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Digitaler Hörfunk : Sag dem Radio leise Servus

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Die praktischen Vorzüge des Digitalempfangs haben sich immer mehr herumgesprochen: Umständliche Sendersuche mit anschließender Stationsspeicher-Belegung, eine lästige UKW-Pflichtübung, entfällt weitgehend: Der DAB+-Empfänger checkt im automatischen Suchlauf nur einmal, was seine Antenne einfängt, und fortan hat er die gesamte Ausbeute samt Sendernamen im Gedächtnis, um sie im Display zum Abruf aufzulisten. Die Tonqualität folgt dem digitalen Prinzip „ganz oder gar nicht“, also: entweder sauber und klar oder stumm. Rauschen, Knattern, Verzerrungen, die Untugenden schwächelnden UKW-Empfangs, gibt es in der digitalen Radiowelt nicht. Hinzu kommt: Der mobile Digitalempfang profitiert von Sendernetzen, die in Gleichwellentechnik arbeiten, also über verschiedene Antennenmasten einer Region auf derselben Frequenz funken. Denn anders als UKW-Empfänger stören sich DAB+-Radios überhaupt nicht daran, wenn sie Signale desselben Programms aus verschiedenen Richtungen einfangen. Während der Analogempfänger mit heftigen Verzerrungen reagieren würde, nutzt sein digitales Gegenstück den Mehrwege-Empfang sogar, um unterwegs für stabile Wiedergabe zu sorgen.

Die Hilfe kommt zu spät

Da überrascht es fast, dass die Politik den digitalen Radio-Zögling noch nicht so ganz unbegleitet ins mediale Erwachsenenleben entlassen mag. Im Koalitionsvertrag der künftigen Regierung etwa heißt es: „Wir werden die Regelungen zur Interoperabilität angesichts der veränderten Anforderungen an den digitalen Hörfunk weiterentwickeln, um das Digitalradio als niedrigschwelliges Medium zu stärken.“ Dies soll, wie ein weiterer Absatz verrät, auch auf der Ebene der EU passieren: „Wir setzen uns für eine Interoperabilitätsverpflichtung für Digitalradiogeräte auch auf europäischer Ebene ein.“ Interoperabilitätsverpflichtung bedeutet im Klartext, dass jedes künftig in der EU verkaufte Radiogerät über eine Schnittstelle zum digitalen Radioempfang, wozu ein DAB+-Tuner zählen kann, verfügen soll.

Das kommt, mit Verlaub, zu spät: In den kritischen Entwicklungsphasen des Digitalradios galten solche Regelungsinitiativen als ordnungspolitisch unerwünschte Eingriffe in den freien Markt. Hätten sie damals Bedeutung erlangt, stünde es heute vielleicht besser um die Einheitlichkeit der Radioentwicklung auf dem alten Kontinent. Norwegen etwa hat den Digitalfunk schon so weit entwickelt, dass UKW im vergangen Jahr aufs Altenteil konnte. Schweden, das Vereinigte Königreich und die Schweiz sind ebenfalls fleißige Digitalfunker. In Frankreich dagegen gibt es bisher nur Testausstrahlungen, in Italien kommen bisher vor allem die Südtiroler Hörer in den digitalen Radiogenuss. In Osteuropa funken polnische Sender digital, tschechische und slowakische Stationen dagegen nicht.

Das ist schade. Womöglich wird UKW als das letzte, nicht nur in ganz Europa, sondern fast überall auf dem Globus verfügbare Radiosystem in die Geschichte eingehen. Schade ist auch ein weiteres Detail: Die Automobilhersteller bauen immer noch in 60 Prozent aller Neuwagen nur analoge Radios ein. Die übrigen 40 Prozent verkünden sie in diesen Tagen zwar als digitale Erfolgsquote, doch damit machen sie sich lächerlich: Die digitale Hörfunktechnik verkaufen sie noch immer als Sonderausstattung für mehrere hundert Euro, obwohl es substantiell um nichts anderes geht als um einen winzigen Chip im Herstellungswert eines niedrigen zweistelligen Cent-Betrags. Es soll sogar Autokäufer geben, die sich ernsthaft um den Wiederverkaufswert Sorgen machen für den Fall, dass UKW dermaleinst tatsächlich vom Netz geht.

Doch das wird so bald nicht passieren: Für die neue Regierungskoalition stand dieser Punkt zwar zeitweilig auf der Verhandlungs-Agenda, schaffte es aber nicht in den Vertragstext, zumal sich die privaten Rundfunkanbieter vehement dagegen ausgesprochen hatten. Die digitale Gerätepopulation wird dennoch weiter wachsen und gedeihen, nicht zuletzt, weil sich viele moderne Empfänger heute nicht nur auf den DAB+-Empfang verstehen: Sie bringen auch Internet-Radio zu Gehör, spielen Spotify-Streams und andere, zapfen noch etliche Mediendienste aus dem World Wide Web, und wenn das nicht reicht, funkt via Bluetooth auch noch das Smartphone mit.

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