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Uhr mit Pfiff : Die tragen die Schiedsrichter bei der WM

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Da war Hublot zurückhaltend, als das Foto gemacht wurde. Ein Gegentor haben die Russen nicht bekommen und noch weitere vier geschossen. Bild: Reuters

Tor oder kein Tor? Die Schiedsrichter bei der WM in Russland sehen das sofort – auf ihrer offiziellen und vernetzten Schiedsrichteruhr.

          „Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten.“ Das pflegte der erste deutsche Weltmeistertrainer Sepp Herberger zu sagen, wenn er Spielprognosen abgeben sollte. Dieser Satz blieb unseres Wissens stets unwidersprochen, wenngleich zumindest Letzteres nicht immer stimmt. Es vergeht eigentlich kein Kick ohne Nachspielzeit, bei Turnieren wie der gerade begonnenen Fußball-Weltmeisterschaft kommen dann oft noch Verlängerungen hinzu. Gemessen wurde die Spielzeit anno 1954, als Herberger mit seiner Mannschaft das „Wunder von Bern“ schaffte, noch mit soliden Handstoppuhren, vorzugsweise von Heuer oder dem deutschen Wettbewerber Hanhart.

          So etwas ist heute undenkbar. Da hat nahezu jede bessere Sportveranstaltung einen offiziellen Zeitnehmer, der einerseits mit diesem Titel werben darf, andererseits den Veranstalter Leistungen rund um die Zeitmessung liefern muss. Der offizielle Zeitnehmer der gerade angepfiffenen Fußball-Weltmeisterschaft ist Hublot. Die Schweizer Luxusuhren-Manufaktur kommt ihrer Verpflichtung unter anderem dadurch nach, indem sie die offizielle Uhr für die Schiedsrichter liefert, die auch der gemeine Fußballfan erwerben kann, allerdings in leicht abgespeckter Form. Wobei böse Zungen - insbesondere hartgesottene Mechanikfans - sagen, dass dies eigentlich gar keine richtige Uhr sei.

          Ganz von der Hand zu weisen ist diese Kritik nicht, schließlich handelt es sich bei der Big Bang Referee 2018 FIFA Worldcup Russia um eine Smartwatch, die - wen wundert’s? - in ihren Funktionen dem Modell Connected der Konzernschwester TAG Heuer sehr ähnlich ist. Genau 2018 Exemplare werden gebaut und für 5800 Euro ans Fußballvolk verkauft. Weil das Zifferblatt tatsächlich ein Bildschirm ist, steht nicht nur eine analoge und digitale Zeitanzeige zur Verfügung, vielmehr sind auch die Nationalfarben aller 32 WM-Teilnehmer gespeichert, so dass die Uhr mit elektronischen Zifferblattdesigns und Armbändern individualisiert werden kann. Zwei Armbänder, die dank des einfachen Schnellwechselsystems bequem getauscht werden können, sind im Lieferumfang enthalten: ein schwarz liniertes Kautschukband sowie ein für den Sport geeignetes Frotteeband. Dazu bietet Hublot in den verschiedenen Ländern Armbänder in der jeweiligen Nationalfarbe an. Für den solventen Fan neben dem Nationaltrikot eine weitere Möglichkeit, Farbe zu bekennen.

          Das hochauflösende Display mit wählbarer Analoganzeige der Hublot lässt die Smartwatch wie eine echte Uhr aussehen.

          Die Big Bang Referee informiert den Fan während des Turniers umfassend. Damit dieser pünktlich zu den Nationalhymnen vor dem Fernsehapparat sitzt, kündigt die Uhr das Spiel 15 Minuten vor dem Anpfiff an. Und wer zwischendrin mal zum Kühlschrank oder woandershin muss, bleibt stets informiert. In Echtzeit zeigt die Uhr alle Tore, Spielerwechsel, Gelben und Roten Karten an. Fällt ein Tor, vibriert der elektronische Zeitmesser am Handgelenk, auf dem Display ist das Wort „Tor“ zu lesen. Während des Spiels zeigt das Zifferblatt die Statistiken des Spiels, gibt den Spielstand an, die Anzahl von Karten, die Namen der Torschützen, das Auswechseln von Spielern und die Spielzeit.

          Was der Fan aber weder für Geld noch gute Worte bekommt, ist eine Sonderfunktion, die allein in den offiziellen Uhren der Fifa-Schiedsrichter freigeschaltet ist. Sie ist mit der erstmals bei einer WM eingesetzten Torlinien-Technik verbunden und zeigt dem Unparteiischen auf seiner Uhr an, ob ein Ball die Torlinie vollständig überquert hat. Damit wäre Uwe Seeler und vielen deutschen Fußballfans die Enttäuschung von 1966 im Wembley-Stadion erspart geblieben. Böse Überraschungen sollte es zumindest wegen der Schiedsrichteruhr 2018 nicht geben, das Werkzeug der Unparteiischen wurde schon während des Confederations Cup 2017 getestet.

          Die Flaggen aller 32 an der WM 2018 teilnehmenden Länder sind auf der Uhr gespeichert und lassen sich über den Touchscreen auswählen.

          Als Vorbild für diese Smartwatch hat Hublot sein Modell Big Bang gewählt. Schließlich steht diese Uhr wie kaum eine andere für die Marke, die so ostentativ Luxus verbreitet und deshalb auch in Russland wohlbekannt ist. Ober- und Unterteil des dreiteiligen Gehäuses bestehen aus Titan, das Mittelteil aus zähem Kunstharz. Das macht den Sportzeitmesser nicht nur robust, sondern trotz seines enormen Durchmessers von 49 Millimetern auch einigermaßen leicht. Wie jede Smartwatch kommuniziert sie auch mit Smartphones, allerdings nur mit solchen der jüngeren Generationen.

          Die Mindestanforderungen für Android Modelle ist die Version 4.4, Apple-Nutzer brauchen ein iPhone 5 oder ein jüngeres Modell, das mindestens mit iOS 9 betrieben wird. Die Smartwatch selbst nutzt das Betriebssystem Wear OS von Google. Konditionsstark ist die Hublot übrigens nicht, der eingebaute Lithium-Ionen-Akku hält nach Herstellerangabe gerade ein Tag, dann muss die Big Bang wieder in die Ladeschale.

          Das geht mit altbekannter Mechanik aber besser. Denn diese Smartwatch ist nicht die erste Schiedsrichteruhr der Schweizer. Als Hublot zur Europameisterschaft 2008 in das Thema Fußball einstieg, baute man für die Schiedsrichter noch einen echten mechanischen Chronographen mit 42 Stunden Gangautonomie und einem Automatikaufzug, der das Uhrwerk durch die Bewegung des Trägers beständig mit Energie versorgt.

          Ein kleiner konstruktiver Kniff machte aus Hublots Erfolgsmodell Big Bang eine echte Fußballuhr. Der Minutenzähler des Chronographen zeigte bei einem Umgang nun nicht die üblichen 30 oder 60 Minuten an, sondern genau 45 Minuten. Die Keramikuhr die damals zum Preis von 10 500 Euro verkauft wurde, ist heute ein Sammlerstück.

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