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Elektronischer Personalausweis : Online aufs Amt

Anfang ließ sich der elektronische Personalausweis nur in Verbindung mit einem Kartenleser am Rechner nutzen. Bild: dpa

Statt auf die Behörde zu gehen, lässt sich auch in Deutschland einiges digital erledigen. Der Schlüssel dazu ist die Identitätsfunktion des Personalausweises.

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          Möglichst wenig das Haus verlassen, möglichst viel digital im Netz erledigen: Das ist derzeit in aller Welt angesagt. In einem europäischen Land sind bereits seit Jahren 99 Prozent aller staatlichen Verwaltungsleistungen im Netz und digitalisiert. Bis auf Eheschließungen, Scheidungen und Immobilienkäufe finden alle Interaktionen nur noch online statt. Mehr als 3000 Dienstleistungen von Behörden und Unternehmen lassen sich digital erledigen. Der Schlüssel ist eine Bürgerkarte, die gleichzeitig Ausweis, Führerschein und Versichertenkarte ist. Das Land ist Estland.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Deutschland ist noch nicht so weit. Indes wollen bis zum Jahr 2022 Bund, Länder und die Gemeinden mehr als 500 Verwaltungsleistungen vom Antrag für einen Personalausweis bis hin zu jenen für Elterngeld oder den Führerschein nach einheitlichen Standards im Internet anbieten. Für die Automatisierung und Digitalisierung der Verwaltungsleistungen könnte ein Produkt zum Einsatz kommen, das auch im rückständigen Deutschland bereits seit zehn Jahren in Umlauf ist: die Online-Funktion des elektronischen Personalausweises, abgekürzt Eid für „electronic identity“.

          Der 2010 eingeführte Personalausweis enthält einen Chip mit dem biometrischen Foto des Bürgers, den von diesem Jahr an verpflichtend gespeicherten Fingerabdrücken sowie Familienname und Vorname, Geburtsdatum und Ort, Anschrift und Postleitzahl, Geburtsname und, soweit vorhanden: Ordens- oder Künstlername und der akademische Doktortitel. Nicht im Chip abgelegt sind also die Unterschrift, die Körpergröße und die Augenfarbe. Bei einer hoheitlichen Identitätsfeststellung durch Polizei, Zollverwaltung, Steuerfahndung und Meldebehörden kann die abfragende Stelle auf alle Daten sowie die Seriennummer des Ausweises zugreifen. Mit der seit 2017 bei allen neu ausgegebenen Ausweisen eingeschalteten Eid-Funktion kann man sich jenseits der Identitätskontrolle auch online bei Dritten ausweisen. Dabei lassen sich alle Daten übertragen, mit Ausnahme des digitalen Lichtbilds, der digitalen Fingerabdrücke und der Seriennummer des Ausweises. Vor der Übermittlung eigener Daten kann man sehen, wer die Daten erhält, und zur Bestätigung muss man eine persönliche Pin-Geheimnummer eingeben. Nach Angaben des Bundesministeriums des Innern werden die Ausweisdaten immer Ende-zu-Ende verschlüsselt.

          Vieles ist kompliziert implementiert

          Anfangs ließ sich der elektronische Personalausweis nur in Verbindung mit einem Kartenleser am Rechner nutzen. Mittlerweile hat fast jeder ein Smartphone, das mit NFC-System den Chip im Ausweis lesen kann. Die meisten jüngeren Androiden und iPhones vom iPhone 7 an oder jünger funktionieren. Allerdings ist es mit dem Auslesen des Chips allein nicht getan, vieles ist kompliziert implementiert und funktioniert nur am Rechner. Insbesondere wird die Ausweis-App 2 des IT-Dienstleisters Governikus benötigt, der die App für den Staat entwickelt hat. Sie vermittelt zwischen dem Ausweis und dem anzusteuernden Webdienst. Auf dem Rechner muss ebenfalls die Ausweis App 2 installiert sein, es gibt sie für Windows und den Mac.

          Mittlerweile hat fast jeder ein Smartphone, das mit NFC-System den Chip im Ausweis lesen kann.

          In der Ausweis-App zählten wir einige Dutzend Angebote, von der Akteneinsicht in Stasi-Unterlagen bis zum Vollstreckungsportal der Länder. Die Bundesregierung spricht von 100 Eid-Diensten, 70 Prozent von Behörden, 30 Prozent von Unternehmen. Bei der Rentenversicherung kann man sich seine Renteninformationen elektronisch abholen, ferner kann man sich mit dem Personalausweis direkt bei Elster Online anmelden. Viele Kreise und Städte sind mit Bürgerportalen online, es gibt eine Anlaufstelle der Bundesagentur für Arbeit.

          Auch wenn die lästigen Behördengänge in Deutschland meist unabdingbar sind, lohnt es sich, vorab zu recherchieren, ob die eigene Kommune vielleicht in manchen Angelegenheiten schon auf den Online-Zug aufgesprungen ist. Viele Städte wollen die Fahrzeugzulassung mit dem elektronischen Personalausweis voranbringen.

          Einige Unternehmen nutzen die elektronische Identitätsfeststellung des Ausweises. So kann man bei der Bank Comdirect mit dem elektronischen Personalausweis die Eröffnung eines Kontos beantragen und erspart sich auf diese Weise die Identitätsfeststellung in der Postfiliale oder per Videochat. Allerdings wird dazu nicht die besagte Ausweis-App 2 benutzt, sondern eine Eid-Funktionalität in der Comdirect-App. Man darf fragen, wie sicher dieses Verfahren ist. Interessanterweise bietet auch die Deutsche Post den Einsatz des Personalausweises statt der persönlichen Vorsprache für Postident in der Filiale an. Aber nicht für alle Banken, sondern nur für einige Institute. App-Hersteller Governikus bietet sodann einen weiteren Dienst für verschlüsselte Kommunikation an: Man kann seinen PGP-Schlüssel mit der Online-Ausweisfunktion beglaubigen lassen. PGP steht für pretty good privacy, ein asymmetrisches Kryptosystem, das besonders sicher ist.

          Im Übrigen sollte man mit der Funktionalität vorsichtig sein. Zwar brauchen die Anbieter für Dienste rund um den elektronischen Personalausweis ein Zertifikat des Bundesverwaltungsamts, und man sieht vorab, welche Daten übertragen werden sollen. Aber je einfacher das Ganze ist, umso schneller wachsen die Begehrlichkeiten von Unternehmen, die fortan mehr Daten von ihren Kunden per Authentifizierung anfordern werden. Das Geburtsdatum und die Anschrift muss niemand für irgendwelche Online-Dienste wissen, selbst mit der Preisgabe von Name und Vorname gehe man vorsichtig um. Je weniger Privates bei Dritten landet, umso besser.

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