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Ein Jahr mit dem Fitness-Armband : 3,5 Millionen Schritte und kein Fortschritt

Im Laufe der Zeit macht sich das Fehlen neuer Anreize bemerkbar. Auch der Wettbewerb mit anderen Armbandträgern hat trotz aller spielerischen Elemente mit Ranglisten und virtuellen Medaillen seine Grenzen. Man kann ja die tägliche Laufleistung an Bürotagen nicht unbegrenzt in die Höhe schrauben. Nachts erfasst unser Fitness-Tracker auch das Schlafverhalten, nachdem man manuell den Beginn der Bettruhe erfasst hat. Morgens setzt man abermals die Stopp-Markierung, und nach der Synchronisierung ist nicht nur die nächtliche Schlafdauer abrufbar, sondern zudem die Zeit für Tiefschlaf und leichten Schlaf sowie die Zeiten des Wachliegens.

Das Jahr am Handgelenk: Das Jawbone Up hat uns Tag und Nacht begleitet. Es gab virtuelle Medaillen, aber nun ist Schluss.
Das Jahr am Handgelenk: Das Jawbone Up hat uns Tag und Nacht begleitet. Es gab virtuelle Medaillen, aber nun ist Schluss. : Bild: Eilmes, Wolfgang

Fragt man Nutzer nach den Ergebnissen ihrer Schlafauswertung, hört man unisono: „Ich schlafe zu wenig.“ Das ist schon alles. Was das Verhältnis von Tiefschlaf zu leichtem Schlaf besagt, ob beide Schlafarten hinreichend präzise gemessen wurden, das bleibt alles offen und ungeklärt. Dass sich mehr leichter oder mehr tiefer Schlaf auf das Wohlbefinden tagsüber signifikant auswirken würde, können wir nach einem Jahr fortwährenden Messens nicht bestätigen.

Keine validen Fitness-Indikatoren

Ist man „fitter“ geworden durch den Fitness-Tracker, und was hat nach der einjährigen Vermessung des Selbst noch Bestand? Letztlich bleibt nur die Zahl der zurückgelegten Schritte oder Kilometer. All die hochtrabenden Erwartungen, die mit der „Quantified Self“-Bewegung versprochen werden, können nicht eingelöst werden, solange das Messgerät ein simpler elektronischer Schrittzähler ist. Es gibt keine validen Fitness-Indikatoren. Um diesbezügliche Ansprüche zu erfüllen, müsste man ein Medizinlabor am Körper tragen, das fortwährend Puls, Blutdruck, Blutzucker und ein gutes Dutzend weiterer Körperwerte mäße.

Die ersten dieser Geräte sollen nun den Alltag erobern. Optische Sensoren messen zum Beispiel Antioxidantien im Körperschweiß. Sie sollen ein Indikator für negative Einflüsse auf die Haut sein, wie etwa Rauchen, Alkoholkonsum oder UV-Strahlung. Der Sensor wird von Forschern an der Berliner Charité entwickelt.

Der Beschleunigungssender im Smartphone

Wie ein Fitness-Tracker sieht indes das Armband aus, mit dem Wissenschaftler der Oregon State University die Umweltbelastungen ihres Trägers ermitteln wollen. Das Band wird 30 Tage getragen und anschließend auf Spuren von 1200 Chemikalien hin untersucht. Bei den meisten Versuchspersonen fanden sich bislang Hinweise auf Kaffee, Nikotin, Kosmetika und Parfüm.

In einem aktuellen Smartphone mit eingebautem Beschleunigungssensor ist die elektronische Trainingshilfe gleich eingebaut. Das erste Modell war das iPhone 5S mit seinem M7 genannten Koprozessor, der exakt jene Daten misst, die auch ein Fitbit, Jawbone oder Nike Fuelband erfasst. Nur muss man das iPhone dann jederzeit am Körper tragen - oder mit kleineren absoluten Zahlen rechnen. Wer die Fitbit-App auf dem iPhone 5S verwendet, kann sie so einstellen, dass der M7-Prozessor (und nicht die Fitbit-Hardware) zum Messinstrument wird. So lassen sich alle Bewegungsdaten langfristig in einem Fitbit-Account sammeln und der weiteren Auswertung zuführen. Im Grunde genommen sind damit die Fitness-Tracker der aktuellen ersten Generation überflüssig geworden. Und mit diesem letzten Satz legen wir nach einem Jahr den Up nun ab.

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