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Google Pixel 4 XL im Test : Unter dem Radar

Das Google Pixel 4 XL, von manchen auch Panda-Handy genannt. Bild: Dettweiler

Google probiert im Pixel 4 einen neuen Sensor aus. Mit Hilfe von Radartechnologie lasst sich das Smartphone berührungslos steuern. Auch die Kamera überzeugt mit einer neuen Funktion.

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          Wenn man nicht weiß, dass es ein Top-Smartphone von Google ist, könnte man es für ein Gerät aus der Mittelklasse halten. Der Rücken glänzt nicht in modischen Farben wie die Geräte von Apple, Huawei oder Samsung. Er hat eine matte Oberfläche in Weiß oder Schwarz, die dennoch aus Glas besteht. Auf der Vorderseite endet der Bildschirm dort, wo die Konkurrenz noch ein paar Millimeter weiter geht, um möglichst wenig Platz zu lassen zwischen Display und Gehäuserand. Doch wenn man das Pixel 4 in die Hand nimmt, wird deutlich, warum Googles Smartphone weiterhin zur Oberklasse gehört und der Preis von 749 Euro für die Größe von 5,7 Zoll und 900 Euro für die XL-Variante mit 6,3 Zoll in Ordnung ist.

          Noch bevor zwei Infrarot-Kameras das Gesicht des Nutzers mit den Biometrie-Daten abgleichen, die auf einem Chip hinterlegt sind, um es zu entsperren, erwacht das Gerät aus dem Stand-by, wenn man die Hand nach ihm streckt. Ein Radar genannter Sensor erkennt die Bewegung, und die Software kann schneller das Gesicht identifizieren. Das Smartphone ist bereit, ohne dass der Nutzer den Bildschirm berührt hat. Das ist eine Möglichkeit, die von Google „Motion Sense“ genannte Technik einzusetzen.

          Eine andere besteht darin, den Wecker leiser zu stellen oder auszumachen. Der Sensor kann zwei Gesten unterscheiden: Entweder kommt die Hand von oben auf den Bildschirm zu, oder sie wischt von einer zur anderen Seite. Eine weitere Möglichkeit enthält Spotify. Bewegt man die Hand von rechts nach links, ertönt das nächste Lied.

          In allen drei Fällen funktioniert der Radarsensor tadellos. Allerdings bleibt nach mehreren Tagen die Frage unbeantwortet, wofür man diese Funktion braucht. Motion Sense als Beschleunigung des Identifikationsvorgangs ist zweifelsohne sinnvoll. Auch das Bedienen der Wecker-App ohne Blick und Tipp auf den Bildschirm leuchtet ein und wurde bei uns jeden Morgen zur Standardgeste. Doch Spotify bedienen wir weiterhin auf die üblichen Weise. Es wird sich in den nächsten Monaten zeigen müssen, wie sehr die App-Entwickler von dieser Technik überzeugt sind und in ihren Anwendungen integrieren.

          Auch der Bildschirm hat Oberklasseniveau. Das Pixel 4 hat als eines der wenigen Smartphones ein Display mit einer Bildwiederholfrequenz von 90 Hertz. Oneplus setzt im 7 Pro ebenfalls diese Technik ein. Dadurch wirkt die Schrift auf Websites auch dann scharf, wenn man herunterscrollt. Auf anderen Smartphones verschwimmen die Zeilen deutlich. Google schaltet bei bestimmten Apps wie zum Beispiel Maps auf 60 Hertz herunter, weil die höhere Bildwiederholfrequenz in solchen Fällen wenig Wirkung zeigt und so unnötig Energie verbrauchen würde.

          Weiterhin die attraktivste Oberfläche unter den Android-Smartphones: das Original von Google. Bilderstrecke

          Wie immer ist bei den meisten Testern der Blick auf die Kamera des Pixel 4 gerichtet. Denn der Vorgänger hatte es mit nur einer Linse geschafft, genauso gute und zum Teil bessere Fotos zu machen als die Konkurrenz mit einer Dual- oder Triple-Kamera. Dass zumindest ein Tele-Objektiv nicht zum Nachteil ist, hat auch Google erkannt und eine Optik mit zweifachem Zoom als Unterstützung dazugenommen. Auf eine Weitwinkellinse verzichtet man weiterhin. Doch es sind Googles Algorithmen, die auf Machine Learning basierend dafür sorgen, dass die Bilder erstaunlich hohe Qualität haben. In der App gibt es neue Funktionen, welche die Ergebnisse beim Fotografieren noch verbessern.

          Allen voran die neue Doppelbelichtung: Mit Hilfe zweier Regler lassen sich Bildausschnitte unterschiedlich belichten. Die Einstellung macht man im Vorschaumodus, also bevor ausgelöst wird. Klassischer Anwendungsfall ist ein Bild mit einem Motiv im Vordergrund und einem hellen Hintergrund. Normalerweise lässt sich wegen des Gegenlichts nicht verhindern, dass entweder das Motiv zu dunkel gerät oder die hellen Bereiche ausbrennen. Mit dem Pixel 4 ist es möglich, einzelne Bereiche getrennt so auszuleuchten, dass fast überall noch Details zu sehen sind.

          Digitaler Achtfachzoom

          Im Alltag führt das dazu, dass man kaum noch ein Bild macht, ohne die Doppelbelichtung zu nutzen. Die dadurch erreichbare Veränderung ist zu deutlich. Gerade bei Außenaufnahmen im Tages- und somit häufig auch Gegenlicht geraten damit ausgewogener. Diese Funktion überzeugt, mit ihr setzt sich Google von der Konkurrenz etwas ab.

          Die zweite Optik, die Google einsetzt, ist eine Telelinse mit zweifachem Zoom. In Kombination mit der Software kommt das Pixel 4 somit auf einen digitalen Achtfachzoom. Die Konkurrenz von Apple und Samsung kann den Objekten etwas näher rücken. Und Huawei mit seinem P30 Pro erst recht. Dessen Zoom ist in seiner Qualität nach wie vor unerreicht. Was bei manchen Bildern mit dem Pixel 4 auffällt: Zoomt man etwa Objekte mit Schrift heran, ist diese schärfer dargestellt als bei vergleichbaren Flaggschiffen. Der Grund dafür sind wohl die verwendeten Algorithmen.

          Das Pixel 4 fügt sich in die Reihe empfehlenswerter Oberklassegeräte ein. Googles Android-Oberfläche ist im Vergleich zu den Android-Varianten von Samsung, Huawei, Oneplus, Sony und anderen die attraktivste. Eine exklusive Anwendung, die leider erst im kommenden Jahr für Deutschland freigeschaltet wird, fasziniert dabei besonders. Der „Rekorder“ transkribiert in Echtzeit Gesprochenes und speichert die Worte. Was man bisher in Vorführungen und Tests sehen konnte, funktioniert dies erstaunlich gut.

          Das Design des Pixel 4 dürfte nicht jedem gefallen, da treffen Samsung, Huawei und Apple eher den Geschmack der Massen. Uns gefällt es sehr gut - gerade weil es sich von den anderen Smartphone erfrischend absetzt. Wer viel Wert auf die Kamera legt, ist mit dem Pixel 4 oder 4 XL gut bedient, hat aber mit den Flaggschiffen der Konkurrenz ebenbürtige Alternativen.

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