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Google Goals im Test : Ist dein Zimmer aufgeräumt?

Google weiß Bescheid Bild: Witzeck

Google Goals erinnert mit regelmäßigen Benachrichtigungen an die guten Vorsätze. Das kann praktisch sein. Doch immer mehr private Daten werden gesammelt.

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          Das Erfüllen langfristiger Vorsätze ist in Zeiten von Push-Nachrichten und Snapchat noch schwieriger geworden. Ausgerechnet Google soll jetzt dabei helfen. Aber „Google Goals“ verfolgt vor allem seine eigenen Ziele. Darunter: Computer zu Helfern machen, die das menschliche Leben optimieren, aber auch: Nutzer-Informationen en masse sammeln und analysieren. Seine Vorsätze verfolgt das Unternehmen äußerst konsequent, anders als die meisten Privatpersonen, die ihre eigenen Ziele zahllosen Alltagsverpflichtungen unterordnen müssen. Es verwundert deshalb nicht besonders, dass sich Google nun auch unseres Müßiggangs annimmt.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Google Goals, eine neue Funktion der unternehmenseigenen Kalender-App, soll mit regelmäßigen Benachrichtigungen dafür sorgen, dass die guten Vorsätze endlich verwirklicht werden. Der Kalender übernimmt die mahnende Funktion eines Erziehenden, und die Kategorien, zwischen denen ausgewählt wird, versetzen Nutzer zurück in die Debatten ihrer Kindheit: „Mein Leben organisieren“ (Ist dein Zimmer aufgeräumt?), „Neues Lernen“ (Die Lateinvokabeln!), „Familie und Freunde“ (Der Geburtstag des Onkels). Daneben „Sport“ und „Zeit für mich“, die deutlich machen, dass eher eigene Zielsetzungen als Verpflichtungen gemeint sind.

          Alles muss terminiert sein

          Vor der Auswahl der selbstgesteckten Ziele gilt es, den Kalender derart zu aktualisieren, dass jede noch so selbstverständliche Aktivität ihren Platz findet. Die Essenszeiten, die Fahrtwege zum Arbeitsort, das morgendliche Zeitunglesen - alles muss terminiert sein, damit Google Goals funktioniert. Wer keinen routinierten Tagesablauf vorweisen kann, wird Schwierigkeiten haben, so minutiös vorauszuplanen. Sobald aber die Ziele gesteckt sind, trägt Google sie selbständig ein und füllt damit die Lücken im Terminkalender. Allein Tageszeit und Frequenz sind frei wählbar. Etwas gewöhnungsbedürftig. Trotzdem beruhigt der Gedanke, dass die vernachlässigten Klavierübungen in Zukunft ihre Erinnerungsmeldung haben.

          Nur müsste diese auch praktisch umsetzbar sein. Sobald die Termine vermerkt sind, beginnt das Schieben. James Joyce im Original um sieben Uhr abends? Unrealistisch. Italienischvokabeln in der Mittagspause? Sicher nicht. Das Ersetzen, Verschieben und Abhaken der Ziele geschieht zwar unkompliziert in einem Schritt. Aber Google will die Kontrolle über die Terminvergabe behalten, also sucht die App selbständig einen neuen freien Zeitpunkt. Nach einigem Hin und Her lernt sie, dass einzelne Aufgaben etwa auch am späteren Abend erledigt werden können. Was dann immer noch am falschen Platz im Kalender landet, muss der Nutzer selbst verlegen. Statt einer einfachen Ausschneide-Option in der Terminübersicht ist dafür die unpraktische Bearbeitungsfunktion nötig, denn diese Art des persönlichen Eingriffs soll offensichtlich nicht zur Regel werden.

          Wenn ein Tagesziel erfüllt ist, kann es abgehakt werden. Vorher noch ein Blick auf die Wochenbilanz: Hier zeigt sich, wie oft man sich in der Woche schon dafür Zeit genommen hat und wie viele Termine noch anstehen. Je länger Google Goals genutzt wird, desto besser wird die Systematik. Bis auf die Spezialfälle, für die Google keine Lösung hat. Wenn Termine, etwa Dienstreisen, den ganzen Tag dauern, werden automatisch keine Ziele vermerkt. Und wenn ein Termin „Beim Umzug helfen“ lautet, sollte das Ziel „Workout“ nicht gerade direkt danach gesetzt werden. Viele Entscheidungen trifft der Privatmensch eben doch besser als der Internet-Riese. Dafür erfüllt das Unternehmen eines seiner eigenen Ziele: den Ausbau der Datensammlung über seine Nutzer.

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