https://www.faz.net/-gy9-9at4g

Diktiergerät Olympus DS 9500 : Diktate fliegen durch die Luft

Diktiergerät Olympus DS 9500 Bild: Hersteller

Das Diktiergerät DS 9500 von Olympus hat ein eingebautes W-Lan. Diktierer können ihre Dateien gleich auf den Weg bringen. Das Gerät überzeugt mit guter Akustik.

          Wer als Arzt oder Anwalt jeden Tag mehrere Stunden diktiert, benötigt eine professionelle Ausrüstung. Ein Smartphone als Diktiergerät funktioniert dann nicht mehr. Auch billige „Notetaker“ zeigen schnell ihre Grenzen hinsichtlich Verarbeitungsqualität, Akkulaufzeit und Akustik. Ordentliche Diktiergeräte kosten mehr als 500 Euro, und wer ein solches Produkt in der Hand hält, weiß warum. Es sind Präzisionsinstrumente und kein Spielzeug. Hier dominieren zwei Hersteller den Markt, Philips und Olympus.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Unser Favorit war bislang das DPM 8000 von Philips mit Farbdisplay, Gehäuse aus gebürstetem Edelstahl und mehreren Mikrofonen, die eine einzigartige Nebengeräuschunterdrückung erlauben. Nun ist ein Rivale erhältlich, der noch etwas mehr Gewicht auf die Waage legen will: Das neue DS 9500 von Olympus hat ein W-Lan-Modul eingebaut, damit der reisende Diktierer seine Dateien gleich auf den Weg bringen kann, sei es zur Sekretärin, zum Schreibbüro oder zur Spracherkennung im Büro.

          Das Gehäuse des DS 9500 besteht leider nur aus Kunststoff und ist etwas dicker als das Philips, das wiederum deutlich hochwertiger wirkt. Das Olympus sei hingegen sturzfest bis anderthalb Meter Höhe, sagt der Hersteller. Es hat ebenfalls ein Farbdisplay. Der seitlich angebrachte Schiebeschalter ist das Haupt-Bedienelement. Mit ihm navigiert man durch seine Diktate, kann vor- oder zurückspulen und auf diese Weise das Gesagte ein wenig bearbeiten und korrigieren. Wie immer ist der Schiebeschalter von Olympus mit seiner sehr hohen Präzision ein Erlebnis. Hier kann Philips nicht mithalten. Auch beim Display arbeitet Olympus mit viel Raffinesse, die Farben wechseln je nach Status und unterstützen damit das Arbeiten. Drei Funktionstasten unterhalb der Anzeige lassen sich frei programmieren, zum Einsatz kommt ein kleines Hilfsprogramm für den Rechner.

          Und hier an der Tankstelle

          Am Rechner richtet man dann auch die Kommunikationsdienste ein: Um in ein W-Lan zu gelangen, kann man den Namen des Netzes und das zugehörige Kennwort direkt erfassen. Gleiches gilt für den Versand von Diktaten per E-Mail. Das E-Mail-Konto und die Zugangsdaten werden am PC eingerichtet, anschließend synchronisiert man mit dem Diktiergerät. Da man alles im Klartext eingibt, ist die Frage nach der Datensicherheit aufgeworfen. Hier bleibt ein mulmiges Gefühl, zumal das DS 9500 als Unterbau das Google-Betriebssystem Android verwendet. Ist das Einrichten erfolgreich beendet, funktioniert der Dateiversand bestens. Diese Funktionalität ist ein großer Gewinn, die Fummelei mit Speicherkarte und Notebook entfällt. Die empfangende E-Mail-Adresse kann man am Diktiergerät eingeben, sie bleibt gespeichert für weitere Übertragungen.

          Aber einige Nachteile des DS 9500 sind unübersehbar. Während das Philips unmittelbar nach dem Einschalten betriebsbereit ist, benötigt das Olympus fürs Hochfahren rund 15 Sekunden und noch deutlich länger, wenn zuvor der Akku entnommen wurde. Dieser Kraftspender in einem proprietären Format hält bei durchgehender Aufnahme zwar rund neun Stunden durch, hat aber eine starke Selbstendladung bei Nichtgebrauch. Nach dreistündigem Ausprobieren am ersten Wochenende war am Montagmorgen der Akku vollständig leer. Das darf eigentlich nicht passieren. Das Laden des Kraftspenders erfolgt entweder in der mitgelieferten Docking-Station, die leider noch ein eigenes Netzteil erfordert. Oder mit einem Micro-USB-Anschluss an der Gehäuseunterseite, also leider kein USB Typ C. Neben diesem Standardanschluss sitzt dann noch ein zweiter proprietärer von Olympus. Komplett verkabelt hat man dann Netzteil und Docking-Station nebeneinander und noch ein USB-Kabel zum Rechner. Kein schöner Anblick auf dem Schreibtisch.

          Aufnahmen lassen sich im Diktiergerätformat DSS Pro, im MP3-Format und als PCM-Datei speichern. Ein kapitaler Fehler der Software besteht darin, dass man mit MP3 die Funktionen Anhängen, Überschreiben und Einfügen für Diktate nicht nutzen kann. Die jeweilige Datei wird mit dem Auslösen der Funktion abgeschlossen, und es wird eine neue angelegt. Wer ohnehin nur im Diktiergeräteformat DSS speichert, mag sich daran nicht stören.

          Das DS 9500 nutzt zwei Mikrofone an der Oberseite für verschiedene Nutzerszenarien: Diktat in ruhiger oder lauter Umgebung und Konferenzmitschnitt. Gute Akustik in ruhiger Umgebung ist keine Herausforderung. Wir prüften die Unterdrückung von Nebengeräuschen, indem wir ein Diktat gemeinerweise bei lauter Musik gleichzeitig ins Philips und ins Olympus sprachen. Eine schöne Aufgabe, aus diesem Mischmasch anschließend einen Text zu erstellen. Beide Sprachdateien wurden anschließend der Spracherkennung Dragon von Nuance vorgesetzt. Ungeachtet der störenden Musik lag die Erkennungsgenauigkeit des Olympus bei 96 Prozent, das Philips schnitt mit 97 Prozent einen Tick besser ab. Den Unterschied sollte man aber nicht überbewerten. Unter normalen Bedingungen ist die Akustik beider Geräte für Spracherkennung bestens geeignet. Man kann sich also bei der Kaufentscheidung getrost vom eigenen Geschmack leiten lassen. Das DS 9500 kostet 650 Euro, im Sommer folgt ein weitgehend baugleiches Modell DS 9000 ohne W-Lan, das etwas günstiger sein wird.

          Weitere Themen

          Bloß nicht hetzen

          Schlusslicht : Bloß nicht hetzen

          Wenn Schiffe auf dem Rhein etwas langsamer fahren, wird die Luft in der Stadt sauberer. Fehlt nur noch eine Radarfalle. Irres und Wirres aus der Woche.

          Topmeldungen

          Protest in Frankreich : Wilde Gesten in gelben Westen

          Hat der Aufruhr in Frankreich einen Gesamtwillen? Die Gelbwesten fordern Macrons Rücktritt und zugleich die Einlösung seiner Wahlversprechen: Ein französisches Paradox.

          TV-Kritik: „Anne Will“ : Die Macht der Netzwerke

          Anne Will versuchte zu erklären, wie sich Annegret-Kramp Karrenbauer durchsetzen konnte. Vieles dürfte ungewiss bleiben, nur eines scheint klar: Netzwerke bleiben für Politiker unerlässlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.