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Fitness-Armband : Spielzeug für Selbstvermesser

Fitbit Surge: Messgerät fürs Handgelenk Bild: Hersteller

Die Surge von Fitbit misst den Herzschlag rund um die Uhr. Sogar im Schlaf. Auch die Wegstrecken zeichnet der Fitness-Tracker auf. Doch die Surge befriedigt vor allem den Spieltrieb.

          3 Min.

          Das ist faszinierend: Ununterbrochen, 24 Stunden am Tag, wird die Herzfrequenz angezeigt. Ein Blick auf den Fitness-Tracker am Handgelenk veranschaulicht sofort die Zahl der Schläge je Minute. Man kann von Sportarmbändern halten, was man will, die fortwährende Pulsmessung fesselt einen tagelang. Wie stark sinkt die Herzfrequenz im Schlaf, wie aufgeregt ist man während der Arbeit oder beim Autofahren?

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Möglich macht es die Surge von Fitbit, Spitzenmodell des amerikanischen Herstellers. Surge wird als „absolute Fitness-Superwatch“ angepriesen, und sie hat im Unterschied zu den kleineren Fitness-Trackern des Herstellers in der Tat die Maße einer Armbanduhr. Das im Dunklen beleuchtbare LC-Display ist indes eher klein und zeigt Daten in einer grobschlächtigen Darstellung. Nahtlos geht das Uhrengehäuse in das nicht wechselbare Plastikarmband über, das in Schwarz, Blau oder Orange erhältlich ist und Fusseln geradezu anzieht.

          Leuchtdioden für die Herzfrequenzmessung

          Das spannendste Detail ist die Unterseite mit zwei grün flackernden Leuchtdioden für die Herzfrequenzmessung. Ein Sensor zwischen beiden LEDs erfasst das von der Haut reflektierte Licht, das sich mit dem Herzschlag und der damit einhergehenden Erweiterung der Blutgefäße ändern soll. Ebenfalls an der Unterseite befindet sich der Ladeanschluss für ein proprietäres Kabel. Der Akku hält mehrere Tage; wird jedoch die zurückgelegte Strecke mit GPS erfasst, sind es nur vier bis fünf Stunden.

          Die Einrichtung der Uhr ist simpel. Man kann am PC unentgeltlich eine Fitbit-Software installieren und mit dem beiliegenden Bluetooth-Dongle den Kontakt zur Uhr herstellen. Noch einfacher (und empfehlenswerter) ist die Einrichtung über eine Smartphone-App. Fortan tauschen sich dann Handy und Uhr über Bluetooth aus, die Daten landen bei Fitbit und sind an jedem Rechner einsehbar.

          In der App: Übersichtliche Anzeige aller Aktivitäten. Bilderstrecke

          An der Surge selbst sind die wichtigsten Bedienschritte nahezu selbsterklärend mit drei Tasten und Wischbewegungen des Fingers zu erledigen: Man sieht auf verschiedenen Bildschirmkacheln die Herzfrequenz, die Uhrzeit sowie das Tagespensum an Schritten, Kilometern, Stockwerken und Kalorien. Leider sind die Daten nicht kombiniert zusammen anzuzeigen, sondern stets nur einzeln abrufbar. Während das Mitprotokollieren des Tagesablaufs automatisch geschieht, lassen sich bestimmte Aktivitäten als Trainingseinheiten auf Knopfdruck erfassen. Sie sind später in einer eigenen „Workout-Liste“ sichtbar. Zu unterscheiden ist zwischen Aktivitäten mit und ohne GPS-Protokoll. Die Aufzeichnung des Wegs, später anzusehen auf einer Karte, ist der wichtigste Unterschied zwischen Surge und dem nächst kleineren Fitbit Charge HR. Radfahren und Schwimmen werden jedoch nicht als Sportarten mit Analytik unterstützt, und zur Navigation lässt sich das GPS ebenfalls nicht verwenden.

          Beim Laufen oder Wandern sieht man mit der Surge Streckenlänge, Tempo, Höhenunterschiede und Zwischenzeiten, allerdings benötigt das Gerät sehr lange zur GPS-Erfassung, und die Aufzeichnung ist nicht genau. Man läuft angeblich mitten auf der Straße, und die Grafik mit vielen geglätteten Kurven deutet bereits an, dass etliche Daten nur interpoliert wurden.

          Kleine und große Unstimmigkeiten

          Ungenau ist leider auch die Pulsmessung. Der Ruhepuls wird zwar präzise erfasst, aber bei allen schweißtreibenden Aktivitäten stellen sich schnell Unstimmigkeiten ein. Das Online-Handbuch widmet der Herzfrequenzmessung eine eigene Seite. Demnach soll die Uhr beim Sport etwas höher am Arm getragen werden, um die Messgenauigkeit zu verbessern. Wir haben die Surge mehrfach auf dem Crosstrainer ausprobiert. Während der 45 Minuten dauernden Übung war in einem Viertel bis einem Drittel der Zeit gar kein Puls auf dem Display zu sehen. Auf wundersame Weise sind im Fitbit-Dashboard, das alle Aktivitäten im Detail zeigt, trotzdem entsprechende Daten vorhanden. Abermals wird also hochgerechnet, was das Zeug hält. Jeden Tag sahen wir kleine und große Unstimmigkeiten: Mal war über die gesamte Übungszeit hinweg die gemessene Herzfrequenz zu niedrig, mal über 15 Minuten. Der ambitionierte Sportler wird also bei seinem Brustgurt bleiben, wenn es um zuverlässige Trainingsergebnisse geht. Auch der angegebene Kalorienverbrauch ist ohne Leistungsmessung nur eine Schätzung.

          Wie bei anderen Fitness-Trackern lässt einen die Schlafanalyse eher ratlos zurück. Die Surge zeichnet Beginn und Ende des Schlafs automatisch auf, und meist stimmen die Uhrzeiten punktgenau. Für die erfassten Schlafzyklen sieht man wache Phasen und Zeiten der Unruhe. Schlaf wird anhand geringer Bewegung erfasst, was nicht bei jedem Menschen richtig ist.

          Als „Superwatch“ muss sich die Surge nicht zuletzt an der Smartphone-Anbindung messen lassen. Hier ist das Angebot spärlich. SMS und die eingehende Anrufe werden von der Uhr vibrierend signalisiert, wenn sie mit Bluetooth ans Handy angebunden ist. Alle weiteren Push-Nachrichten ignoriert die Surge. Mit der Uhr kann man das Smartphone nicht bedienen, mit Ausnahme einiger Funktionen für die Musikwiedergabe.

          Was bleibt? Die Surge befriedigt vor allem den Spieltrieb. Die Auswertungen im Web-Browser oder in der Smartphone-App machen Spaß, wenn man gern mit Diagrammen und Statistiken jongliert. Aber mit der Genauigkeit der Daten und der Zuverlässigkeit der Erfassung ist es nicht weit her. In diesem Sinne sind 250 Euro ein teurer Spaß. Für 150 Euro erhält man von Fitbit die Charge HR mit kleinerem Display, aber ebenfalls kontinuierlicher Herzfrequenzmessung. Lediglich auf SMS-Benachrichtigungen und GPS-Tracking muss man verzichten.

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