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Eine Milliarde Nutzer : Wie geht es weiter mit Whatsapp?

Bild: F.A.S.

Der Messenger Whatsapp hat jetzt eine Milliarde Nutzer. Wie alles anfing, wie die Zukunftspläne aussehen – und welche Alternativen Nutzern zur Verfügung stehen.

          Die wichtigste App, am meisten geladen, am häufigsten verwendet? Wer auf Whatsapp tippt, liegt genau richtig. Es ist die Lieblingssoftware der Deutschen, und zwar unabhängig vom Smartphone-Betriebssystem. 24 Millionen Mal wurde Whatsapp im vergangenen Jahr in Deutschland aufs Handy geladen. Und in diesen Tagen steht ein internationaler Rekord auf der Tagesordnung: Whatsapp wird die Schallmauer von mehr als einer Milliarde aktiver Nutzer überschreiten.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Schon seit langem werden in aller Welt mehr Whatsapp-Nachrichten als SMS verschickt. Mittlerweile kommen auf jede in den deutschen Mobilfunknetzen verschickte SMS weitere 17 Whatsapp-Nachrichten. Täglich werden in Deutschland fast 700 Millionen Whatsapp-Nachrichten geschrieben. Junge Leute verbringen im Durchschnitt 100 Minuten mit der Software. Am Tag.

          Whatsapp ist zudem der am schnellsten wachsende Internetdienst der Geschichte. Das zeigt beispielhaft ein Blick auf die Nutzerzahlen in den ersten vier Jahren nach dem Start. Skype, gegründet 2003, kam im Jahr 2007 auf 52 Millionen Nutzer. Twitter gewann von 2006 bis 2010 rund 54 Millionen Freunde. Selbst der spektakuläre Gratis-E-Mail-Dienst von Google erreichte in seinen ersten vier Jahren nur 123 Millionen Nutzer. Facebook kam auf 145 Millionen. Aber Whatsapp stellte mit 420 Millionen Mitgliedern nach vier Jahren alle Rivalen in den Schatten.

          Für die meisten Nutzer ist Whatsapp die Kommunikationszentrale schlechthin. Sie übernimmt das Management der Familie und des Freundeskreises. Mit Funktionen wie dem Gruppenchat organisieren sich Vereine. Klassenlehrer geben Hilfestellung für die Hausaufgaben, und neuerdings entdecken sogar manche Medienhäuser die Anwendung als Distributionskanal für ihre Inhalte. Whatsapp heißt Echtzeitkommunikation.

          „Keine Werbung! Keine Spiele! Kein Schnickschnack!“

          Die Gründungsgeschichte von Whatsapp ist ein russisch-amerikanisches Märchen. In ärmsten Verhältnissen wächst der Gründer Jan Koum in der Nähe von Kiew auf. Als die Sowjetunion zusammenbricht, wandert er mit seiner Mutter in den neunziger Jahren nach Amerika aus. Koum kann die High School besuchen und zeigt bei vielen Gelegenheiten sein technisches Talent, auch als Hacker.

          2009 kauft Koum sein erstes iPhone und entwickelt die Idee, dass im Adressbuch neben jedem Eintrag ein Statushinweis des Freundes stehen könne, etwa „bin gerade beim Sport“. So sähen die Bekannten, ob man für gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung stehe. Und so kam die App zu ihrem Namen: Whats up, „Was ist los?“. An seinem 33. Geburtstag, dem 24. Februar 2009, gründete Jan Koum zusammen mit Brian Acton das Unternehmen Whatsapp Inc.

          Zum Messenger wurde Whatsapp, als Apple im Sommer 2009 die Push-Nachrichten startete. Nun sah man sofort die Statusänderungen seiner Freunde. Bis zur Übernahme durch Facebook ließ Koum alle Interessenten an der jungen Firma abblitzen, und zum sorgfältig gepflegten Gründungsmythos gehört die Vision Koums, das perfekte Programm entwickeln zu wollen, das wirklich jeder ohne Computerkenntnisse bedienen könne. Ein Spickzettel an seinem Schreibtisch bringt es auf den Punkt: „Keine Werbung! Keine Spiele! Kein Schnickschnack!“

          Verneigung vor dem Kunden

          Whatsapp kam von Anfang an auf alle wichtigen Plattformen, selbst auf simple Geräte. Die Anmeldung ist einfach: Die eigene Rufnummer reicht aus. Man sieht sofort, wer dabei ist – und wer nicht. Man benötigt keine neue Kontaktliste, sondern lässt sein vorhandenes Adressbuch abgleichen. Ist die Nachricht zugestellt, erhält der Absender eine Rückmeldung, ist sie gelesen, gibt es eine weitere.

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