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Drohne Mavic 2 Pro im Test : Tiefer Blick in Nachbars Garten

Nur ein Ausschnitt: Zoom in ein Kamerabild der Mavic 2 Pro. Trotz riesiger Distanz ist jedes Haus sichtbar. Bild: Spehr

Die neue Drohne Mavic 2 Pro von DJI hat an Bord eine Hasselblad-Kamera mit 1-Zoll-Sensor. So gelingen Fotos und Videos in höchster Qualität. Selbst aus großer Entfernung wird manches kleine Detail sichtbar.

          Wir lassen das Dorf hinter uns, fahren gut einen Kilometer heraus und starten unseren Drohnenflug auf einem kleinen, abgelegenen Weg. Die Mavic 2 Pro des chinesischen Herstellers DJI steigt rund 100 Meter hoch, wir fliegen aufs Dorf zu, bis die Häuser vollständig im Blickfeld der Kamera sind. Die Fotos, die wir in den nächsten Minuten schießen, sind verblüffend gut. Der blaue Himmel mit wenigen Wolken lächelt uns entgegen, die Natur zeigt ihr freundlichstes Gesicht. Aber am meisten fasziniert, wie detailreich aus einer Entfernung mehrerer hundert Meter jedes einzelne Haus abgebildet ist. Mit einer Bildgröße von 5472 × 3648 Pixel gelangen Details in den Blick, mit denen wir nicht gerechnet hätten. Wo steht welches Auto vor der Tür, das ist sofort zu sehen. Doch man sieht auch, wie es in den Gärten hinter den hohen Hecken aussieht, wer draußen sitzt, ob eine Kaffeetafel gedeckt ist und Gäste zu Besuch sind.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nach der 2017 modifizierten Drohnenverordnung darf man nicht mehr über Wohngrundstücke fliegen, wenn die Drohne fotografieren kann. Tja, nett gemeint, wir sind einige hundert Meter von den Grundstücken entfernt und sehen trotzdem alles. Wenn der Gesetzgeber an den Schutz der Privatsphäre gedacht haben sollte, wird die Verordnung durch die leistungsfähige Optik der Drohne ausgehebelt. Die Mavic 2 Pro ist die erste Amateurdrohne mit Technik des traditionsreichen Kameraherstellers Hasselblad. Das schwedische Unternehmen wurde angeblich 2017 mehrheitlich von DJI übernommen, und schon länger gibt es DJI-Drohnen für den professionellen Einsatz, die mit einer 100-Megapixel-Kamera von Hasselblad noch detailreicher fotografieren als die von uns erprobte Mavic 2 Pro.

          Der neue Quadcopter orientiert sich an der Mavic Pro aus dem Jahr 2016 mit ausklappbaren Propellerarmen. Er ist kompakter als eine Profimaschine, aber mit Maßen von zusammengefaltet nur 21 × 9 × 8,5 Zentimeter und einem Gewicht von 900 Gramm so klein, dass man ihn kommod auf Wanderungen im Rucksack mitnehmen kann. Der Kamerasensor hat eine Diagonale von 1 Zoll wie man ihn von teuren Kameras kennt. Nicht nur die Auflösung von 20 Megapixel unterstreicht den hohen Anspruch, man kann auch die Blende manuell im Bereich von 2,8 bis 11 wählen. Raw-Aufnahmen gehören ebenfalls dazu, und für HDR-Fotos werden bis zu sieben von ihnen zu einem kontrastreichen Gesamtbild zusammengesetzt. Im Videomodus unterstützt die Kamera eine 4K-Auflösung von 3840 × 2160 Pixel bei maximal 30 Frames je Sekunde, die Datenrate liegt bei 100 MBit pro Sekunde, zum Einsatz kommt das H.265-Format. Reduziert man auf Full HD, sind es bis zu 120 Frames. Wir waren von der Bildqualität sehr angetan, die Fotos erreichen Dateigrößen bis 20 Megabyte mit starken Kontrasten, naturgetreuen Farben und faszinierendem Detailreichtum. Die Empfindlichkeit im Fotomodus reicht von ISO 100 bis 12 800.

          Fliegendes Auge: Mavic 2 Pro mit Hasselblad-Optik. Bilderstrecke

          Geht es nicht um das letzte Quäntchen Perfektion, lohnt ein Blick auf die ebenfalls neue Mavic 2 Zoom mit kleinerem Sensor und 12 Megapixel Auflösung. Die Brennweite ist zwischen 24 und 48 Millimeter einstellbar, ein digitaler Zoom erweitert auf bis zu 96 Millimeter. Die Blende ist fest eingestellt auf 2,8, die Optik hat ein größeres Sichtfeld und geringere ISO-Empfindlichkeit. Die Zoom ist für empfohlene 1250 Euro im Handel, die Mavic 2 Pro kostet 1450 Euro. Beide Drohnen lassen sich an ihrem Kamerakopf unterscheiden und sind sonst baugleich. Die Optik ist jeweils an einem Drei-Achsen-Gimbal aufgehängt, so werden Wackelbewegungen ausgeglichen. Erstmals erlaubt der Gimbal, dass man mit der Optik nach oben filmen und fotografieren kann. Verblüffend ist die hohe Arbeitsgeschwindigkeit des Autofokus, insbesondere im Vergleich mit der älteren Mavic Pro. Fotos und Videos landen entweder im eingebauten Speicher, der acht Gigabyte fasst, oder auf einer Micro-SD-Karte.

          Für den Erstflug nehme man sich etwas Zeit: Das Smartphone mitsamt DJI-App dient als Steuerungszentrale, es wird in die beiliegende Fernbedienung mit zwei Joysticks hineingesteckt, was nur mit Fummelei gelingt. Die DJI-App erfordert eine Registrierung, und man muss die Drohne mit der Fernsteuerung manuell koppeln.

          Die neuen Mavic-Modelle fliegen sich jedoch einfacher und sicherer denn je. Zehn Kameras und Sensoren an jeder Seite der Drohne helfen bei der Hinderniserkennung. Wer ungebremst auf einen Baum zufliegt, erlebt sogleich, wie die Elektronik konsequent eingreift: In einern Distanz von ungefähr anderthalb Meter bremst die Drohne wie vor einer unsichtbaren Wand. Die Technik funktioniert indes nicht im Sportmodus, in dem höhere Fluggeschwindigkeiten bis 72 km/h erreicht werden. Die maximale Flugzeit beider Mavics liegt bei 31 Minuten, und die Reichweite der Signalübertragung beträgt bis zu acht Kilometer.

          Besonders beeindruckend während des Ausprobierens war das neue Active Track, das ist die automatische Verfolgung eines bewegenden Objekts und nur eines der vielen eingebauten Automatik-Programme. Die neue Mavic ist schnell in die Luft gebracht, liefert auf Anhieb faszinierende Fotos, aber die letzten Kniffe der Steuerung und der gebotenen Möglichkeiten lernt man erst im Laufe der Zeit. Jede neue Drohne stellt ihre älteren Vorgänger sofort in den Schatten, das gilt auch hier, die Technik schreitet mit Riesenschritten voran. Wer mit seiner Drohne herausragende Fotos und Videos erstellen will, liegt mit der Mavic 2 Pro genau richtig.

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