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Glasfaserausbau : Inseln im schnellen Breitband-Netz

Glasfaserkabel sollen die Daten auf 100 Megabit je Sekunde beschleunigen Bild: dpa

Der Glasfaserausbau läuft, aber noch verkaufen sich die Turboanschlüsse an das Internet nur schleppend. Da jedes Unternehmen in seiner Region baut, entsteht ein Flickenteppich. Spielregeln für die Branche sind notwendig.

          „Glasfaser zu vergraben ist eine Lust. Wer jetzt in die neue Basisinfrastruktur investiert, wird damit glücklich werden.“ Den Skeptikern, die sich Gedanken über die schleppende Vermarktung der Turboanschlüsse machten, setzte Josef Schäfer auf dem Glasfasertag des Branchenverbandes VATM kernig formulierten Optimismus entgegen. Schäfer ist Bereichsleiter Strategie und Innovation beim Düsseldorfer Telekommunikationskonzern Vodafone, und der folgt seiner Devise. Zusammen mit der Deutschen Telekom hat das Unternehmen neue Glasfasernetze in Heilbronn und Würzburg in Betrieb genommen; seit Ende August sind die ersten Kunden an den Leitungen. Auch anderswo wird kräftig investiert. In Köln schiebt Netcologne Glasfaser an die Wohnungen heran; in München und Augsburg verlegt M-Net Hochgeschwindigkeitsleitungen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          In Niedersachsen baut die Oldenburger EWE TEL sogar in vielen Kleinstädten am Turbonetz. „Wir ziehen technologisch nach“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Iken. Weil es im dünnbesiedelten Niedersachsen zu teuer wäre, die Glasfaser bis in die Häuser zu führen, beschränkt sich EWE TEL auf die Erschließung der Verteiler am Straßenrand. Von dort führt weiterhin die herkömmliche Kupferdoppelader als Teilnehmeranschlussleitung (TAL) in die Haushalte. Das Unternehmen reagiert auf die Konkurrenz des Fernsehkabels. KDG ist in Niedersachsen gut vertreten und bietet Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit in der Sekunde. Damit kann Iken nach der Netzaufrüstung mithalten. Technisch entspricht der Aufbau in etwa dem VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz, mit dem die Deutsche Telekom in fünfzig Großstädten mehr als zehn Millionen Haushalte erreicht.

          Konsequent bis zum Endkunden beschleunigen

          Für Hartwig Tauber ist das nur eine teure und überflüssige „Zwischenlösung“. Um den Rückstand zu Asien und den Vereinigten Staaten aufzuholen, müsse der Glasfaserausbau konsequent bis zum Endkunden beschleunigt werden, sagte der Generaldirektor des FTTH Council Europe, eines Interessenverbandes von mehr als hundert Technologieanbietern. Telekomausrüster wie Alcatel-Lucent, Cisco Systems, Ericsson und Nokia Siemens Network verspüren Goldgräberstimmung. Rund 40 Milliarden Euro wird es Schätzungen zufolge kosten, das deutsche Netz flächendeckend auf den in der Breitbandstrategie der Bundesregierung angepeilten Standard von wenigstens 50 Mbit aufzurüsten. FTTH bringt bereits das Doppelte, aber „perspektivisch“ seien auch über VDSL und TAL Geschwindigkeiten von 100 Megabit möglich, erläuterte Iken.

          Bislang allerdings gibt es zu wenige Kunden, die solche Bandbreiten bestellen und mit ihren Gebühren die neuen Netze finanzieren. Die Deutsche Telekom hat drei Milliarden Euro in den Bau ihres VDSL-Netzes und viele Millionen Euro in die Werbung investiert, aber die Vermarktung läuft bisher eher schleppend. Die gleiche Erfahrung macht 1&1. Die Tochtergesellschaft von United Internet hat seit September von der Telekom angemietete Hochgeschwindigkeitsanschlüsse im Angebot, sieht dafür aber nur ein „verhalten positives Echo“. Es fehle an attraktiven Anwendungen für die vergleichsweise teuren Turboanschlüsse. Viele Kunden sähen noch keinen Bedarf, über sechs oder sechzehn Mbit hinauszugehen, sagte 1&1-Vorstandssprecher Robert Hoffmann dieser Zeitung. Der Preis bilde eine hohe Eingangsschwelle. Aber wegen des hohen Vorleistungspreises, den die Telekom verlangt, müsse das Produkt vergleichsweise teuer sein.

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