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Drohne Mavic 3 von DJI im Test : Das fliegende Auge

Mavic 3 mit zwei Kameras und etlichen Sensoren Bild: Hersteller

Dank Superzoom gelingen spektakuläre Fotos und Videos. Die Drohne Mavic 3 von DJI kommt zudem mit langer Flugzeit und Hinderniserkennung. Ein erster Test.

          3 Min.

          Ganz schön abgehoben. Wir sind auf dem Land unterwegs, nur Wald und Wiesen ringsum. In größerer Entfernung liegt ein Dorf. Nun schicken wir die neue Profi-Drohne von DJI in den Himmel, wo sie sich trotz heftigen Winds schnell stabilisiert. Wir wollen wissen, wie gut die Kamera der Mavic 3 ist. Erstmals kommt wie beim Smartphone eine Doppeloptik zum Einsatz. Die Hauptkamera mit einer Brennweite von 24 mm und 4/3-Zoll-CMOS-Sensor wird ergänzt um eine Telekamera mit 162 mm, die einen 28-fachen Hybridzoom bietet.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Letzterer weckt unser Interesse. Wir sind einige Hundert Meter von der nächsten Ortschaft entfernt und können nun mit unserem fliegenden Auge so nah heranzoomen, als stünden wir nur ein paar Meter vom angepeilten Objekt entfernt. Das ist mehr als nur spektakulär, das ist schon fast beunruhigend. Die Fotos schauen wir uns genauer am Rechner an: Zugegeben, mit maximalem Zoom leidet die Qualität. Aber man sieht zum Beispiel einen Handwerker auf der Baustelle oder welches Auto wo vor dem Haus steht. Das alles, ohne dass die fotografierten Personen die Drohne hören oder sehen können. In der Gegenprobe fliegen wir auf eine Wiese mit Kühen zu. Die Tiere lassen sich prima in den Blick nehmen, auch sie hören die Drohne nicht.

          Wozu das Ganze? Tiere in der freien Natur zu fotografieren oder zu filmen, das ist ein Anwendungsszenario. Man kann zudem ganze Areale aus der Luft kontrollieren, etwa Stromleitungen, ohne sich diesen gefährlich zu nähern. Es gibt also neue Möglichkeiten für Fotografie und Film.

          Im zweiten Anlauf erproben wir mit normalem Zoom die Hasselblad-Optik der Hauptkamera. Abermals lassen einen die Resultate staunen. Was der große Sensor erfasst, insbesondere bei wenig Licht und trüber Herbststimmung, ist spektakulär. Das Bildrauschen bleibt minimal, Kontraste und Dynamik überzeugen. Mit nur klitzekleiner Tonwertkorrektur in Photo­shop entstehen 20,8-Megapixel-Aufnahmen von überwältigender Schönheit. Nicht nur der Sensor orientiert sich an den kompakten Systemkameras von Panasonic und Olympus, die Bildqualität hält hier ebenfalls mit.

          Eingeklappt: So geht die Drohne auf die Reise. Bilderstrecke
          Im Test : Drohne Mavic 3 von DJI

          Videos gelingen mit 5,1K und 50 Bildern pro Sekunde oder 4K und 120 Aufnahmen pro Sekunde. Abermals gerät man ins Schwärmen, und wer die Videoqualität weiter erhöhen will, nimmt die Spezialversion Mavic 3 Cine Premium Combo, die Apples ProRes-Format unterstützt. Dann fallen so große Datenmengen an, dass herkömmliche Speicherkarten überfordert sind. Deshalb hat die Cine-Modellvariante eine 1-Terabyte-SSD eingebaut.

          Jenseits der Foto- und Filmfähigkeiten hat der chinesische Hersteller auch in die fliegerischen Talente investiert. Die Mavic 3 ist mit einem Startgewicht von 900 Gramm etwas leichter als ihre Vorgängerin Mavic 2 Pro und misst zusammengefaltet 22 × 9,7 × 9 Zentimeter. So lange sei eine Drohne noch nie geflogen, bis zu 46 Minuten, sagt der Hersteller. Ihre maximale Reichweite beträgt 15 Kilometer vom Piloten entfernt. Allerdings muss man je nach Landschaft mit Abstrichen rechnen. Wir erhielten erste Warnmeldungen bereits nach 600 Meter Entfernung.

          Die Propellerspitzen bestehen jetzt aus nachgiebigem Gummi, was Beschädigungen bei Kontakt mit anderen Objekten reduziert. Der Akku lässt sich nun bequem im Gerät mit USB-C laden. Gesteuert wird die Profi-Drohne entweder mit der beiliegenden Fernbedienung und dem eigenen Smartphone oder, in der Cine-Modellvariante, mit einer Fernsteuerung mit eingebauter Software, hier ist das Handy entbehrlich. Der motorisierte Gimbal zum Ausgleichen von Bewegungen unterstützt drei Achsen.

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          Grundlegend neu gestaltet ist das Sicherheitssystem mit Sensoren, nach unten leuchtenden LEDs als Landelicht und vor allem omnidirektionalen Weitwinkelkameras, die zur Hindernis­erkennung dienen. Sie erfassen die Umgebung und Gefahrenstellen bis 200 Meter vorab.

          Im Januar wird eine neue Firmware die ActiveTrack-Funktionalität hinzufügen. Damit kann man bewegten Motiven, etwa Autos oder Radfahrern, folgen und sie umkreisen. Die verbesserte Software soll in der Lage sein, ein Objekt wiederzufinden, auch wenn es zeitweilig aus dem Blick der Drohne gerät. Der automatisierte Rückflug wurde ebenfalls verbessert. Nun wird eine kurze, akkuschonende Route gewählt.

          Die Mavic 3 kostet mit einem Akku 2100 Euro, im Fly More Combo erhält man drei Batterien, weiteres Zubehör sowie eine pfiffig konstruierte Tragetasche für 2800 Euro. Das Cine-Modell mit eigenständiger Fernsteuerung und drei Akkus kostet 4800 Euro. DJI hat mit seiner neuen Topdrohne abermals kräftig zugelegt. Es gibt keine vergleichbare Alternative, weil DJI in diesem Segment der Monopolist ist.

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