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Angefasst und ausprobiert : Das kann das Motorola Razr

Bild: F.A.Z.

Wer das neue Motorola Razr in die Hand bekommt, reißt erst einmal die Klappe auf und sucht wie bei anderen faltbaren Smartphones die Falte in der Mitte. Wir haben aber auch noch anderes ausprobiert.

          3 Min.

          Nimmt man das neue Motorola Razr in die Hand, fühlt man sich fünfzehn Jahre jünger. Wer das Original selbst nicht in Besitz hatte, kannte jemanden, der einen mal klappen ließ. So ist auch hier in London beim Hands-on für europäische Journalisten die erste Aktion, die man mit dem neuen Motorola Razr macht, was eigentlich alle Kollegen hier machen, die das erste Mal das neue Modell 2019 in der Hand haben: auf- und zuklappen.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kamera, Display, Performance, Verarbeitung spielen bei faltbaren Smartphones beim ersten Ausprobieren keine Rolle. So war es beim Samsung Galaxy Fold, beim Huawei Mate X, und so ist es beim Motorola Razr. Was ist das besondere am Razr? Der entscheidende Unterschied zu den ersten beiden faltbaren Smartphones, von denen erst eines auf dem Markt ist, besteht in der Anordnung der Bildschirmteile. Das Motorola Razr lässt sich nämlich in einer Hand halten, mit dem Daumen aufklappen – und vor allen Dingen nach oben auffalten.

          Intuitiv schiebt man wie damals den Daumen zwischen den Spalt – was gar nicht so einfach geht –, um dann den oberen Teil nach oben zu schnipsen. Das funktioniert, sobald man den Daumen in dem kaum vorhandenen Spalt hat, ganz gut, man braucht wenig Kraft im Daumen. Dann gilt natürlich auf der 6,2 Zoll großen Fläche im 21:9-Format der erste Blick der Falz. Beim Samsung Fold ist sie deutlich erkennbar, ebenso beim Mate X. Im Vergleich zu den anderen sieht man die Falte nicht. Der Bildschirm ist eine homogene Fläche. Allerdings ist das Material aus Kunststoff insofern erkennbar, als es nicht glatt wie das Glas normaler Smartphones ist.

          Das Motorola Razr in zugeklapptem Zustand. Bilderstrecke
          Ausprobiert : Motorola Razr

          Darin besteht die Leistung der Ingenieure. Jedes faltbare Smartphone hat ein strukturelles Problem zu lösen. Der Bildschirm, also die mehrlagige Schicht aus Kunststoff, ist in ausgeklapptem Zustand etwas länger als der innere Rahmen des Gehäuses. Sonst würde es beim Zuklappen zu stark unter Druck geraten und irgendwann reißen oder sich verziehen. Deshalb ist bei Samsung eine leichte Delle und bei Huawei eine minimale Erhöhung zu erkennen.

          Motorola hat das Problem so gelöst, dass die Falte beim Zuklappen sich in eine Nische im Gehäuse schiebt, in die sich die Folie des Bildschirms legt. In der Grafik sieht die Falte von der Seite aus wie ein Tropfen. Nur dort an der Seite sitzt das Scharnier. Am oberen Ende des Gehäuses ist der Bildschirm fest montiert. Beim Aufklappen schiebt sich der Bildschirm daher am unteren Ende etwas in die Länge, was man nicht sieht, weil es dort in dem dickeren Ende verschwindet. Er ploppt gewissermaßen auf.

          Mit Klappen zum Kleinen

          Der Clou beim Razr ist somit ein anderer als bei der Konkurrenz. Beim Fold und Mate X wird aus einem eh schon großen Smartphone ein noch viel größeres. Es nähert sich in der Größe einem Tablet. Beim Razr ist es umgekehrt. Aufgeklappt hat es üppige Maße: Der Bildschirm ist dann 6,2 Zoll groß. Doch diese Displaygröße erreichen die Topmodelle in der XL-Variante von Samsung, Huawei oder Apple locker. Doch das Razr kann sich durch das Zusammenklappen klein machen. Hier liegt also eine ganz andere Idee im Design vor.

          Wie das Samsung Fold hat auch das Razr im zusammengeklappten Zustand ein Mini-Display mit 2,7 Zoll auf der Vorderseite. Die Anzeige genügt, um das Wichtigste abzulesen. Während des Hands-on war wenig Bewegung in den Nachrichten, sodass auch hier erst im Test zu sehen sein wird, für welche Aktionen der kleine Bildschirm taugt. Beim Samsung Fold wurde häufig kritisiert, dass das Mini-Display zu klein sei und man zum häufigen Aufklappen gezwungen sei. Dafür konnte man alle Apps nutzen.

          Motorola hat sich beim Razr dafür entschieden, nur bestimmte Aktionen zuzulassen. So lassen sich zum Beispiel Nachrichten anzeigen und lesen, bei den Liedern in Spotify kann pausiert oder weitergesprungen werden – oder verpasste Anrufe sind sichtbar. Startet man die Kamera und klappt auf, ist das Razr bereits im Kameramodus.

          Prozessor aus oberer Mittelklasse

          Die Wahl des Prozessors überrascht etwas. Eigentlich hätte man erwartet, dass ein Qualcomm Snapdragon aus der 800-Familie wie etwa der derzeit schnellste 855 als System-on-a-Chip arbeitet. Aber es ist der Snapdragon 710 geworden. Er ist nicht so leistungsstark wie der 845er oder 855er, hat aber genügend Performance, um das Razr anzutreiben. So war in der Stunde, in der wir das neue Motorola in der Hand hatten, das Smartphone flüssig zu bedienen. Spiele oder ähnliches konnte wir nicht ausprobieren. Das müsste man beim Test, der im Januar kommt, noch einmal prüfen.

          Ein Vorteil des „schwächeren“ Prozessors ist allerdings, dass er weniger Energie beansprucht. Und da der Akku mit 2650 Milliamperestunden knapp bemessen ist, könnte diese wichtig werden, wenn das Smartphone einen ganzen Tag aktiv bleiben soll.

          Eine Kamera für zwei Perspektiven

          Eine gute Kamera darf bei High-End-Smartphones nicht fehlen. Wie gut sie ist, wird sich ebenfalls erst im Test feststellen lassen. Der Nutzer hat übrigens eine Kamera für Selfie und Aufnahmen von Objekten, die vor seinen Augen sind. Ist das Gerät zugeklappt, ist die Kamera für Selfie zuständig, über den Mini-Bildschirm kontrolliert man, ob alles richtig sitzt.

          Will man ein normales Foto machen, klappt man das Razr auf, und die 16-Megapixel-Kamera wird zur Hauptkamera. Für Video-Telefonie steht noch eine 5-Megapixel-Kamera zur Verfügung, die auf dem großen Bildschirm integriert ist.

          Das Razr kommt mit fast purem Android 9. Der Preis: 1600 Euro. Damit ist es günstiger als das Samsung Fold mit 2100 Euro. Mit dabei ist unter anderem eine Art passive Dockingstation, in der man das Razr stellen kann, um damit die Musik noch lauter hören zu können.

          Wen spricht Motorola mit diesem Produkt an? All jene, die einen großen Bildschirm wollen, aber es nicht mögen, dass das Smartphone die ganze Hosentasche ausfüllt oder herausschaut. Und all jene, die schon damals cool sein wollten, indem sie das Handy aus der Tasche zogen, um mit einem Schnipp das Razr zu öffnen. Das könnte fünfzehn Jahre später wieder funktionieren.

          Technische Daten und Preis

          Prozessor: Qualcomm Snapdragon 710

          Interner Speicher: 128 Gigabyte

          Arbeitsspeicher: 6 Gigabyte

          Bildschirm (innen): 6,2 Zoll, 2142 × 876 Pixel

          Bildschirm (groß): 2,7 Zoll, 600 × 800 Pixel

          Hauptkamera: 16 Megapixel

          Frontkamera: 5 Megapixel

          Akku: 2510 Milliampérestunden

          Maße: 7,2 × 17,2 × 1,4 Zentimeter (9,4 Zentimeter zusammengeklappt)

          Gewicht: 205 Gramm

          Preis: 1600 Euro

          Betriebssystem: Android 9

          Verfügbarkeit: erst im im kommenden Jahr in Deutschland

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