https://www.faz.net/-gy9-86lg6

Galaxy S6 Edge+ und Note 5 : Samsung biegt das Phablet zurecht

Bild: F.A.Z.

Die Koreaner schauen auf Apple. Und ziehen ihre Konkurrenzprodukte Galaxy S6 Edge+ und Note 5 früh aus der Tasche. Wir durften die neuen Phablets schon mal ausprobieren.

          4 Min.

          Dieses Mal kommt alles anders. In den letzten Jahren hatte Samsung noch die Internationale Funkausstellung in Berlin (IFA) dafür genutzt, die jüngste Version aus der Note-Reihe seiner Smartphones vorzustellen. So auch noch im vergangenen Jahr. Wenige Tage vor Messebeginn zogen die Koreaner die Aufmerksamkeit auf sich, indem sie das Note 4 und Note Edge vorstellten. Die gleiche Dramaturgie galt auch für den Mobile World Congress in Barcelona. Während alle anderen Hersteller brav die Eröffnung des MWC abwarteten, präsentierte Samsung in den vergangenen Jahren stets das neue Modell seiner S-Reihe. Im März dieses Jahres war es das S6 und S6 Edge.

          Nun ist es Mitte August, die IFA noch drei Wochen entfernt und Samsung zeigt der Welt sein Galaxy S6 Edge+ und sein Note 5. Die beiden Modelle werden zunächst nur in einigen Weltregionen zu kaufen sein. Das Note 5 kommt erst einmal in Asien und Nordamerika auf den Markt. Das sind schlechte Nachrichten für alle Smartphone-Nutzer, die gerne einen Stift zur Hilfe nehmen. Denn diese Art der Eingabe ist das Alleinstellungsmerkmal der Note-Reihe und entsprechend treue Fans gibt es auch. Traurig sein müssen sie aber nicht. Denn allzuviel hat sich im Vergleich zur Version 4 nicht geändert.

          Das Samsung Galaxy Note 5 (links) und das S6 Edge+ Bilderstrecke

          Das Note 5 ist mit einer Displaygröße von 5,7 Zoll immer noch ein echtes und mächtiges Phablet. Die „Quad-HD“-Auflösung von 2.560 x 1.440, das ergibt eine Pixeldichte von 518 ppi, reicht für scharfe, knackige und kontrastreiche Bilder immer noch aus. Der neue Octa-Core-Prozessor mit einer Taktung von 2,1 und 1,5 Gigahertz sowie der üppige Arbeitsspeicher von 4 Gigabyte wird das ohnehin schon flotte Note noch etwas schneller machen. Die beiden auffälligsten Änderungen hängen miteinander zusammen. Weil nun auch beim Note 5 der Rücken aus Glas besteht und somit nicht mehr abnehmbar ist, gibt es keinen mit Micro-SD erweiterbaren Speicher und herausnehmbaren Akku mehr.

          Das Note nähert sich somit im Aussehen und Funktionalität dem Galaxy S6. Doch im Unterschied zu Samsungs Flaggschiff ist es immer noch ein Phablet und hat - das ist die signifikanteste Neuerung im Design - die länglichen Seiten des Glasrückens zum Display hin gebogen. Dadurch liegt es spürbar besser in der Hand. Und es hat weiterhin den integrierten Stift für die Bedienung des Bildschirms und die Möglichkeit, darauf zu schreiben. Den an der Seite eingelassenen Stift sieht man kaum. Wer ihn im täglichen Umgang mit dem Note 5 einsetzt, wird nach wie vor in diesem Punkt den größten Unterschied etwa zum S6 feststellen. Einige Samsung-Kunden dürften sich bisher allerdings für das Note entschieden haben - obwohl sie den Stift eher selten in die Hand nehmen -, weil es diesen opulenten 5,7-Zoll-Bildschirm hat.

          Und für genau diese Fangemeinschaft hat Samsung nun etwas neues im Angebot: die Phablet-Version des Galaxy S6 Edge. Um nicht wieder dem Copy-Vorwurf gegenüber Apple ausgesetzt zu sein, hat man sich bei der Namensgebung für das Zeichen „+“ entschieden. Bei Apple schreibt man es aus. iPhone 6 Plus und Samsung Galaxy S6 Edge+ stehen nicht nur beim Namen in direkter Konkurrenz.

          Es ist schon absurd. Samsung war sehr früh einer der ersten Hersteller, die sich trauten ein Phablet, nämlich die Note-Reihe, auf den Markt zu bringen. Apple stellte erst im Herbst 2014 sein für Apple-Verhältnisse „großes“ iPhone 6 vor und gab ihm zugleich einen sehr großen Bruder zur Seite, nämlich das iPhone 6 Plus. Wer zu sehr den Fokus auf Apple-Produkte gelegt hatte, glaubte, Apple hätte das Phablet erfunden. Dabei waren Tim Cook und sein Team aus Cupertino die Letzten, die sich für dieses Format entschieden haben.

          Nun hat Samsung seine Strategie etwas geändert. Das neue Note 5 wird es vorerst nicht für Europa geben. Wohl deshalb, weil mit dem S6 Edge+ ein Konkurrenzprodukt im eigenen Lager geschaffen wurde. Mit Ausnahme des Stiftes hat man beim neuen Vorzeigeprodukt aus Korea alles, was man als Phablet-Fan braucht: ein hervorragendes Super-Amoled-Display, das 5,7 Zoll groß ist und eine Auflösung von 2560 x 1440 Pixel hat, einen schnellen Octa-Core-Prozessor, einen ordentlichen Akku mit 3000 mAh, das aktuelle Betriebssystem Android 5.1 Lollipop, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher, eine sehr gute Kamera mit 16 Megapixel und 1.9-Blende. Lediglich der interne Speicher mit 32 oder 64 Gigabyte könnte Datenjunkies zu wenig sein, zudem er nicht mehr per MicroSD erweitert werden kann.

          Die Funktionalität und Ausstattung ist bis auf das kleine Update bei Prozessor, Arbeitsspeicher und Akku im Wesentlichen die gleiche wie beim S6 Edge. Dieses haben wir schon ausführlich getestet. Neu und interessant dürfte die sogenannte „Video Digital Image Stabilaziation“ (VDIS) sein. Das ist ein digitaler Bildstabilisator für Videoaufnahmen. Und die Möglichkeit per „Samsung Pay“ zu zahlen. Nachdem Apple seine neue Bezahlmöglichkeit bekannt gab, brachten die Koreaner ihr „Pay“ ins Spiel. Die Testphase läuft bereits in Korea und irgendwann wird man auch sein S6 an die entsprechenden Bezahlterminals halten können, um seine Rechnung zu begleichen. Samsung nutzt nicht nur die Schnittstelle NFC sondern auch MST, sodass laut Hersteller die meisten der bereits existierenden Terminals genutzt werden können.

          Größer ist nicht schöner

          Nun besteht auch beim S6 Edge+ die gleiche Gefahr wie bei allen Mini-Compact-Maxi-Plus-Aktionen der Hersteller. Produkte mit einem durchdachten Design lassen sich nicht einfach verkleinern oder vergrößern. Dadurch verlieren sie ihre Proportionen, der Reiz geht häufig verloren. Als wir das S6 Edge+ in der Hand hatten und ein bisschen ausprobieren durften, hatten wir genau dieses Gefühl. Denn das „normale“ S6 Edge war im Frühjahr ein großer Wurf von Samsung. Aufgrund des Zusammenspiels von Material, Größe (noch mit einer Hand bedienbar) und den beiden abgerundeten Bildschirmrändern hat es ein gelungenes und frisches Design.

          Seine XL-Variante wirkt zwar nun weder schwer, noch unhandlich. Im Gegensatz zum iPhone 6 Plus etwa, das bei einer bestimmten Handgröße einen ungünstigen Schwerpunkt hat und sich kaum mit einer Hand bedienen lässt. Doch der „Handschmeichler“-Effekt ist beim S6 Edge+ nicht mehr da. Nun hat Samsung als potentielle Kunden vermutlich jene im Sinn, die etwas weniger das perfekte Design als die schiere Größe suchen. Und von denen gibt es vermutlich viele. Einige von denen hätten in Europa sicherlich gerne zum Note 5 gegriffen. Doch das S6 Edge+ ist eine gute - wenn auch stiftlose - Alternative.

          Technische Details

          Galaxy S6 Edge+

          Schnittstellen: USB 2.0, GPS, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac 2,4 + 5 GHz, Wi-Fi Direct, Bluetooth 4.2, NFC, LTE
          Display: beidseitig gewölbtes Super-Amoled-Display in 5,7 Zoll mit 2560 x 1440 Pixeln (Quad HD) und 16 Millionen Farben
          Prozessor: Octa core (2.1GHz Quad + 1.5GHz Quad), 64-bit-Architektur
          Speicher: Arbeitsspeicher 4GB, interner Gerätespeicher 32/64 GB
          Kamera: Hauptkamera 16 MP, Frontkamera 5 MP, beide mit 1.9-Blende
          Abmessung: 154,4 x 75,8 x 6,9 Millimeter
          Gewicht: 153 Gramm
          Akku: 3000 mAh
          Betriebssystem: Android 5.1 Lollipop
          Videoformate: MP4, M4V, 3GP, 3G2, WMV, ASF, AVI, FLV, MKV, WEBM
          Audioformate: MP3, M4A, 3GA, AAC, OGG, OGA, WAV, WMA, AMR, AWB, FLAC, MID, MIDI, XMF, MXMF, IMY, RTTTL, RTX, OTA









          Galaxy Note 5:

          Schnittstellen: USB 2.0, GPS, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac 2,4 + 5 GHz, Wi-Fi Direct, Bluetooth 4.2, NFC, LTE
          Display: Super-Amoled-Display in 5,7 Zoll mit 2560 x 1440 Pixeln (Quad HD) und 16 Millionen Farben
          Prozessor: Octa core (2.1GHz Quad + 1.5GHz Quad), 64-bit-Architektur
          Speicher: Arbeitsspeicher 4GB, interner Gerätespeicher 32/64 GB
          Kamera: Hauptkamera 16 MP, Frontkamera 5 MP, beide mit 1.9-Blende
          Abmessung: 153.2 x 76.1 x 7.6 Millimeter
          Gewicht: 171 Gramm
          Akku: 3000 mAh
          Betriebssystem: Android 5.1 Lollipop
          Videoformate: MP4, M4V, 3GP, 3G2, WMV, ASF, AVI, FLV, MKV, WEBM
          Audioformate: MP3, M4A, 3GA, AAC, OGG, OGA, WAV, WMA, AMR, AWB, FLAC, MID, MIDI, XMF, MXMF, IMY, RTTTL, RTX, OTA









          Weitere Themen

          Künstliche Geräusche für Elektroautos Video-Seite öffnen

          Sounddesigner tüfteln : Künstliche Geräusche für Elektroautos

          Elektroautos klingen nicht nach echtem Auto, erzeugen keine Emotionen, sagen Autonarren. Sie sind zu leise und deshalb gefährlich im Straßenverkehr, sagt die EU. Deshalb müssen neue Modelle nun bei geringem Tempo lauter werden. Mit künstlichem Sound!

          Topmeldungen

          Warten auf Gäste: Türkische Taxifahrer an der syrisch-türkischen Grenze in Kilis im September 2019

          Flüchtlinge in der Türkei : Wer soll das bezahlen?

          Immer wieder weist der türkische Präsident Erdogan auf die hohen Ausgaben für die syrischen Flüchtlinge in seinem Land hin. Wie viel Geld steht der Türkei tatsächlich zur Verfügung?
          Seit Anfang des Jahres gelten andere Regel für Totalverluste aus Kapitalvermögen: Sie sind nicht mehr voll von der Steuer absetzbar.

          Steuergesetz : Verluste tun jetzt doppelt weh

          Wenn Anleger Geld verlieren, müssen sie oft trotzdem Steuern zahlen. Schuld daran ist ein neues Gesetz, das eigentlich nur grenzüberschreitende Steuergestaltungen regeln sollte.
          Späte Gerechtigkeit: Der Angeklagte Oswald Kaduk am 20. Dezember 1963 im Auschwitz-Prozess in Frankfurt

          Aufarbeitung des Völkermords : Auschwitz vor Gericht

          Auch nach dem Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963 blieben viele Helfer und Helfershelfer des monströsen Völkermordes unbehelligt. Doch unabhängig von Strafprozessen gegen noch lebende Täter bleibt Auschwitz im Recht präsent.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.