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Google Insights for Search : Wer googelt am häufigsten nach Sex?

Wer liest wo was: Google Search Insights weiß es Bild: Google Search Insights

Google lässt nicht locker bei der Erschließung der Welt. Mit Google Insights for Search können Nutzer die Statistik für einzelne Begriffe einsehen. Die Webseite zeigt für einen bestimmten Zeitraum an, in welchen Ländern wie häufig der Begriff gesucht wurde.

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          Die Welt ist eine Google. Die Kartierung der Erde schreitet voran. Unaufhaltsam scannen die Mitarbeiter des Internetgiganten aus Mountain View Straßenzüge und Häuserfronten, um sie dann wieder in Länder und Kontinente zusammenzusetzen. Jeder, der im Internet unterwegs ist und Google besucht, soll alles über die Welt wissen.

          Google Earth hat jetzt ein sprachliches Pendant bekommen. Wieder geht es um die Erde, doch dieses Mal sind die Bewohner populäre Begriffe. So ähnlich muss sich der Nutzer das neueste Angebot des Unternehmens vorstellen. Google Insights for Search heißt die neueste Welterfassungsmaschine. „Sie ist eine deutliche Weiterentwicklung von Google Trends“, sagte Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland. „Trends war nur eine Spielerei, Insights for Search wertet Daten viel genauer aus, gerade auch für Deutschland.“

          Google Insights for Search ist eine Webseite, die Statistiken zu gegoogelten Begriffen führt. Der Nutzer gibt einen Begriff ein und bekommt drei Übersichten: 1. Eine Grafik, wo die Häufigkeit des Suchbegriffs in den letzten Jahren gezeigt wird. 2. Eine Weltkarte, auf der die Länder je nach „Search Volume Index“ eingefärbt sind. 3. Ausdrücke, die mit dem Suchbegriff verwandt sind. „Insights for Search ersetzt keine Marktforschung“, sagt Keuchel, aber es sei ein „faszinierenes Tool“ zum Recherchieren.

          Zidane teilt und die Kurve schlägt aus
          Zidane teilt und die Kurve schlägt aus : Bild: picture-alliance/ dpa

          Pakistani suchen Sex

          Dann mal los: In Pakistan scheint das Interesse an „Sex“ sehr groß zu sein. Jedenfalls suchen die Pakistani am häufigsten das Wort „Sex“. Dicht gefolgt von Googlenden in Bangladesch, Syrien, Sri Lanka und Vietnam. Dabei wollen die meisten wissen, wo es „free sex“ gibt.

          Ruft man die Statistik nur für Deutschland auf, finden sich in jedem Bundesland ungefähr gleich viele, die nach „Sex“ suchen. In den einwohnerstarken Ländern wie Nordrhein-Westfalen sind es die meisten, in den anderen Länder aber nicht so viel weniger. Und auch die Deutschen benutzen das international gebräuchliche Wort, um freien Sex zu bekommen. Bei der Interpretation der Daten muss man nun vorsichtig sein. „Wir nehmen die absoluten Zahlen der Anfragen“, relativiert Google-Sprecher Keuchel. Bevölkerungsreiche Länder mit vielen Internetanschlüssen müssten demnach meist oben erscheinen. Tun sie aber nicht unbedingt, wie die Auswertung des Suchbegriffs „Sex“ zeigt.

          Interessanterweise findet sich der Begriff weder hierzulande noch weltweit unter den „Top Searches“, die sich ebenfalls mit Hilfe von Google Insights for Search ermitteln lassen. Das überrascht nicht, wenn man wie Keuchel weiß, dass es seit langem ein „hartnäckiges Gerücht“ sei, „Sex“ wäre die meist gesuchte Sache der Welt. Was sind also die Top-Suchbegriffe? Von 2004 bis heute suchten die Nutzer am häufigsten Ebay, Wetter, Google, GMX, Youtube, Routenplaner, Wikipedia, Web.de, Telefonbuch und Web. Aufstrebende Suchbegriffe, also diejenigen mit dem meisten Zuwachs, sind Youtube an Platz eins, gefolgt von StudiVZ. Die aktuelle Bewegung im Netz lässt sich erkennen, wenn nur die letzten 30 Tage angezeigt werden. Da stehen bei den „Rising Searches“ plötzlich Begriffe wie RTL, WKW, oder Immobilien.

          Zidane schlägt aus

          Google Insights for Search ist auch so etwas wie ein Seismograph des Zeitgeschehens. Gibt man „Zinedine Zidane“ ein, schlägt die Kurve an einer Stelle unglaublich in die Höhe. Nicht schwer zu erraten, dass der Peak im Juli 2006 ist, wo das Finale der Fußballweltmeisterschaft stattfand und Frankreichs Weltfußballer den Italiener mit dem Kopf niederstreckte. Rund um die Welt suchten Nutzer bei Google nach Zidane, egal ob in Deutschland, Bolivien, Kuba oder Griechenland. Eine ähnlich anmutende Grafik mit einem extremen Ausschlag stellt sich dar, wenn man „Tsunami“ sucht. Exakt zum Jahreswechsel 2004 / 2005 schnellt die Kurve in die Höhe.

          Die Karrieren von Menschen wie Paris Hilton, Britney Spears oder Robbie Williams hatten in ihrem Leben schon einige Höhe- und Tiefpunkte. Auch diese werden in der Zeitreihe widergespiegelt. Eine Recherche könnte man sozusagen rückwärts beginnen: Zuerst wird der Zeitpunkt festgestellt, an dem nach einem Star wie verrückt gegoogelt wurde. Dann gilt es herauszufinden, was das für ein Ereignis war. Dass nur die Statistik von Namen ganz bekannter Persönlichkeiten erhoben wird, zeigt sich, wenn man seinen eigenen Namen eingibt. Auch wenn man beim gewöhnlichen Google oder Google News gefunden wird, ist das Interesse selbst in Deutschland doch zu gering für die Statistik, sodass man überhaupt nicht erscheint. Überschreitet also ein Suchbegriff einen Schwellenwert nicht, so wird er von Google Insights for Search nicht erfasst.

          In Mecklenburg-Vorpommern wollen viele etwas über Hitler wissen

          Googles neueste Webseite ist letztlich Spielerei, aber eine interessante und spannende Spielerei. Die Erkenntnisse, die der User mit Hilfe der Statistiken gewinnt, werden möglicherweise aussagekräftig, wenn sie mit hintergründigen Analysen angereichert werden. Die Marktforschung kann sich in der Tat nicht darauf stützen. Weil immer die absolute Anzahl der Anfragen ausgewertet wird, muss immer beachtet werden, wieviele Einwohner und Internetzugänge ein Land hat. Ansonsten können sich schräge Interpretationen der Zahlen ergeben.

          Leider bieten manche Ergebnisse von Suchbegriffen eine Steilvorlage für politische Deutungen, die man nicht unbedingt verwandeln sollte. Das Land, das von 2004 bis heute am häufigsten nach „Hitler“ bei Google gesucht hat, ist Mecklenburg-Vorpommern. Dort leben knapp 1,7 Millionen Menschen. Noch weniger Einwohner haben nur noch das Saarland und Bremen. Statistisch gesehen bedeutet das: Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern googlen im Vergleich etwa zu Saarländern, Niedersachsen oder Bayern überdurchschnittlich oft nach dem Begriff „Hitler“. Um beurteilen zu können, was das gesellschaftspolitisch bedeutet, reichen die Ergebnisse von Google Insights for Search nicht aus. Aber sie sind Grund genug, um die Statistik mal zu hinterfragen.

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