumente laufen im Hintergrund als Begleitung. Guitar Hero ist also Karaoke für Möchtegern-Gitarristen.

          Modul für mobile Rocker

          Weil das Spiel ein Riesenerfolg ist, legen Entwickler Vicarious Visions und Verlag RedOctane ständig nach. Die jüngste Entwicklung präsentiert das Unternehmen mit „Guitar Hero: On Tour“. Dieses Modul kann jeder Freiluftrocker auf sein Nintendo DS stecken; und zwar in den Schacht, der normalerweise für die Nintendo-Spiele vorgesehen ist. Als Zubehör liegt ein Plektrum bei. Die Mobil-Konsole mit den zwei Displays mutiert dann zur Mini-Gitarre, die mit einer Schlaufe festgezurrt werden kann. Auf dem linken Bildschirm laufen die Spezialnoten entlang, auf dem rechten Display „schlägt“ man die Saiten. Damit aus den Guitar-Heros keine Ego-Rocker werden, haben die Entwickler noch eine Duellvariante eingebaut, die schon in „Guitar Hero III“ angedeutet ist. Mehrere Nutzer können gegeneinander spielen und sich dabei Fallen stellen, die der andere meistern muss.

          Aus Nintendo DS wird „Guitar Hero: On Tour”
          Aus Nintendo DS wird „Guitar Hero: On Tour” : Bild: Activision

          Wer mit Guitar Hero „on tour“ geht, stellt schnell fest, dass er besser zu Hause geblieben wäre. Vor seiner Xbox, Wii oder Playstation. Auch wenn vor Spielbeginn der Warnhinweis kommt, dass man das Handgelenk gerade halten solle, während man spielt, schmerzt es dennoch nach wenigen Minuten. Zudem droht ein steifer Hals, weil der Nutzer ständig schräg nach unten auf das Display schauen muss. Tut er das nicht, sondern hält das Gerät vor sich in Brusthöhe, bekommt er wohl einen Tennisarm. Spätestens dann macht das Spielen nicht mehr so richtig Spaß und dem Physiotherapeuten Arbeit, der den Spieler behandeln muss.

          Mit reichlich Übung zum Duck-Walk

          Das Spiel für die nicht-mobilen Konsolen hat sich mittlerweile etabliert. In New Yorker Clubs geben sich allabendlich Besucher die Gitarre in die Hand, um auf der Bühne kräftig zu ihren Lieblingssongs abzurocken. Wer auf der Karaoke-Welle nicht surfen konnte, weil er nicht singen kann, darf jetzt mit der Gitarre ran. Verspielen fällt nicht großartig auf, weil der Song wohl arrangiert weiterläuft. Mit reichlich Übung und solider Kenntnis der Gitarrenriffs lässt sich die das Getue der Gitarristen von Mötley Crüe, Kiss, Nirvana, Van Halen oder Guns n' Roses wunderbar nachahmen. Für Nachschub ist gesorgt, weil das Repertoire an Songs ständig erweitert wird. So wurden etwa für Guitar Hero III die „Legends of Rock“ zusammengestellt.

          Die Konkurrenz hatte natürlich schnell von dem Erfolg gehört und reagiert. Die eigentlichen Erfinder von Guitar Hero, Harmonix Music Systems, entwickelten für Hersteller Electronic Arts das Spiel „Rockband“ und warfen es Ende letzten Jahres auf den Markt. Der Clou: Mehrere Pseudo-Musiker bilden eine Band, die aus Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang besteht. In Zusammenarbeit mit dem Musiksender MTV erlangte auch dieses Spiel enorme Popularität und verkaufte sich mehrere Millionen mal. Der Trend weist also weiterhin in Richtung Live-Performance für Wohnzimmer-Rocker.

          Weg nach Draußen führt in die falsche Richtung

          Der Hersteller geht mit „Guitar Hero: On Tour“ also den falschen Weg. Die Kombination mit der Nintendo DS verhindert, dass sich der Nutzer wie ein echter Gitarrist fühlen kann - auch wenn das Werbevideo etwas anderes suggeriert. „Guitar Hero: On Tour“ bewegt sich wieder hin zum bloßen Videospiel, bei dem man Punkte sammeln und gewinnen will. Das Nachspielen von Musik und die Nachahmung von Rockerattitüden tritt in den Hintergrund, was dann das ursprüngliche Live-Feeling in ein Gameboy-Erfahrung rückverwandelt.

          Möglicherweise nähert sich „Guitar Hero: On Tour“ damit den Kindern. Mit dem Spiel könnten Eltern ihrem Nachwuchs zumindest ein Rhythmusgefühl vermitteln, ohne dass sich die Kleinen durch Fehler entmutigen lassen. Wenn dann die Kids irgendwann eine echte Gitarre in die Hand nehmen, weil ihnen das Versenken der bunten Punkte zu blöd erscheint, hat das Spiel ein Ziel erreicht. Sollte es so sein, sind wiederum die Eltern gefordert. Entweder müssen sie dann auch zum realen Instrument greifen oder einen Musiklehrer engagieren.

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