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Diktiertechnik : In die Cloud gesprochen

Wie bei einem Diktiergerät steuert der Daumen das Diktat Bild: Hersteller

Was hat der Datenspeicher im Internet mit altbewährter Diktiertechnik zu tun? Was man ins iPhone spricht, kommt als Word-Datei zurück.

          Der Architekt hat bis in den späten Nachmittag seine Baustellen besucht, und als er abends ins Büro kommt, ist sämtliche Arbeit bereits getan: Was er tagsüber diktiert und protokolliert hat, liegt als Word-Datei vor und kann flink in die Post gegeben werden. Das ist die Idee des Diktierens in der Cloud, in der Datenwolke des Internets. Man diktiert unterwegs, nicht nur mit eigens dafür konstruierten Rekordern, sondern auch mit dem Mobiltelefon und anderen Geräten. Die Cloud ist die Sammelstelle, in der alles unter einem Dach ordentlich und strukturiert zusammenläuft. Zwei neue Lösungen, die wir erprobt haben, versprechen vor allem mehr Flexibilität und Zeitersparnis.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Speechlive von Philips ist in verschiedenen Ausbaustufen von 5 Gigabyte Speicher an zu haben, das kleinste Paket kostet 10 Euro je Nutzer und Monat. Die Server stehen in Europa. Der Dreh- und Angelpunkt ist die Workflow-Lösung, die unter dem Markennamen Philips läuft, obwohl das zugehörige Unternehmen, die frühere Spracherkennungssparte von Philips, mittlerweile übergegangen ist in die eigenständige Firma Speech Processing Solutions, die wiederum der österreichischen Invest AG gehört. Ein raffiniertes Workflow-System hatte Philips schon immer, nun wurde die bewährte Windows-Software Speech Exec Pro noch einmal erweitert und zur Schaltstelle und lokalen Datenzentrale gemacht.

          Was tagsüber diktiert wird, liegt als Word-Datei vor

          Hier kann man wie gehabt mit dem Diktiermikrofon (kabelgebunden oder schnurlos) direkt am PC arbeiten oder seine Aufzeichnungen vom Diktiergerät hineinholen. Neu ist die Option, eine Diktier-App fürs Smartphone einzusetzen. Was unterwegs diktiert wird, landet über Mobilfunk oder W-Lan in der eigenen Cloud und trifft anschließend in Speech Exec Pro ein. Unterwegs sind alle Daten durchgehend verschlüsselt, gegebenenfalls sogar doppelt, denn das DSS-Pro-Format der professionellen Diktiergeräte bietet ja auch eine Verschlüsselungsoption. DSS Pro ist gleichsam das MP3-Format für Sprachdateien und wird von allen anspruchsvollen Anwendungen unterstützt.

          Was in Speech Exec Pro angekommen ist, kann in gewohnter Weise bearbeitet, also zum Beispiel je nach Autorenkürzel und Status an Schreibkräfte im Haus weitergeleitet oder an die Spracherkennung Dragon Naturally Speaking übergeben werden. Letztere transkribiert dann unter Verwendung des jeweiligen Sprecherprofils, das Autorenkürzel sorgt dafür, dass alles zusammenpasst.

          Neu ist nun die Option, einen Schreibservice einzubinden. Hier muss man sich um nichts kümmern, sondern lediglich Transkriptionsminuten vorab kaufen. Die Auswahl eines Schreibbüros entfällt, es ist kein zusätzlicher Vertrag abzuschließen, Philips organisiert alles. Eine Minute kostet 2,73 Euro, wenn der Auftrag in 24 Stunden zu erledigen ist. Kürzere Reaktionszeiten sind teurer. Soll das Diktat beispielsweise in spätestens fünf Stunden transkribiert sein, zahlt der Kunde 4,10 Euro die Minute. Wie „lang“ eine Textseite ist, hängt natürlich vom Sprechtempo ab. Zwei bis drei Minuten je Seite sind ein guter Anhaltspunkt für geübte Diktierer.

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