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Gratis-Portale im Internet : Kann denn Filmegucken Sünde sein?

  • -Aktualisiert am

Die Internetseite von kino.to vor der Razzia Bild: kino.to

Kino.to streamt Filme und Serien - kostenlos und illegal. Filmfreunde bedienen sich, manchen zwickt das Gewissen. Die Durchsetzung der Rechtslage hat ihre Grenzen - die Seite ist auf einer winzigen Insel im Südpazifik registriert.

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          30,6 Millionen Suchergebnisse präsentiert Google bei der Eingabe der Zeichenfolge „kino.to“. In Deutschland steht das Portal laut Alexa-Statistik auf Platz 46 der meistbesuchten Seiten. Momentan schmücken die Seite die Hauptdarsteller des Kinohits „Avatar“, nur einer von 70.000 Filmen, die über die Seite kostenlos und in passabler Qualität angeboten werden. Hinzu kommen etwa 350.000 Serientitel - kurz: Kino.to ist ein einziger Albtraum für die Kreativindustrie.

          Die Filmwirtschaft leidet unter der von Kino.to verwendeten Technik. Es sind gleich mehrere Faktoren, die das zweifelhafte Angebot schützen. Die Endung .to weist auf den ersten hin: So lauten Adressen des Pazifikarchipels Tonga - und auch der Server, auf dem die Seite gespeichert ist, befindet sich außerhalb juristischer Reichweite. Er steht in Russland, nahe Moskau. Die Betreiber jagte die Filmwirtschaft bislang erfolglos, wie jüngst in der „Wirtschaftswoche“ zu lesen war.

          Bloße Verweise

          Zudem werden die Filme nicht von Kino.to selbst gespeichert. Dort serviert man den Besuchern lediglich Verweise zu den Film- und Serienangeboten Dritter, zu dem man sich allerdings erst durch einen Wald von Werbeeinblendungen für Erotikangebote oder zweifelhafte Softwareportale durchklicken muss. In ordentlichem Amtsdeutsch verkündet die Seite denn auch, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine „illegalen Inhalte auf den zu verlinkenden Seiten erkennbar waren“. Und distanziert sich im „Haftungsausschluss“ von etwaigen künftigen Inhalten. Beim Punkt „Urheberrecht“ weist der Seitenbetreiber dann auch noch etwas schamlos auf eigene Rechte an selbsterstellten Inhalten hin.

          Die Links selbst führen nicht dazu, dass sich Besucher nach Tauschbörsenmanier einen Film als Datei herunterladen können. Stattdessen startet ein kontinuierlicher Datenstrom (“Streaming“). Das schützt den Besucher. Denn anders als im Tauschverfahren wird der Konsument hier nicht zugleich zum Lieferanten für andere. Er behält auch keine verräterischen Dateien auf seinem Rechner, muss also keine Post vom Anwalt befürchten.

          Rechtslage unklar

          Doch ist das Anschauen der Streams legal? Auch bei Benutzern bleiben offenbar Zweifel - immerhin 492 000 Ergebnisse liefert die Suche nach „kino.to legal“ bei Google. Auch die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverstößen (GVU) erhielt etliche Anfragen und will nun aufklären: In einer Art Kurzgutachten subsumieren die Piratenjäger schulmäßig durch, ob man als privater Kinofreund Filme über Kino.to ansehen dürfte.

          Zunächst gibt sich die Gesellschaft überraschend liberal: Ja, das „reine Anschauen“ sei „urheberrechtlich nicht erfasst“. Wer aber mit dem Computer auf das Angebot zugreife, lege in der Regel Zwischenspeicherungen auf dem eigenen Rechner an, also: eine Kopie. Zwar erlaube das Urheberrechtsgesetz (UrhG) „vorübergehende Vervielfältigungen“ etwa in § 44 a Nr. 2, allerdings nur für die „rechtmäßige Nutzung eines Werkes“. Und die, so die GVU, sei im Falle „eines nicht erlaubten Streams“ nun einmal nicht gegeben. Auch das Recht auf eine Privatkopie gemäß § 53 UrhG greife hier nicht. Seit der letzten Urheberrechtsreform darf diese nämlich nicht auf Grundlage einer „offensichtlich rechtswidrigen Vorlage“ geschaffen werden.

          „Keine Vervielfältigung“

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