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Mercedes-Sprachassistent : Versteht Bach und Beethoven

Mit Interieur-Assistent: Mercedes GLE inklusive neuartiger Gestensteuerung und zwei großen Monitoren Bild: Daimler AG

Die Mercedes-Sprachassistentin zeigt im neuen GLE, wohin der Fortschritt fährt. Selbst schwierige Aufgaben meistert sie mit Bravour.

          3 Min.

          Wie begeistert darf man sein? Wenn Mercedes sein Infotainmentsystem namens M-Bux mit jeder Fahrzeuggeneration ein bisschen besser macht, ist Lob durchaus angesagt. Zugegeben, das Auto fährt auch ohne Multimedia, aber die Ausstattung rund um Navigation, Kommunikation und Unterhaltung wird immer wichtiger. Wir haben jetzt das jüngste M-Bux im neuen Mercedes GLE ausprobiert. Der große Pluspunkt des Systems war und ist die Spracherkennung, die auf natürlichsprachliche Eingaben setzt und als Hybridsystem einerseits die fest eingebauten Ressourcen nutzt und andererseits eine Internetverbindung aufbaut und mit Hilfe der Cloud weitergehende Anfragen abarbeitet. M-Bux versteht mehr als jedes andere System, und es versteht Eingaben auch besser als andere. Spricht man das Navi-Ziel vor, startet der Kopilot in der Regel ohne Rückfrage, weil er sich sicher ist.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aber nicht nur das. Erstmals gelang uns, was mit Siri und Kollegen regelmäßig scheitert: Die Musikauswahl mit gehobenen Ansprüchen, etwa für klassische Musik. „Spiele Beethovens Appassionata“, das muss umgesetzt werden in die Klaviersonate Nummer 23. Siri kann das nicht und spielt die Mondscheinsonate ab, M-Bux macht es richtig. Und noch diffiziler: „Spiele Actus Tragicus“, hier muss die Anlage auch den Komponisten kennen und richtig aufdröseln, dass die Bach-Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ gemeint ist. M-Bux kann das alles, und das ist schon faszinierend, zumal der Spracherkenner auch dazulernt und Vorschläge ob des Nutzerverhaltens in der Vergangenheit macht, also etwa anbietet, morgens auf dem Weg ins Büro die Mutter anzurufen, wenn das zur üblichen Routine gehört. M-Bux merkt sich Lieblingslieder, Radiosender, Telefonnummern und mehr.

          Wie in der Smartphone-Welt kann man den Spracherkenner nun ganz ohne Tastendruck mit einem gesprochenen „Hey Mercedes“ aktivieren. Praktisch, wenn der Beifahrer seine Sitzheizung aktivieren will, denn die Technik erkennt, dass das Kommando von rechts kommt, und ordnet den Befehl richtig zu. Ansonsten hält sich der Nutzwert in Grenzen, und zudem springt die Assistentin an, sobald man Mercedes sagt, weil man sich über das Auto oder die Marke unterhält. Auch ist klar, dass M-Bux natürlich nicht fehlerfrei ist, hier bleibt durchaus noch Luft nach oben. Eine Adresse mit Drei-Wort-Codes (What 3 Words) einzugeben gelang uns zum Beispiel nicht.

          Auf dem Weg zur Multimedia-Zentrale: Fahren kann der GLE aber auch.

          Weitere Faszination speist sich aus der schieren Größe und Pracht der Anlage. Zwei Monitore mit jeweils 12,3 Zoll in der Diagonale sind die Hauptkomponenten, der linke ist nicht berührungsempfindlich und ersetzt hinter dem Lenkrad die Cockpitanzeige, der rechte reagiert auch auf Fingerberührungen, und ganz neu ist der Interieur-Assistent, den man als eine Gestensteuerung 2.0 bezeichnen könnte. Er erfasst die Bewegungen der Hand vor dem Touchscreen, und im Unterschied zu bisherigen Lösungen muss man nicht vordefinierte Wischbewegungen ausführen, sondern das System interpretiert, was man gerade macht, hebt zum Beispiel bestimmte Elemente hervor, und unterscheidet auch dabei zwischen Fahrer und Beifahrer. Der Interieur-Assistent erkennt im Dunkeln, dass sich die Hand der Leseleuchte nähert, und schaltet diese automatisch ein oder aus. Greift man in Richtung des unbesetzten Beifahrersitzes, um dort abgelegte Gegenstände zu suchen, wird dieser automatisch beleuchtet. Sobald die Hand den Bereich verlässt, wird das Licht wieder deaktiviert.

          Ziemlich cool ist eine Favoritenfunktion, die ausgelöst wird, wenn man die Hand mit zum „V“ gespreizten Zeige- und Mittelfinger über die Mittelkonsole hält. Damit kann man einen Lieblingsbefehl starten, abermals dank Erkennung der Handhaltung getrennt für Fahrer und Beifahrer. Zu den weiteren Neuheiten im GLE gehört eine automatische Fahrersitzanpassung, die nach Eingabe der Körpergröße den Sitz optimal arrangiert.

          Wie gehabt bleibt M-Bux einfach zu bedienen. Der Trick besteht darin, dass man auf allen nur denkbaren Wegen zum Ziel kommt. Nicht nur mit Spracherkennung, sondern auch mit dem Finger auf dem Display oder der Steuerung der Anlage über das Touchpad in der Mittelkonsole. Hier gibt es auch Tasten, um schnell in die jeweiligen Hauptmenüs zu kommen.

          Cockpit, Navigation, Spracherkennung und Mobilfunk gehören zur Serienausstattung des GLE. Weitere Angebote rund um M-Box sind jedoch extra zu bezahlen, dazu gehören die Smartphone-Integration, die Augmented-Reality-Darstellung des Navis, der Interieur-Assistent und das sehr empfehlenswerte Head-up-Display, das für 1000 Euro ein geradezu riesiges farbiges Bild in die Frontscheibe projiziert, die Auflösung liegt bei 720 × 240 Pixel. Welche Informationen scheinbar über der Motorhaube schwebend dargestellt werden, lässt sich auswählen. Die Darstellung ist erstklassig.

          So arbeitet das neue M-Bux in der S-Klasse

          Im Herbst kommt die neue S-Klasse auf den Markt, und darin fährt dann die nächste Generation des M-Bux-Systems von Mercedes vor. Die Fondpassagiere erhalten künftig Zugriff auf das Infotainment-System und können dazu mehrere berührungsempfindliche Bildschirme nutzen. Mit Fingerabdruck, Gesichts- und Spracherkennung wird jeder Passagier identifiziert, dies erlaubt den Abruf individueller Einstellungen. „Hey Mercedes“ lässt sich auch vom Fond aus kommandieren. Das System erkennt mit mehreren Mikrofonen, auf welchem Sitzplatz gesprochen wird. Die Aktivierungsphrase wird zudem entbehrlich. Vieles versteht M-Bux von sich aus. Mercedes will mit der Identifikation der Passagiere sogar digitale Bezahlvorgänge aus dem Fahrzeug heraus erlauben. Das neue M-Bux verbindet sich sodann mit den Sensoren des Fahrzeugs. So erkennt die Ausstiegswarnfunktion mit Hilfe von Kameras, dass jemand das Fahrzeug verlassen möchte, und warnt vor sich gegebenenfalls nähernden Personen draußen. Oder: M-Bux prüft, ob der Kindersitz auf dem Beifahrerplatz angeschnallt ist, und gibt gegebenenfalls einen Hinweis. Für den Fahrer verspricht Mercedes ein neues dreidimensionales Display, das eine räumliche Szenenwahrnehmung erlaube. Echte Tiefenwirkung werde erzielt, ohne dass eine spezielle 3D-Brille getragen werden müsse. Schließlich steuert M-Bux demnächst auch das smarte Heim und verbindet sich mit Haustechnik und Haushaltsgeräten, wie dies etwa mit Amazons Alexa schon lange möglich ist. (misp.)

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