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Dragon Dictate 2 für Mac : Sehr gut und mangelhaft zugleich

Mit Dragon Dictate 2 gelingt das Diktieren am Mac prima, aber nicht in Word & Co. Links der Wortschatz-Editor Bild: Spehr

Nuance, der Marktführer für Spracherkennungssoftware, vertreibt seit Anfang des Jahres ein Dragon Dictate 2.0 für den Mac. Im Praxistest zeigt sich: Vieles ist verbesserungswürdig.

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          Spracherkennung auf dem Mac war bislang ein leidiges Thema. Als Pionier in diesem Bereich galt seit 1996 der amerikanische Hersteller MacSpeech mit seinem iListen, das indes in Deutschland keine große Verbreitung fand. Vor gut einem Jahr kam der Nachfolger MacSpeech Dictate in deutscher Sprache auf den Markt, und nun war immerhin der Spracherkennungsalgorithmus des Marktführers Nuance eingebaut. Nuance ist der Hersteller von Dragon NaturallySpeaking, das nur unter Windows läuft und als Maß aller Dinge bei der Spracherkennung gilt.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          MacSpeech Dictate brachte zwar nach dieser „Herztransplantation“ eine hervorragende Erkennung mit, war aber hinsichtlich Bedienung und Korrektur (die für eine Verbesserung der Erkennungsleistung unabdingbar ist) umständlich und kompliziert. Nun hat Nuance den amerikanischen Rivalen aufgekauft und vertreibt seit Anfang des Jahres ein Dragon Dictate 2.0 für den Mac.

          Wer nach dieser Übernahme damit rechnete, endlich ein vollwertiges Dragon-System wie am Windows-PC zu erhalten, wird enttäuscht. Die neue Version trägt schwer an ihren Altlasten, und Nuance hat sich leider nicht dazu entscheiden können, diese ein für alle Mal über Bord zu werfen.

          Nicht einmal im Ansatz zum Diktieren in Word geeignet

          Bleiben wir bei den Minuspunkten: Was man für rund 150 bis 200 Euro (etwa bei Amazon) erhält, ist nicht einmal ansatzweise für das Diktieren in Standard-Programme geeignet. Wir probierten zunächst Word 2011 von Microsoft und erhielten schon bei den ersten Korrekturen ein Chaos auf dem Bildschirm: Die gesamte Formatierung wird durcheinandergewürfelt, Korrekturen landen nicht an der Ursprungsstelle, sondern werden an scheinbar beliebigen Stellen in die Sätze eingebaut, wobei dadaistische Sprachspiele entstehen. Das alles ist wie beim Vorgänger schlichtweg Murks.

          Im zweiten Anlauf diktierten wir eine längere E-Mail mit Googlemail im Browser-Fenster. Auch hier stellte sich bald ein ähnlicher Wirrwarr ein, und neue Fehler kamen hinzu: So wurde etwa die richtig dargestellte Schreibweise des Korrekturfensters trotz eindeutig erkannter Befehle nicht 1 zu 1 an den Browser übergeben, und „Geisterzeichen“ mischten sich in den Text.

          Die Korrektur ist viel zu kompliziert

          Das Handbuch beschreibt sogar diese Probleme in einem langen Kapitel („Der Cache und die Goldene Regel“), aber selbst nach mehrfacher Lektüre versteht man die Hinweise nicht. Wer das programmiert und beschrieben hat, lebt in einer anderen Welt. Für die Zusammenarbeit mit und die Arbeit in Mac-Programmen taugt Dragon Dictate 2 keinen Schuss Pulver, es ist in dieser Hinsicht unbrauchbar, das Urteil kann nur „ungenügend“ lauten.

          Aber zum Glück gibt es, wie in der Windows-Version, ein Diktierfenster, bei dem diese Malaisen nicht auftreten. Man diktiert also in einen kleinen Editor und überträgt den fertigen Text mit „Copy & Paste“ in das jeweilige Programmfenster. Wenn man mit diesem Umweg leben kann und vor dem Diktat penibel darauf achtet, dass das Diktierfenster aktiv ist (ein weiterer Fehler, der blinkende Cursor im richtigen Fenster reicht nicht aus), wird man mit Dragon Dictate 2 zufrieden sein. Große Teile dieses Artikels wurden mit dem beiliegenden kabelgebundenen Plantronics-Headset am Mac diktiert, und die Erkennungsrate ist so hoch wie bei der Version 11 von Dragon Naturally Speaking.

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