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Flipboard für iPad : Magazin für das Internet

  • -Aktualisiert am

Flipboard kombiniert das Flair eines Magazins mit den Inhalten sozialer Medien Bild: Flipboard

Flipboard heißt eine neue Anwendung für das iPad, die Inhalte von Twitter und Facebook formvollendet präsentiert. Die Symbiose aus gedrucktem Magazin und Internet könnte aber Konflikte um die Urheberrechte hervorrufen.

          3 Min.

          Die Schönheit und Einfachheit des gedruckten Magazins mit der Kraft von Social Media verbinden: Mit diesem Ziel hat das kalifornische Unternehmen Flipboard eine interessante iPad-App entwickelt, die gerade im Web für Schlagzeilen sorgt. Das Neue an Flipboard: In einer magazinähnlichen Aufmachung werden nicht Links gezeigt, sondern die Fotos, Videos oder Texte, auf die Links verweisen. Die Nutzer sehen also keine chronologisch sortierten Linklisten wie auf Twitter, sondern gleich die schön aufbereiteten Inhalte. Das eigentlich Spannende daran sind aber die im Hintergrund arbeitenden semantischen Verfahren, die Inhalte nach persönlicher Relevanz sortieren.

          „Mit mehr als einer Milliarde Nachrichten, die jeden Tag verbreitet werden, haben sich soziale Netzwerke schnell als primärer Weg zum Entdecken und Verteilen von Inhalten im Internet etabliert. Allerdings müssen sich die Menschen durch eine Flut eingehender Nachrichten und Links auf verschiedenen Websites durcharbeiten, um auf dem Laufenden zu bleiben. Flipboard kann soziale Medien weniger laut und der Allgemeinheit besser zugänglich machen“, sagte Mike McCue, der CEO von Flipboard, zur Kombination von Social Media und einem Magazin.

          Die Inhalte können aus drei Quellen kommen: aus den Posts der Freunde auf Facebook oder Twitter, deren Inhalte in Echtzeit auf dem iPad gezeigt werden. Stellt also ein Freund ein neues Urlaubsvideo auf Facebook ein, erscheint das Video zeitgleich auch in der App. Das gilt auch für aufgelöste getwitterte Links. Flipboard importiert einige Absätze und Fotos, leitet zum Lesen des ganzen Artikels aber auf die Originalquelle weiter.

          Fragen des Urheberrechts und des Leistungsrechtsschutzes zu klären

          Dennoch sind Konflikte mit den Betreibern der Inhalteseiten wohl zu erwarten, da Flipboard deren Inhalte zeigt und zudem eigene Werbung präsentieren will. „Für die Anbieter dieser Inhalte im Internet sind allerdings Fragen des Urheberrechts und des Leistungsrechtsschutzes zu klären“, heißt es beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger. Flipboard leite die Nutzer auch auf Inhalte von Online-Zeitungen weiter, was für diese durchaus positiv sei. „Auf alle Fälle wird damit die Herausforderung an die Verlage, Qualitätsinhalte zu produzieren und zu verkaufen, und zwar gedruckt, online und mobil, nicht geringer“, sagte eine Sprecherin.

          Bei der Menge der gezeigten Inhalte richtet sich Flipboard nach Angaben von McCue nach dem Umfang des RSS-Feeds des Mediums. Wenn ein Medium in seinem RSS-Feed nur eine oder zwei Zeilen transportiert, werden auch nur diese Zeilen angezeigt. Wer den ganzen Text lesen will, muss auf die Website des Inhalteproduzenten wechseln. Die Seite hat Flipboard bereits zwischengespeichert, um eine schnelle Anzeige zu ermöglichen. Wer aber den Volltext per RSS-Feed ausgibt, von dessen Inhalt zeigt Flipboard dann mehrere Absätze an, um einen besseren Eindruck vom Text zu ermöglichen. Den Volltext gibt es auch nur auf der Website des Anbieters.

          Flipboard schlägt Kategorien vor

          Die Nutzer können sich auch Kategorien einrichten, in denen es sich um Themen oder Personen drehen kann. Flipboard schlägt Kategorien vor, deren Inhalte von einer Redaktion ausgewählt werden. Dazu hat die Redaktion Twitter-Listen erstellt, die bekannte Quellen (Zeitungen, Zeitschriften, Magazine) aggregiert und deren Inhalte anzeigt. Zudem können die Nutzer neue Kategorien einrichten, indem sie nach Themen oder Personen suchen. Allerdings sind die Personalisierungsmöglichkeiten noch nicht bis zum Ende ausgereift. Auch lassen sich die Inhalte in der aktuellen Version nur lesen, wenn eine Internetverbindung besteht. In einer künftigen Version ist daher auch ein Offline-Modus vorgesehen.

          Um relevante Inhalte herauszufiltern, hat Flipboard das Start-up Ellerdale übernommen, das eine semantische Suchmaschine entwickelt hat. Ellerdale gehört zu den „Firehouse“-Partnern von Twitter, bekommt also wie Google oder Bing alle Tweets übermittelt. Ellerdale versucht, aus den Tweets nicht nur Schlagworte oder Personen herauszufiltern, sondern Themen mit Hilfe semantischer Verfahren zu identifizieren. Wie gut das gelingt, kann auf trends.ellerdale.com besichtigt werden. Die Suchergebnisse werden weit besser aufbereitet als von Twitter selber. Zudem werden Suchergebnisse von Wikipedia, RSS-Feeds und aus dem Web berücksichtigt.

          Auch das Ausmaß der Interaktion ist ein Relevanzkriterium

          Flipboard könnte das Problem lösen, von Freunden empfohlene Inhalte lesegerecht aufzubereiten, ohne jeden Link anklicken zu müssen. Mit Vorsicht hat sich Flipboard auch daran gewagt, die Inhalte zu sortieren. „Die Zahl der Retweets eines Inhalts ist ein zentrales Kriterium für die Relevanz. Auch das Ausmaß der Interaktion ist ein Relevanzkriterium“, sagte McCue. Allerdings basiere der Algorithmus in diesem frühen Stadium noch vorwiegend auf der Zeit. Um die Relevanz zu erhöhen, kann sich Flipboard Kooperationen mit Unternehmen wie Skygrid und Klout vorstellen, die ebenfalls Algorithmen zur Messung der Relevanz der Social-Media-Inhalte entwickelt haben.

          Als Geschäftsmodelle setzt Flipboard auf Werbung und Abo-Modelle. Beim Werbemodell scheint der Streit mit den Inhalteanbietern vorhersehbar zu sein, denn Flipboard will Werbung um die Inhalte anderer Unternehmen herum plazieren. McCue setzt aber auch auf Bezahlinhalte. „Wir können uns vorstellen, dass die Inhalteproduzenten ein Interesse haben, wenn ihre Artikel angezeigt werden. Und die Nutzer könnten dann zum Beispiel einen Dollar je Monat an die Inhaltelieferanten ihrer Wahl zahlen“, sagte McCue.

          Noch gibt es Flipboard nur für das iPad. Bald sollen auch Versionen für Smartphones kommen, allen voran für das iPhone. McCue ließ erkennen, dass das Unternehmen primär auf Apple setzt. Alle anderen Hersteller seien weit zurück im Vergleich zu Apple.

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