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Festnetz-Telefonie : Mit ohne Schnur

Skype: So telefoniert man heute, meint Microsoft. Natürlich auch mit Bild Bild: Hersteller

Wer braucht noch ein Schnurlostelefon? Die junge Generation nimmt ohnehin das Handy. Für die Festnetz-Freunde haben wir einige pfiffige Lösungen ausprobiert.

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          Das alte Schnurlostelefon hat seinen Geist aufgegeben, und vor der Anschaffung eines neuen fragt sich doch mancher: Brauche ich das überhaupt noch? Mit Dect-Basisstation und hochglanzpoliertem Plastik kosten entsprechende Geräte zwischen 50 und 150 Euro. Das ist nicht die Welt. Aber wer im großen Markt der Medien einzelne Produkte in die Hand nimmt, merkt sogleich, dass es sich um Blender handelt. Die Verarbeitungsqualität ist häufig unzureichend, das Plastik glänzt, und es ist billig. Das waren noch Zeiten, als ein Siemens Gigaset geradezu für die Ewigkeit gebaut wurde.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im Single-Haushalt mit geringem Telefonaufkommen kann man getrost auf das Schnurlose inklusive Dect-Basisstation verzichten. Wie die junge Generation telefoniert man ausschließlich mit dem Handy, und um für ankommende Telefonate günstig erreichbar zu sein, wählt man einen Mobilfunktarif mit Festnetz-Rufnummer. Auch die Internettelefonie, etwa mit Skype und anderen Anbietern, ist einen Blick wert. Sind beim Einsatz von Skype beide Partner mit einer schnellen Internetverbindung ausgerüstet und verwenden hochwertiges Equipment, ist die Akustik phänomenal gut.

          Ohne zusätzliche Hardware

          Wir suchten jedoch Alternativen für den herkömmlichen Telefonanschluss: Im Festnetz telefonieren ohne eigenständiges Festnetztelefon. Mit einer Fritzbox von AVM oder baugleichen Geräten wird man schnell fündig. In den gehobenen Modellen, etwa der aktuellen 7490 oder ihrer Vorgängerin 7390, ist das Dect-Modul gleich eingebaut. Jedes Schnurlostelefon lässt sich hier direkt ankoppeln, es entfallen also die Dect-Basisstation und ihr Netzteil.

          Weil das alles so praktisch ist, gibt es von AVM die passenden Handapparate: Die Modelle Fon MT-F oder C4 kosten rund 60 Euro und bieten eine ganze Reihe zusätzlicher Funktionen, darunter sogar den E-Mail-Empfang. Ferner nutzen sie natürlich Synergie-Effekte aus, können also zum Beispiel direkt auf das Telefonbuch der Fritzbox zugreifen.

          Logitech P710e: Gut klingendes Speakerphone, aufgeklappt dient es als Halterung Bilderstrecke

          Doch es geht sogar ohne zusätzliche Hardware, wenn man ein aktuelles Smartphone hat. Die Fon-App von AVM verbindet das iPhone oder den Androiden per W-Lan mit der Fritzbox. Abermals erhält man Zugriff auf das Telefonbuch und die Festnetz-Anruflisten. Telefonieren übers W-Lan funktioniert sehr ordentlich mit guter Akustik, nur ist die Reichweite etwas geringer als mit Dect. Die Apps stellt AVM gratis zur Verfügung.

          Wer ein bisschen Zeit für Tüftelei investiert, kann sich sogar eine Familien-Telefonanlage programmieren. Jedes Telefongerät hat in der Fritzbox seine eigene interne Rufnummer, man werfe einen Blick in das Menü „Telefonie“ und „Telefongeräte“ und sieht hier die angemeldeten Geräte mitsamt ihrer internen Durchwahl, die wiederum stets mit zwei Sternchen beginnt. So kann man also schnell den Junior gezielt auf seinem iPhone hausintern anrufen.

          Familientelefonate und Konferenzlösung

          Wer einen Blackberry oder ein Windows Phone verwendet, bleibt nicht außen vor. Zwar fehlt die App von AVM. Aber man kommt mit nahezu jeder Sip-fähigen App für Internettelefonie zum Ziel, sofern der entsprechende Kniff bekannt ist: Als Sip-Registrar trägt man in der App „fritz.box“ ein, der Benutzername ist die gewünschte Durchwahlnummer für die Fritzbox, und das Kennwort ist jenes der Fritzbox. Mit „Taki“ auf dem Blackberry haben wir durchgängig positive Erfahrungen gemacht, und es lassen sich mit dieser App auch mehrere Konten für Internettelefonie gleichzeitig verwalten.

          Wer das Smartphone im Festnetzeinsatz betreibt, kann natürlich auch sämtliches Bluetooth-Zubehör für freihändiges Telefonieren verwenden. Wir probierten zwei Speakerphone-Lösungen, die sich nicht nur für Familientelefonate am Esszimmertisch eignen, sondern auch als Konferenzlösung dienen sollen. Der Wecall-Konferenzlautsprecher von Philips musste gegen den Logitech P710e antreten, den der Hersteller „mobile Speakerphone“ nennt.

          Beide Apparate in quadratischer Bauform bringen zu einem Preis von rund 150 Euro mehrere Mikrofone mit, um im Wechselspiel von Sprechen und Hören die lästigen Rückkopplungen zu vermeiden. Sie haben beide einen Akku für mehrstündige Sprechzeit eingebaut, der via USB-Kabel geladen wird. Die Ankopplung eines Smartphone mit Bluetooth ist einfach, und anschließend kann man gleich lostelefonieren.

          Der kleinere Philips hat einen großen Vorteil: Er taugt auch für die Musikwiedergabe, sofern die Ansprüche nicht allzu hoch sind. Das interessanteste Detail des Logitech ist die Möglichkeit, den rückwärtigen Teil der oberen Abdeckung so nach hinten zu schieben, dass eine Halterung für ein Mobiltelefon oder einen kleinen Tablet PC entsteht. Wer dann noch die Videoübertragung dazuschaltet, bekommt ein ordentliches Konferenzsystem und hat beide Hände frei.

          Im Klangtest der Sprachtelefonie gefiel das Logitech mit einem angenehmen, voluminösen Timbre, die Akustik überzeugte nicht nur in unseren standardisierten Prüfverfahren mit Audioaufzeichnungen, sondern auch im Praxistest bei längeren Telefonaten. Die Angerufenen hatten am Klang nichts auszusetzen und bemerkten nicht, dass die Telefonate auf unserer Seite im Freisprechbetrieb geführt wurden.

          Das Philips hält hier leider nicht mit: Das Signal zieht sich über einen sehr engen Frequenzbereich, Artefakte, Rauschen und Verzerrungen sind deutlich hörbar, auch muss sich der Sprecher recht nah am Gerät aufhalten, denn schon von einem Meter Entfernung an lässt die Lautstärke stark nach. Für gehobene Ansprüche ist also das Logitech eindeutig die bessere Wahl.

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