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Elektronik im Auto : Die feine Logik des neuen Fahrens

Internet, Head-Up-Display, Sprachsteuerung: Elektronik im Auto Bild: Michael Spehr

Das Auto definiert sich immer stärker über seine Elektronik, es wird zum rollenden „Hotspot“. In der Oberklasse sind raffinierte Navi-Systeme, Head-up-Displays in der Frontscheibe und das Internet im Cockpit schon Standard.

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          Neulich im Fernsehen: Die Motorredaktion verglich zwei neue Fahrzeuge, und eine Familie durfte die beiden Probanden ebenfalls fahren. Das Fazit der Laien fiel bemerkenswert klar aus. Sie entschieden sich für das Auto mit der moderneren Kommunikationstechnik, das war ihr Favorit. Man mag bei solchen Auswahlkriterien nur den Kopf schütteln. Aber unzweifelhaft ist: Die Elektronik im Auto wird immer wichtiger. Was früher ein teures Extra war, gewinnt an Stellenwert in Zeiten, in denen ordentliches Fahren mit unschönen Porträtfotos auf amtlichen Dokumenten endet.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Am klarsten unterstreicht Ford in Amerika diesen Sinneswandel und bewirbt seine Modelle vorrangig mit der Kommunikationstechnik: das „Sync“-System für Handy und MP3-Spieler mitsamt Sprachsteuerung. Es kommt in dieser Blickrichtung nicht mehr auf das Auto an, sondern auf die wichtigsten Aspekte seiner täglichen Nutzung bei den Käufern.

          Unterhaltungsprogramm für den Beifahrer

          In Europa sind die feinen Extras mit Bits und Bytes vor allem in der Oberklasse zur Selbstverständlichkeit geworden. Prachtvolle Farbbildschirme in der Mittelkonsole zeigen nicht nur Videos und das digitale Fernsehprogramm. Ihre optische Auflösung wird immer höher, und sie werden neuerdings unterstützt von Grafikkarten, wie man sie aus der PC-Welt kennt.

          Die Tücke im Detail: Knöpfchen-Wirrwarr bleibt nicht aus

          Audi setzt beispielsweise die Nvidia-Prozessoren ein, um die Kartendarstellung bei der Navigation schicker zu machen. Aber nicht nur das: Der Routenführer zeigt die Welt ringsum dreidimensional, Gelände und Höheninformationen werden plastisch in Szene gesetzt, und in der Großstadt sieht man markante Sehenswürdigkeiten wie bei Google Earth als Computermodell nachgebildet. Das alles braucht man nicht unbedingt, um sicher von A nach B zu gelangen, es ist eher ein Unterhaltungsprogramm für den Beifahrer.

          Aber gelegentlich profitiert man doch von hochauflösenden Karten mit den darin eingeblendeten Sonderzielen wie Parkhäusern, Restaurants oder Hotels. Wir waren unlängst in München unterwegs und suchten im Bereich der Fußgängerzone des Viktualienmarkts die Hoteleinfahrt, eine kleine Seitenstraße. Der Kopilot war zwar mit aktuellem Kartenmaterial bestückt, aber die Verkehrsführung hatte sich mittlerweile geändert. Mit einem Seitenblick auf den Bildschirm konnten wir uns wenigstens „Pi mal Daumen“ orientieren.

          Solche Malaisen mit den auf DVD oder der Festplatte des Fahrzeugs gespeicherten Landkarten treten immer wieder auf. Es gibt leider nur zwei Lieferanten, Navteq und Teleatlas, im Besitz von Nokia und Tom Tom, und jede Änderung der Verkehrsführung muss in den Datenbestand eingepflegt werden.

          Unterwegs im Netz surfen

          Eine Möglichkeit der Abhilfe besteht darin, tagesaktuelle Karten und andere Informationen mit einer Mobilfunkanbindung ins Fahrzeug zu holen. Etwa von Google Maps, wie im neuen Audi A8 und im VW Phaeton der nächsten Generation. Hier kommt dann auch die dreidimensionale Darstellung der Topographie von Google. Und wenn das Fahrzeug ohnehin mit einer eigenen Sim-Karte für die Datenanbindung ausgestattet ist, liegt es natürlich nahe, weitere Internet-Dienste anzubieten.

          Im aktuellen 7er BMW kann man mit den beiden Zusatzpaketen „BMW Online“ und „Connected Drive“ unterwegs im Netz surfen, allerdings nur mit Edge-Geschwindigkeit, nicht mit UMTS. Die Datenverbindung über ein eigenes UMTS-Handy herzustellen ist nicht möglich. Der Netfront-Browser lässt sich nur im stehenden Fahrzeug (nicht einmal im langsam rollenden) aufrufen, die Bedienung erfolgt mit dem Controller, und es gibt Extras wie einen Zoom-Modus zum Lesen kleiner Schriften. Ist die Darstellung ganzer Seiten dank der hohen Auflösung der Anzeige durchaus gelungen, wird jedoch Java Script nicht immer zufriedenstellend unterstützt, ein Flash-Player oder PDF-Betrachter fehlen.

          Rollender „Hotspot“ mit Wireless-Lan

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