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Festplattenverschlüsselung : Damit Privates privat bleibt

Truecrypt bietet ein spärliche, aber durchaus funktionale Oberfläche Bild: Truecrypt

Fotos, Briefe und Tabellen: Was man auf seinem PC speichert, ist vertraulich. Doch kaum jemand denkt an Schutz vor Schnüfflern. Wer sichergehen will, braucht zusätzliche Software zum Verschlüsseln.

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          Rechtsprechung und Rechtswirklichkeit driften auseinander. Auf der einen Seite hat das Bundesverfassungsgericht im Februar die nordrhein-westfälischen Vorschriften zur Online-Durchsuchung für nichtig erklärt und ein neues Grundrecht aus der Taufe gehoben: das Recht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme, auf eine private Datensphäre also. Auf der anderen Seite finden in Deutschland auf Betreiben der Musikindustrie jeden Monat Tausende von Hausdurchsuchungen statt. Hier werden private PC beschlagnahmt und anschließend nicht etwa von den Strafverfolgungsbehörden ausgewertet, sondern von demjenigen privaten Unternehmen, das im Auftrag der Musikindustrie ebendiese Durchsuchungsaktionen initiiert hat. Weil das Ganze zur Massenveranstaltung geworden ist, erwischt es immer mehr unbescholtene Bürger. Etwa durch Zahlendreher bei der Zuordnung der IP-Adresse zu den Kundendaten.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Man sollte sich also Gedanken darüber machen, was man auf seinen Festplatten hat. Bei den meisten PC kann man sofort auf alle Inhalte zugreifen. Einmal durch die „Eigenen Dateien“ blättern, schon tauchen Word-Dokumente und Excel-Tabellen auf. Ein weiterer Mausklick fördert private Briefe zutage oder das Fax ans Finanzamt. Mit der Suchfunktion von Windows lassen sich ebenso schnell JPG-Bilddateien finden, auch die peinlichen und gut versteckten Aufnahmen der letzten Betriebsfeier und die Strandfotos mit barbusiger Ehefrau. Vorsichtige Zeitgenossen schützen Texte und Tabellen mit einem Kennwort. Schon die Dateinamen können indes verräterisch sein, und der Kennwort-Schutz der meisten Programme ist schnell zu „knacken“.

          Aus der „Open Source“-Bewegung gekommen

          Wer sichergehen will, braucht zusätzliche Verschlüsselungssoftware. Hier hat sich seit Jahr und Tag die englische Software Truecrypt bewährt. Sie kommt aus der „Open Source“-Bewegung: Der Programmcode ist für jedermann einsehbar, es gibt also keine Hintertürchen wie möglicherweise bei kommerzieller Software, sie ist kostenlos verfügbar (www.truecrypt. org) und genügt höchsten Sicherheitsansprüchen. Seit einigen Wochen steht die Version 5.1 zur Verfügung, sie kann erstmals komplette Systempartitionen von Windows XP und Vista schützen. Bevor man diesen aufwendigen und etwas riskanten Weg beschreitet, sollte man zunächst einen Blick auf die Basisfunktionen werfen.

          Vor eigenen Experimenten sollte man die Anleitung lesen
          Vor eigenen Experimenten sollte man die Anleitung lesen : Bild: Truecrypt

          Im einfachsten Fall basiert Truecrypt auf folgender Idee: Man legt auf der Festplatte eine nahezu beliebig große Datei an. Sie verhält sich wie ein Container und nimmt die Dokumente, Bilder, Videos oder Programme auf, die man schützen will. Der Container kennt zwei Zustände: Ist er geöffnet, kann man auf seinen Inhalt wie auf eine Mini-Festplatte zugreifen. Er erhält sogar einen eigenen Laufwerksbuchstaben. Selbst Programme lassen sich im Container unterbringen und aus ihm starten. Ist der Container geschlossen, sieht man nicht, was in ihm steckt. Wird der PC inspiziert, würde der Schnüffler nur die Container-Datei finden, die beispielsweise „Weihnachtsvideo.avi“ heißt oder als „Systemctr32“ irgendwo in den Untiefen der Windows-Verzeichnisse schlummert. Ohne das Kennwort ist der Container nicht zu öffnen, auch nicht von den Geheimdiensten.

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