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Drohne Avata von DJI : Einmal fliegen wie ein Vogel

  • -Aktualisiert am

Fliegt nur zu Zweit: Die Avata und der Pilot mit der Motion Controller genannten Fernbedienung in der rechten Hand. Eine Begleitperson schaut nach dem Rechten Bild: Hersteller

Diese Drohne nährt den Traum vom Fliegen: Die Avata von DJI überträgt Videoaufnahmen in Echtzeit in eine Datenbrille. Sie zu steuern erfordert jedoch einige Übung.

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          Die Enten tauchen etwas plötzlich auf. Noch schwimmen sie ruhig über den See, doch wir nähern uns mit hohem Tempo aus der Luft. Um auszuweichen, ist es zu spät. Schnell ziehen wir die Drohne hoch in der Hoffnung, dass die Tiere brav im Wasser bleiben. Das tun sie, zum Glück. Das nächste Mal sind wir vorsichtiger.

          Im Einsatz ist eine First-Person-View-Drohne, kurz FPV. Ihre Besonderheit ist, dass der Pilot beim Fliegen eine Datenbrille trägt. Von seiner Umgebung sieht er nichts. Die beiden Bildschirme in der Brille geben das Bild wieder, das die Op­tik in der Drohne erzeugt. Es wird drahtlos und in Echtzeit vom Fluggerät an die Brille übertragen. Auf diese Weise nimmt man den Drohnenflug wahr, als ob man selbst flöge.

          FPV-Drohnen waren bis dato ein Thema für Sportler, die sich ihre Fluggeräte selbst basteln. Vor einem Jahr brachte der chinesische Hersteller DJI eine startfertige FPV-Drohne auf den Markt, und nun startet eine abgespeckte Version. Die DJI Avata kostet 580 Euro, zudem muss in weiteres Zubehör investiert werden. Die Brille, Goggles 2 ge­nannt, kostet 570 Euro. Außerdem wird eine Fernsteuerung benötigt. Infrage kommt der von uns eingesetzte Motion Controller für 150 Euro, der auf Handbewegungen reagiert. Alternativ kann eine konventionelle Fernsteuerung mit zwei Steuerknüppeln gekoppelt werden. Sie sieht aus, als gehöre sie zu einer Playstation oder Xbox. Sie kostet ebenfalls 150 Euro.

          Drohnenführerschein nötig

          Diese Drohne kann man ohne Smartphone-Unterstützung fliegen. Allerdings muss man alle drei Systemkomponenten – Drohne, Goggles und Controller – zunächst per Bluetooth anlernen, was ziemlich kompliziert ist. Das Startgewicht der Avata beträgt 410 Gramm. Das bedeutet, dass der Pilot einen Drohnenführerschein benötigt. Die recht kleinen Propeller umgibt ein Schutz aus Plastik, sodass im Fall einer Kollision möglichst wenig Schaden entsteht. Oberhalb der vier Propeller ist der Akku befestigt. Er sitzt in einem Gehäuse aus Plastik mit Stromanschluss. Nach dem Automatikstart schwebt die Drohne stabil in einer Höhe von anderthalb Metern. Da der Pilot nur das Drohnenbild sieht, muss ein Spotter dabei sein, also jemand, der nach Gefahren für Pilot und Drohne Ausschau hält.

          Während des Erstflugs ist die Steuerung gewöhnungsbedürftig. Mit dem Joystick und Handbewegungen zu fliegen ist erst nach einer gewissen Übungszeit in­tuitiv. Was die Datenbrille zeigt, ist fas­zinierend. Ganz vorsichtig fliegen wir erste Manöver mit geringer Ge­schwindigkeit. Mit größerer Erfahrung steigt das Tempo. Immer tiefer wird man in das Geschehen hineingezogen und glaubt schließlich zu fliegen. Mit zwei Stellrädchen an den Goggles lassen sich Sehschwächen bis zu minus acht oder plus zwei Dioptrien korrigieren. Die Drohne fliegt mit einer Akkuladung un­gefähr 18 Minuten. Die verbleibende Zeit wie auch die Flughöhe und andere Daten werden ins Display eingespielt. Auch wenn DJI eine Reichweite von mehr als elf Kilometern angibt, erhielten wir schon nach rund 200 Metern eine Warnung.

          Abheben für Profis: die Avata von DJI und ihr wichtigstes Zubehör
          Abheben für Profis: die Avata von DJI und ihr wichtigstes Zubehör : Bild: Hersteller

          Es gibt drei verschiedene Modi mit unterschiedlichen Fluggeschwindigkeiten, im schnellsten sind fast 100 km/h erreicht. Dafür sind dann fortgeschrittene Flugkenntnisse gefragt. Der op­tische Sensor der Kameraeinheit löst nach Angaben von DJI mit 48 Mega­pixeln auf. Fotos lassen sich indes mit 4000 × 3000 Pixeln schießen. Videos ge­lingen in 4K mit bis zu 60 Aufnahmen in der Sekunde oder in geringer Auf­lösung mit bis zu 120 Aufnahmen in der Sekunde. Die Daten landen auf Micro- SD-Speicher­karten. Die Drohne hat zu­dem einen fest eingebauten Speicher von 20 Gigabyte.

          Ob am Ententeich oder über den Dü­nen der Sahara: Mit Datenbrille und mit Joystick zu fliegen ist ganz gewiss nichts für jedermann. Wer nur foto­grafieren und filmen will, kommt mit einer her­­kömmlichen Fernsteuerung schneller ans Ziel. Eine FPV-Drohne ist da­gegen eher ein elektronisches Sport­gerät, das Übung und Erfahrung ­verlangt.

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