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Domaingrabbing : Reich werden ohne Pizza und Sex

Mit Sex kann jeder reich werden. Aber mit Pizza? Chris Clark hat immerhin 2,6 Millionen Dollar für eine 14 Jahre alte Variante bekommen. Der Amerikaner hatte 1994 die Domain „pizza.com“ registriert und in dieser Woche versteigert. FAZ.NET sagt, wie auch Sie mit „Domaingrabbing“ zu viel Geld kommen können.

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          Sex will eigentlich jeder haben. Vielleicht ist dieses körperliche Verlangen auch der Grund, warum so viele Bieter heiß waren auf die Domain „sex.com“. Nur einer hat sie bekommen. Die Firma Escom bezahlte vor zwei Jahren für den Spaß 14 Millionen Dollar. Und Gary Kremen stöhnte befriedigt auf. Denn der Amerikaner hatte bereits 4,5 Millionen Dollar Schulden wegen eines Rechtsstreits, der sich um die schmutzige Adresse drehte.

          Chris Clark hingegen kann jedes Dollarstück genießen. Der Mann aus Maryland gab 1994 lediglich 20 Dollar aus, als er sich auf „pizza.com“ stürzte. In dieser Woche kassierte er dafür 2,6 Millionen Dollar. Dass sein Domainhunger damals nicht größer war, ärgert ihn. Der Zeitung „Baltimore Sun“ gestand er, dass er noch nicht wisse, was er mit dem vielen Geld mache, aber jetzt schon bereue, in den neunziger Jahren nicht mehr Domains gekauft zu haben. Passend dazu wäre etwa gewesen: „vodka.com“. Die ging nämlich für drei Millionen Dollar an eine russische Alkohol-Exportfirma.

          74.939.317 potentielle Millionäre

          Auch in Deutschland wird es zwar eng auf dem Markt der Domains. Im März dieses Jahres hat Denic - der Wächter über die .de-Domains - 11.946.166 Registrierungen gemeldet. Das ist im Vergleich zu der beliebtesten Adressenendung im Netz gerade mal knapp ein Siebtel. 74.939.317 Adressen im Netz enden auf .com. Also ran an die Tastatur und ausprobieren unter „Denic.de“. Wir haben schon mal ein paar Vorschläge anzubieten: Wie wäre es mit ichhabaucheinepizza.de oder sexistnichtalles.de? Beide sind noch frei.

          Was beliebt ist bei Passwörtern, führt beim Domaingrabbing nicht zum Erfolg. Die umgekehrte Buchstabenfolge von Sex und Pizza ist bereits vergeben: xes.de und azzip.de sind von Männern aus Norddeutschland erst einmal belegt.

          Kampf um die Domains

          Ebenso wenig klappt's mit dem Buchstabendreher und der Legasthenikerschreibweise: Den falschen Konsonanten-Seks und die deutsche Pitza muss man den Besitzern abkaufen. Doch die Zusammenführung führt zum Erfolg: Ob pizzaundsex.de oder sexundpizza.de mehr als 18,5 Millionen einbringen könnten, weiß nur derjenige, der jetzt zuschlägt.

          Doch aufpassen! Anfang dieses Jahres verklagte das Kreuzfahrtunternehmen Aida Cruises wegen Markenrechtsverletzung den Leipziger Online-Anbieter Aidu (Ab in den Urlaub). Es bestehe zwischen beiden Bezeichnungen Verletzungsgefahr. Die Kreuzfahrer wollten damit Aidu kapern. Sollten die Leipziger nicht freiwillig aidu.de hergeben, würde ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro fällig. Und wer hat den Domain-Fight gewonnen? Aida!

          Deutschland, verkauf deine Endung!

          Wie man übrigens als ganzes Land abräumen kann, machte der Südseestaat Tuvalu vor. Er gab schon vor vielen Jahren eine komplette Endung her: .tv. Mit den 50 Millionen Dollar genießen die Tuvaluaner wahrscheinlich noch heute das Leben. Auf acht Inseln verteilt sitzen 11.810 Einwohner. Falls der Monarch die Scheine gerecht verteilt hat, bekam jeder Einwohner mehr als 4000 Dollar. Damit kommt man in der Südsee ein paar Jahre gut über die Runden.

          Vielleicht sollte auch Deutschland darüber nachdenken, seine Endung zu verkaufen. Das würde Geld in die leere Staatskasse spülen wie das Meer den Sand an den Strand in Tuvalu. Und außerdem gibt es ja noch so schöne Endungen wie .info. Gerade wird die Domain Pizza.info zum Kauf angeboten. Aktuelles Gebot: 12.500 Euro.

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