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Fifa 19 im Test : Granate oder Gurke

Spielgestalter: Per Controller lassen sich Regeln ändern. Oder abschaffen. Bild: Appel

Die Entwickler haben sich endlich wieder Mühe gegeben: Fifa 19 erfindet den Doppelschuss und hat auch sonst einige neue Spielideen. Und Lothar Matthäus erscheint in Übergröße.

          Im vergangenen Jahr haben wir Fifa 18 die Rote Karte gezeigt. Das Videospiel für Fußballfans schlechthin hatte seine Anhängerschaft mit einer Neuerung frustriert. Die ist zwar unter ökonomischen Gesichtspunkten zu verstehen, schließlich ist der Hersteller EA Sports kein Wohltätigkeitsverband. Aber dass ein jugendlicher Käufer oder elterlicher Gönner, der 70 Euro für die Standardversion des Videospiels ausgegeben hat, ohne weitere Investitionen keine guten Kicker für seine Mannschaft verpflichten kann, war schon ein grobes Foul. Nun ist Fifa 19 frisch auf dem Transfermarkt, und das Motto „Echtes Geld schießt spielend Tore“ gilt weiterhin. Immerhin: Wer im zusatzkostenfreien Modus erfolgreich ist, erhält jetzt höhere virtuelle Prämien, kann also etwas früher als zuvor einen Star erwerben. Das ist ein Trost, ein kleiner. Wer über diese Hürde hinwegsehen kann, wird durch die Auflage 2019 freilich positiv überrascht.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Entwickler haben sich offenbar mehr Mühe gegeben als in früheren Jahren, der Fortschritt war selten so sicht- und greifbar. Alex Hunter, die Hauptfigur der letzten beiden Teile, setzt seine „The Journey“ genannte Reise fort. Sie lässt sich nun aus drei Perspektiven spielen. Es laufen auf: Alex Hunter von Real Madrid, seine Schwester Kim Hunter aus der amerikanischen Frauen-Nationalmannschaft und sein Sandkastenkumpel Danny Williams. Es lassen sich Bündnisse mit Mannschaftskameraden schmieden, um sich zu verbessern. Schießt der Teamkollege gut, wird der eigene Schuss besser, als da zum Beispiel die Vorbilder Gareth Bale oder Toni Kroos wären. Stellt man einen exquisiten Verteidiger zur Seite, verteidigt auch Hunter besser. Das stärkt Teamgeist und Spielfreude. Die Torhüter sind ebenfalls besser geworden. Das müssen sie auch, denn es gibt eine neue Schusstechnik, den Doppelschuss. Wird die zuständige Taste auf der Kontrolleinheit gedrückt, setzt der Spieler zum Schuss an. Wird sie passgenau in dem Moment abermals gedrückt, in dem der Fuß den Ball berührt, wird der Abschluss eine Granate. Oder eine Gurke, falls der Tastendruck falsch gesetzt wird, das ist das Risiko. Neue Möglichkeiten der Spielgestaltung bieten zudem vorgefertigte Modi, die nach speziellen Hausregeln ausgetragen werden, im Rahmen des Pokalfinales oder ohne Abseitspfiff.

          Die Zuschauer dürfen nicht fehlen, sie führen einige neue Choreographien auf, den Bayern etwa erscheint Lothar Matthäus in Übergröße, wer’s mag. So wie jedes Jahr hat die Grafik an Schärfe gewonnen, sind die Teams auf dem neuesten Stand. Die Torjubel wurden angepasst, doch wünschten wir uns mehr dazu passende Hymnen. Es gibt nur eine für Real Madrid, und die ist arg schüchtern.

          Wofür EA Sports nichts kann, ist der ausgebrochene Trubel um Coverboy Cristiano Ronaldo. Nach den Vergewaltigungsvorwürfen ist sein Konterfei aus den Online-Kanälen entfernt worden, die längst bedruckte reale Hülle von Fifa 19 ziert er freilich unverändert. Das Spiel hat damit nichts zu tun, es ist wieder Champions League und für die kickende PS4/X-Box-Fangemeinde eine, so es sie denn gäbe, klare Grüne Karte.

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