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Digitale Bibliothek : Deutschland gegen Google

  • -Aktualisiert am

Seit einiger Zeit erwirbt Google die digitalen Rechte für große Bibliotheksbestände zu einem einmaligen Betrag auf Dauer Bild: dpa

30.000 Datenbanken sollen in der deutschen digitalen Bibliothek vernetzt werden. Kulturstaatsminister Neumann sieht in der DDB „ein Jahrhundertprojekt“, einen „Quantensprung in der digitalen Information“ - und „die Antwort auf Google“.

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          Deutschland wehrt sich gegen Google: Nach einem Beschluss des Bundeskabinetts sollen die Datenbanken von 30 000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) miteinander vernetzt und allen Bürgern in einem Internetportal zugänglich gemacht werden. Die Digitale Bibliothek soll digitale Kopien von Büchern, Bildern, Musik und Filmen aus Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen umfassen. „Die DDB ist ein Jahrhundertprojekt in der digitalen Welt und leistet einen herausragenden Beitrag zur Bewahrung unserer kulturellen Identität und zum Urheberrechtsschutz. Die Deutsche Digitale Bibliothek ist eine angemessene Antwort auf Google“, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) in Berlin. Allerdings soll erst 2011 mit dem Aufbau der Internet-Bibliothek begonnen werden.

          Die Regierung legt mit dem Vorhaben Wert darauf, den Zugriff auf die digitalen Inhalte nicht in die Hand eines Unternehmens zu legen, das damit Gewinn erzielen will. „Bei diesem Vorhaben geht es um den Zugang zu unserem seit Jahrhunderten öffentlich gesammelten und bewahrten, meist auch mit staatlichen Geldern erst angekauften Kulturgut – und zwar dauerhaft und ohne rein kommerziellen Zweck. Dies gilt gerade auch angesichts des Vorgehens des Unternehmens Google, das seit einiger Zeit die digitalen Rechte für große Bibliotheksbestände zu einem einmaligen Betrag auf Dauer erwirbt. Bestehende Urheber- und Leistungsschutzrechte werden in der Deutschen Digitalen Bibliothek selbstverständlich uneingeschränkt gewahrt. Im Unterschied zu Google werden bei der DDB die Rechte-Inhaber zuerst gefragt, und dann wird gehandelt – „dokumentiert und jederzeit nachvollziehbar“, sagte Neumann.

          „Das Urheberrecht muss auch im Internet seinen Platz finden“

          Deutschland reagiert damit auf die Bestrebungen der Internet-Suchmaschine Google, die in ihrer Initiative Google Books die Bestände der Verlage und Bibliotheken einscannt, um sie allen Internetnutzern zugänglich zu machen. Viele Verleger und Politiker hatten sich daraufhin beschwert, Google achte die Urheberrechte nicht. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das Unternehmen offen kritisiert: „Für die Bundesregierung ist klar: Das Urheberrecht muss auch im Internet seinen Platz finden. Deshalb lehnen wir es ab, dass ohne jeden urheberrechtlichen Schutz die Bücher einfach eingescannt werden, wie dies von Google gemacht wird“, erklärte sie Mitte Oktober in ihrem wöchentlichen Video-Podcast.

          Google hat dagegen stets betont, die Urheberrechte zu wahren. Mitte November hatte das Unternehmen allerdings auf die kräftige Kritik vor allem aus Europa reagiert. Der zuvor geschlossene Vergleich mit amerikanischen Autoren- und Verlegerverbänden wurde so geändert, dass nun fast alle nichtenglischsprachigen Bücher nicht mehr von Google eingescannt werden – und mithin auch nicht von den Internetnutzern gefunden werden können. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte daraufhin kritisiert, die neue Regelung werde Europa in der Digitalisierung von Büchern ins Hintertreffen geraten lassen.

          Deutscher Beitrag zur Europäischen Digitalen Bibliothek Europeana

          Der Aufbau der Deutschen Digitalen Bibliothek soll als Gemeinschaftsvorhaben von Bund, Ländern und Kommunen aus Mitteln des Konjunkturprogramms II finanziert werden. Die Kosten des Betriebs wollen sich Bund und Länder je zur Hälfte teilen. Die DDB ist der deutsche Beitrag zur Europäischen Digitalen Bibliothek Europeana.

          Zur den Bemühungen der Europäer gehören zum Beispiel die Suchmaschine Quaero, die von Frankreich und Deutschland als Google-Konkurrent ins Leben gerufen wurde, aber im Keim erstickte. Auch Libreka, eine Initiative des Deutschen Buchhandels, die als Suchmaschine für Bücher gestartet ist, inzwischen aber als Plattform für den Verkauf elektronischer Bücher dient, macht bisher keinen Stich gegen Google oder Amazon. Am Erfolg der DDB werden ebenfalls bereits erste Zweifel angemeldet, da mit dem Projekt erst 2011 begonnen werden soll. In der Zwischenzeit verhandelt Google weiter mit Verlagen und wird sicher die Zeit nutzen, weitere Inhalte für sein Google Books Programm zu gewinnen.

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