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Bluetooth wird noch besser : Blau frisch vertont

  • -Aktualisiert am

Es gibt sogar schon ein neues Logo. Bild: dpa

Ein großes Update für Bluetooth mit neuen Audio-Codecs und Musikverteilung für Gruppen wird kommen. Es ergeben sich unzählige neue Anwendungen.

          3 Min.

          Das Smartphone in der Tasche, den Funkstöpsel im Ohr, für die Verbindung sorgt Bluetooth. Können wir überhaupt noch anders Musik hören? Natürlich können wir, aber der Kurzstreckenfunk ist einfach so enorm praktisch. Er ist allerdings in die Jahre gekommen, denn seine Entwicklung reicht in die 1990er Jahre zurück, als Unternehmen wie Ericsson und Nokia darangingen, eine Schnittstelle für mobile Kleingeräte zu entwickeln. Damals gab es die ersten Handys mit Smartphone-Funktionen und Taschencomputer, die vernetzt werden sollten.

          Ursprünglich ging es allein darum, über kurze Distanzen die Kabelverbindung überflüssig zu machen. Auch die ersten Audio-Profile von Bluetooth waren weniger auf den Musikgenuss ausgerichtet, sondern auf die Sprachtelefonie. Der Knopf im Ohr diente allein als Freisprecher.

          Erst sukzessive kam der Gedanke auf, dass man drahtlos auch Musik in hoher Qualität hören könne. Ein hellsichtiges Start-up namens Aptx hat Bluetooth schon früh eine erste Marktlücke angemerkt und sie sogleich gefüllt – mit einer Audio-Kodierung, die 2009 in den ersten Kopfhörer von Sennheiser kam und fortan als hörbar bessere Alternative zur Bluetooth-Standard-Codierung SBC (Low Complexity Subband Codec) reüssierte.

          Für komplexere Aufgaben muss die Trickkiste her

          Aber auch andere Details der Bluetooth-Audioübertragung sind nicht mehr auf der Höhe der Zeit. So kann das Übertragungsverfahren grundsätzlich nur einen Sender und einen Empfänger miteinander verbinden. Für komplexere Aufgaben muss die Trickkiste her. True-Wireless-Kopfhörer zum Beispiel stellen schon eine Herausforderung dar: Bluetooth kann nur eines der beiden Exemplare adressieren. Dort teilt sich der Datenstrom in die beiden Stereokanäle, und eine weitere Funkstrecke zwischen den beiden Ohrhörer-Zwillingen muss her, um auch das zweite Ohr zu versorgen. Als vor drei Jahren die ersten Produkte dieser Art auf den Markt kamen, war die Verbindung zwischen beiden Partnern ein Dauerproblem mit fortwährenden Ausfällen. Die bisherige Technik kostet zudem Energie, und damit ist eine weitere Bluetooth-Schwachstelle angesprochen: Heute sind Akku-freundlichere Übertragungsverfahren realisierbar.

          Also beschloss das zuständige Gremium, die Bluetooth Special Interest Group (SIG), ein größeres Update des tönenden Kurzstreckenfunks, das auf den Namen LE hören wird. Es wartet unter anderem mit einer neuen Audiokodierung namens LC3 auf, die Abtastraten von 8 bis 48 Kilohertz unterstützt und mit Datenraten von 16 bis 320 Kilobit je Sekunde arbeitet. Hörtest des Fraunhofer-Instituts IIS zeigen: LC3 ist seinem Vorgänger deutlich überlegen und kommt sehr nahe ans unkodierte Original heran.

          Bluetooth LE soll mit 10 Millisekunden Latenz auskommen

          Eine weitere neue Eigenschaft von Bluetooth LE heißt Multistream Audio: Das Verfahren kann mehrere Audiokanäle gleichzeitig und separat übertragen. An drahtlose Stereokopfhörer ebenso wie zum Beispiel an eine Heimkino-Anlage mit 5.1 Kanälen. Voraussetzung dafür sind kurze Latenzzeiten, also zeitliche Verzögerungen, die dazu führen könnten, dass Bild und Ton nicht mehr synchron laufen. Bluetooth LE soll mit 10 Millisekunden Latenz auskommen, eine unauffällige Größe. Und weil mit Bluetooth LE zwischen Kopfhörern zusätzliche lokale Funkstrecken entfallen, ergeben sich Energie-Einsparungen, die andere Anwendungen begünstigen. Denkbar sind zum Beispiel Hörgeräte, die sich unmittelbar mit Audioquellen wie dem Smartphone oder dem Fernsehgerät verbinden.

          Ebenso hilfreich ist eine weitere künftige Bluetooth-Eigenschaft, der Broadcast-Modus. Das heißt: Eine Tonquelle funkt an beliebig viele Empfänger, wie ein klassischer Radiosender. Dazu muss die Funkstation mit entsprechender Leistung arbeiten, um auch größere Drahtlos-Strecken zu überbrücken.

          Daraus ergeben sich unzählige neue Anwendungen. Im Kino zum Beispiel könnte Bluetooth private Kopfhörer oder auch Hörgeräte befunken. Zusätzliche Tonspuren in Fremdsprachen ließen sich individuell anwählen, denn der Broadcast-Modus unterstützt auch die Funkversorgung von Gruppen. Freunde können gemeinsam Musik über ihre jeweiligen Headsets hören, und Museen müssten keine Hardware mehr als Audioführer ausgeben. Denn Bluetooth-Funk würde die gesprochenen Informationen transportieren, wenn es sein muss in babylonischer Sprachvielfalt. Denkbar ferner: Im Fitness-Studio oder am Flughafen, wo Fernsehgeräte mit Untertiteln stumm ihr Programm zeigen, könnte man sich künftig auf Knopfdruck in den Audio-Stream einschalten, um nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören.

          Für all diese Funktionen gibt es sogar schon ein neues Logo, das künftig auf öffentliche Bluetooth-Angebote hinweisen soll: Es ergänzt das bekannte stilisierte B um den Schriftzug „Audio Sharing“. Bis alle neuen LE-Spezifikationen abgeschlossen und die nötigen Chips entwickelt sind, wird noch mindestens ein Jahr ins Land gehen. Das neue System wird nicht rückwärtskompatibel sein. Herkömmliche Geräte wie Smartphones und Computer aber lassen sich dann nutzen wie bisher. Sie werden die konventionelle Übertragung einfach weiter unterstützen.

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