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Echt-Zeit-Kommunikation : Google Wave läuft aus

Welche Welle hätten Sie gern? Bild: google

Das Projekt wurde als „Zukunft der E-Mail“ und „Revolution“ gehandelt. Nun ist es vorbei mit Google Wave. Das Unternehmen gab in seinem Blog bekannt, dass es dieses Projekt nicht mehr weiterentwickeln wolle. Waren die Nutzer überfordert?

          Google beendet das Projekt „Wave“. Nüchtern betrachtet ist es nur ein weiteres Produkt, das es aus den Google Labs an die Öffentlichkeit schaffte und aufgrund von mangelnder Nutzung wieder eingestellt wird. Doch anders als nette - und mittlerweile gestorbene - Ideen wie „Notebook“ (ein Online-Notizblock) sollte Google Wave mal wieder eine echte Revolution sein. Es lag nicht nur am Namen des Projekts, dass Google vor etwa über einem Jahr erfolgreich die große Welle machte. Damals hatte das Unternehmen großspurig angekündigt, Wave sei wie E-Mail, „wenn sie heute neu erfunden würde“.

          Google Wave wollte alles sein: E-Mail, Skype, Twitter, Facebook, Instant Messenger. Das Unternehmen kündigte eine „Web-Anwendung für Echt-Zeit-Kommunikation und Zusammenarbeit“ an. Es sollte demonstrieren, was mit einem Browser möglich ist. Das Wesen von Wave war in der Tat, dass alles gleichzeitig passieren konnte. Alle Aktionen der anderen Teilnehmer waren live zu sehen: das Schreiben von Sätzen, das Hinzufügen von Dateien und die Erweiterung der „Gesprächsrunde“. Auch die sofortige Einbindung von kleinen Anwendungen wie Online-Spielchen war möglich.

          Die Netzgemeinde war gespannt. Schon vor Veröffentlichung der Beta-Version zeigte Google ein langes Demo-Video, um zu erklären, was Wave angeblich alles kann. Anfangs verschickte das Unternehmen exklusive Einladungen an auserwählte Nutzer, die das Programm testen durften. Wie nicht anders zu erwarten, gab es den entsprechenden Run auf die Einladungen. Twitterer versteigerten ihre begehrten Wave-Zugänge. Nach und nach wuchs die Zahl der User. Im September 2009 ging das Projekt mit zunächst 100.000 Testnutzern in Betrieb. Doch die Nutzerzahl stagnierte offenbar so schnell, wie sie in den ersten Monaten anstieg.

          Aus für die Welle: Google Wave

          Zu wenig Geduld gehabt?

          Ein Grund für die Stagnation könnten die ersten Erfahrungsberichte gewesen sein. Nach einer Stunde intensiver Nutzung kamen einige völlig erschöpft und überfordert von der Welle zurück, um sich wieder ans rettende Ufer der klassischen Kommunikationskanäle zu retten. So richtig Spaß wollte es niemand machen, zumal dafür erst einmal eine große gemeinsame Menge von „Wave-Freunden“ notwendig gewesen wäre. Viele fühlten sich dort eher verloren und einsam als auf der großen Welle schwimmend.

          Hat Google bei der Konzeption die Bereitschaft der Nutzer, sich auf Wave einzulassen, überschätzt? Oder hatten die Nutzer zu wenig Geduld mit Wave? „Wave ist von den Nutzern nicht so angenommen worden, wie wir das gern gesehen hätten“, schreibt Google-Manager Urs Hölzle im Firmenblog. Konkrete Zahlen und weiter Gründe für das Ende von Wave nannte Google auf Anfrage nicht. „Wir haben immer innovative Projekte verfolgt, weil wir einschneidende Neuerungen in der Computerwissenschaft voranbringen wollen, die das Leben unserer Nutzer dramatisch verbessern“, steht weiterhin im Blog-Eintrag. Dass stets dieser Wille da ist, zeigen viele andere Projekte aus Google Labs. Allerdings wartet schon der nächste Abgesang. Und zwar auf Buzz.

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