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Google : Achtung, Buzz kommt!

Sergey Brin und sein Buzz Bild: REUTERS

Die Jungs aus Mountain View haben mal wieder etwas Neues präsentiert. „Buzz“ heißt das Ding und ist letztlich ein erweiterter GMail-Dienst. Google hat damit ein eigenes soziales Netzwerk. Muss man jetzt bei Facebook aussteigen und Buzz nehmen?

          Natürlich muss man aufmerksam sein, wenn Google „einige Produkt-Innovationen“ in seiner stillen Anti-Apple-Art vorstellt. Schließlich schlichen sich in den letzten Jahren auf gleiche Weise Killer-Applikationen wie Google Earth und Maps und Docs in die Welt des Internet. Es hätte also durchaus eine wichtige Anwendung sein können, was Sergey Brin in Mountain View am Dienstag präsentierte, und von der deutschen Presseabteilung als „eine spannende Social-Media-Anwendung für Google Mail“ beschrieben wird, „um die Kommunikation mit Freunden und Bekannten besser zu organisieren und zu bündeln“.

          Ist das nicht schon Facebook? Ja, aber Google will es natürlich wieder einmal besser machen. Und hat es auch geschafft: Informationen können mit Gruppen oder mit der Öffentlichkeit ausgetauscht werden, Mail-Empfänger werden schnell zu Followern, Links verwandeln sich in kleine Bildergalerien, Nachrichten werden nach Relevanz sortiert, Tweets können sowie gelesen werden, Kommentare wie in Facebook sind möglich und der Ort des Buzzers wird ähnlich wie in Foursquare angezeigt. Ebenso integriert Google in seinen neuen Dienst Foto-Portale wie Flickr oder Picasa. Nun ja, und Googles Suchmaschine findet natürlich all das, was Buzz veröffentlicht wird - sofern der Nutzer das nicht verhindert.

          Nach Wave dann Buzz?

          Buzz ist somit komplexer als Facebook und andere soziale Netzwerke. Das steht - auch ohne einen großen Gebrauchstest - außer Frage und ohne diesen Mehrwert hätten die Jungs aus Mountain View gar nicht auf die Bühne treten brauchen. Auch haben sie das momentan gehypte Echtzeit-Internet integriert.

          Doch kommt einem das nicht bekannt vor? Haben Sergey Brin & Co. nicht schon im letzten Jahr ihre vermeintlich Wunderwaffe „Wave” vorgestellt und einen Riesenrun auf die Einladungen ausgelöst. All jene, die Google Wave bisher ausprobieren durfen waren erst überfordert und dann ernüchtert. Wer in die Welle gesprungen war, schluckte erst einmal Wasser und kämpfte gegen die Dynamik, um nach kurzer Zeit wieder das Land zu suchen. Der „Stream“ ist nicht für alle Social-Media-Fans geeignet.

          Der Nachfolger von Wave scheint jetzt Buzz zu sein: Nicht ganz so wild, aber dafür komplex. Man kann Informationen jeder Art überall und zugleich austauschen. Brauchen wir das? Ja, wenn sich alle Facebook-Nutzer, Twitterer und Nicht-GMail-Anwender darauf einigen, Buzz zu verwenden. Bei der Suchmaschine Google hat das noch geklappt, bei vielen anderen Dienst allerdings nicht. Wer sich für Buzz als zusätzliches Social-Media-Spielzeug entscheidet, wird sein Wolkenreich nie mehr verlassen: Denn die Informationen auf Facebook, Twitter ,Buzz und anderen Portalen wollen erst einmal ausgetauscht werden. Und wer sich richtig die Google-Dröhnung geben will, steigt um auf das Betriebssystem Chrome OS, surft mit Chrome und findet sich komplett im Internet wieder.

          „In welchem Netzwerk bist du denn?“

          Das Unternehmen versucht mit Buzz abermals einen Dienst zu installieren, der für alle da ist und am besten funktioniert, wenn ihn alle nutzen. Bei der Einführung ihrer Suchmaschine hat das Google geschafft. So sind die Suchmaschinenoptimierer (SEO) aller Länder heutzutage nichts anderes als GOs, also Google-Optimierer. Es genügt ihnen, wenn die frisierte Webseite dort oben steht und sie vernachlässigen alle anderen Suchmaschinen, die es durchaus noch gibt.

          Auf die Frage „In welchem Netzwerk bist du denn?“ gibt es momentan durchaus noch verschiedene Antworten: Facebook, Wer-kennt-wen, StudiVZ... Wenn es nach Google geht, soll es in Zukunft nur ein soziales Netzwerk geben: Buzz. Eigentlich tut Google damit mal wieder etwas Gutes. Denn es wäre in gewisser Weise schon praktisch, weil man sich nicht mehr entscheiden müsste, wo man sich austauscht. Aber vermutlich werden auch in Zukunft die Menschen im Internet auf verschiedene soziale Netzwerke abfahren.

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