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Fahrzeuge mit Eye Tracking : Schau mir in die Augen, Auto

Die Fahrerin im Blickfeld der Infotainment-Armatur: Wohin der Blick geht und das Auge wandert, erfasst die Elektronik und löst anschließend Kommandos aus. Bild: Hersteller

Das Fahrzeug der nahen Zukunft hat Eye Tracking. Was bringt die Steuerung mit der Pupille?

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          Das Auto der sehr nahen Zukunft hat mehrere Kameras im Innenraum. Eine im Lenkrad sieht man sofort, weitere sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Es geht nicht um die Aufmerksamkeitsassistenten, die einen müden Fahrer zum Einlegen einer Pause auffordern. Sondern die Kamera dient der Augensteuerung, der Bedienung des Fahrzeugs und des Infotainments mit Augenbewegungen. Der englische Oberbegriff lautet Eye Tracking: Schaut man auf ein Bedienelement, das der Bordmonitor anzeigt, wird es optisch hervorgehoben und steht zur Entgegennahme von Kommandos bereit. Um zwischen kleinteiligen Details zu wählen und zu bestätigen, verwendet man eine Taste am Lenkrad – unabhängig von den jeweils gezeigten Kontexten auf dem Hauptbildschirm.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Diese Augensteuerung ist keineswegs Science-.Fiction, sondern bewährte Technik aus der Medizin. Menschen mit schweren motorischen Einschränkungen, mit Krankheiten wie fortgeschrittener amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder Multipler Sklerose steuern nur über Blicke einen Computer. Die Augensteuerung verwendet Kameras und verschiedene Lichtquellen, meist infrarotnahes Licht. Die Optik erkennt die Pupillen und die Reflexion des Lichts auf der Iris. Mit dem Verhältnis von Pupillenmitte und Reflexionspunkt berechnet die Software, wohin der Nutzer schaut. Nicht nur im medizinischen Bereich gilt die Technik als ausgereift, auch manche Computerspieler verwenden Eye Tracking mit einer Infrarotkamera am Monitor oder einer eigenen Brille mit Kameras in den Seitenbügeln. Der Einsatz im Auto folgt dem Trend, sich von Knöpfen, Tastern, Reglern und Hebeln zu verabschieden.

          Wie das Smartphone tastenlos wurde, verzichtet auch das Fahrzeug der Zukunft auf möglichst viele mechanische Bedienelemente. Je digitaler das Auto, je mehr Funktionen zur Verfügung stehen, umso wichtiger wird die Frage des Bediensystems. Früher konnte man mit einer Betätigung einer Stationstaste den Lieblings-Radiosender aufrufen. Man wusste, wo die Taste ist, die Ablenkung war minimal. Dass das nun nicht mehr geht, mögen viele bedauern. Aber für die Unterhaltung während der Fahrt stehen ja heute nicht nur das UKW-Radio, sondern auch Digitalradio, Internetradio, Streamingdienste, die Fahrzeug-Festplatte, MP3-Medien oder das angeschlossene Smartphone zur Verfügung. Die bunte Vielfalt der neuen Dienste, ihre Komplexität und von Jahr zu Jahr wachsende Funktionalität lässt sich nicht mehr mit alten Bediensystemen abbilden.

          700 Funktionen implementiert

          Als BMW im Jahr 2001 sein erstes iDrive mit Internetmodul und dem Controller im damaligen Siebener auf den Markt brachte, waren in der Anlage schon 700 Funktionen implementiert, die man mit dem Dreh-Drücksteller aufrief. Schnell war die Rede von einem „Overkill“, die Kritik war unüberhörbar. In den vergangenen Jahren haben jedoch alle Fahrzeughersteller ihre Bordsysteme trotz fortwährenden Ausbaus der Funktionalität vereinfacht. Die Spracherkennung erfasst nicht nur das Navi-Ziel, sondern erlaubt es auch, die Klimaanlage mit gesprochenen Kommandos einzustellen. Ob solche Erweiterungen tatsächlich genutzt werden, sei dahingestellt. Auch die seit einigen Jahren bei Volkswagen oder BMW erhältliche Gestensteuerung gilt nicht als erfolgreich. Mit Handbewegungen vor der Mittelkonsole kann man die Musik leiser stellen oder den Sender wechseln. Das Verfahren arbeitet mit Näherungs- und elektromagnetischen Sensoren sowie mit Kameras. Das Wischen und Wedeln vor der Anlage funktioniert aber nur in wenigen Menüs und wenn der Annäherungssensor die Hand erkannt hat.

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