https://www.faz.net/-gy9-90pfa

Umgang mit Drohnen : Stören, abschießen und den Pilot verhaften

Mit einem Störsender soll eine Drohne zur Landung gezwungen werden. Bild: dpa

Hochfliegende Ideen für die Abwehr von Drohnen im privaten und hoheitlichen Luftraum. Aber so einfach ist es nicht.

          In der Flugverbotszone hebt die Drohne nicht einmal ab. Mit GPS wird der Standort von Pilot und Fluggerät erkannt, und auf dem Display gibt es einen entsprechenden Hinweis. Dass Hobbypiloten versehentlich über Flughäfen, Militäreinrichtungen, Gefängnissen, Stadien oder Kraftwerken fliegen, ist zumindest für die Drohnen des chinesischen Marktführers DJI ausgeschlossen. Andere Hersteller sind noch nicht so weit. Und es kann sinnvoll sein, Drohnen auch dort abzuwehren, wo sie ohne technische Beschränkungen in die Luft gehen: wenn es etwa um Industriespionage geht oder um den Schutz der Privatsphäre gegen Drohnenfotografie.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der professionellen Abwehr widmen sich mittlerweile einige Dutzend Unternehmen in aller Welt. Naturgemäß reden sie über die verwendete Technik und ihre Verfahren nicht gern. Aber einiges lässt sich doch erfahren. Zum Aufspüren einer heranfliegenden Drohne dienen Radargeräte, Frequenzscanner und Hochleistungsmikrofone. Im Prinzip wird die Signatur einzelner Modelle als eine Art Fingerabdruck aus Frequenzen, Tönen und Bauform erstellt – und im laufenden Betrieb fortwährend mit den entsprechenden Einträgen in Datenbanken verglichen. Mit den Sensoren soll sogar der Standort des Piloten ausfindig gemacht werden können. Die Reichweite der Erfassung durch Radiofrequenzsensoren liegt bei rund einem Kilometer, hochauflösende Kameras, die als weitere Fahndungstechnik zum Einsatz kommen, erreichen bis zu 250 Meter und Mikrofone rund 70 Meter. Eine Drone Tracker genannte Box mit Infrarotkamera für Nachtaufnahmen, Mikrofonen und Empfänger für Funksignale verkauft das Kasseler Unternehmen Dedrone für 6500 Euro.

          Was ist mit möglichen Kollateralschäden?

          Das Abfangen von Drohnen ist schwieriger als ihre Identifikation. Zwar zeigte das Rüstungsunternehmen Rheinmetall im vergangenen Jahr bereits ein Video, in dem ein hundert Meter entfernt fliegender Oktokopter von einer Laserkanone erfasst und abgeschossen wurde. Aber sofort ist natürlich die Frage aufgeworfen, was mit möglichen Kollateralschäden ist, wenn die Reste der getroffenen Drohne vom Himmel fallen – und reflektierte Strahlen des Hochenergielasers gleich einem Querschläger möglicherweise Menschen verletzen.

          Deshalb verlegen sich die Unternehmen auf die Störung des Funksignals zwischen der Fernsteuerung des Piloten und seiner Drohne. Dieses Jamming basiert auf der Idee, dass elektromagnetische Wellen den zu störenden Funkverkehr in einem Rauschen versinken lassen. Störsender werden vom Militär schon lange eingesetzt. Im zivilen Bereich dürfen Justizvollzugsanstalten technische Geräte betreiben, die „Frequenzen stören oder unterdrücken“, um unerlaubte Mobilfunkverbindungen auf dem Anstaltsgelände zu unterbinden. Störsender gegen Drohnen sind in Deutschland allenfalls „behördlichen Bedarfsträgern“ wie etwa der Polizei erlaubt.

          Wenn auf diese Weise amtlich gegen Drohnen eingeschritten wird, gibt es zwei Möglichkeiten der Störung: zum einen die Unterbindung des Videosignals von der Drohne zum Piloten. Speichert die Drohne allerdings Fotos und Videos zusätzlich auf einer Karte im Fluggerät selbst, ist hinsichtlich der Drohnenfotos nicht viel gewonnen.

          Auch Airbus hält es für zu gefährlich

          Die Unterbrechung der Steuerbefehle der Fernbedienung ist erfolgversprechender. Allerdings ist die Frage aufgeworfen, wie sich eine Drohne verhält, wenn das Signal zur Fernsteuerung am Boden gekappt wird. Viele Geräte springen in einen Modus, der zu möglichst geringem Schaden führt. Das heißt: Sie bleiben in der Luft stehen und halten Position wie Höhe bei. Oder sie versuchen, zum Startpunkt zurückzufliegen und zu landen. Wenn die Drohne auf der Stelle schwebt, bis ihr Akku leer ist, kann das herabstürzende Gerät ebenfalls Schaden anrichten.

          Während der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich 2016 wurde über allen zehn Stadien ein Drohnenabwehrsystem installiert, das von Airbus Defence and Space entwickelt worden ist. Es identifiziere anfliegende Drohnen bereits in einer Entfernung von fünf bis zehn Kilometern, hieß es bei der Vorstellung. Auch Airbus hält es für zu gefährlich, eine Drohne abzuschießen oder zum Absturz zu bringen. Das System mit dem Namen „Smart Responsive Jamming Technology“ unterbreche die Funkverbindung zwischen Drohne und Pilot, ermittele die Position des Piloten und übernehme die Steuerung der Drohne. Der Pilot könne derweil festgenommen werden. Drei britische Unternehmen haben ein ähnliches Produkt entwickelt. Es heißt Anti-UAV-Defense System und arbeite in allen für Drohnen lizenzierten Frequenzbändern.

          Hobbypiloten, die mit ihren Drohnen auf Abwegen fliegen, müssen also mit energischer und effektiver Gegenwehr rechnen, zumindest von staatlichen Stellen. Gefahr droht allerdings weiterhin von jenen Drohnen-Piloten, die mit modifizierten Maschinen fliegen, weil sie diese und andere Abwehrmechanismen kennen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ende der Rechts-Koalition : Österreich will rasche Neuwahlen

          Die rechtskonservative Regierung in Österreich ist zerbrochen. Wie lange dauert es, bis wieder klare Verhältnisse herrschen? Zunächst soll der Fahrplan zur Neuwahl besprochen werden. Und was bedeutet das für die Europawahl?

          Bundesliga-Meisterkampf : Darum reichte es für Dortmund nicht zum Titel

          Tränen fließen nicht, westfälisch-nüchtern gratuliert der Zweite dem Meister aus München. Danach benennen die Dortmunder offen ihre Defizite im Meisterrennen. Nun wollen sie einen neuen Anlauf nehmen – mit neuen Spielern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.