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Telekom setzt auf IP-Technik : Jetzt sprechen nur noch Bits und Bytes

Das war’s dann mit dem guten alten Telefon Bild: vario-images / Ulrich Baumgarten

Die Telekom kappt die Leitungen im Festnetz. Künftig ist jedes Gespräch ein Internettelefonat. Die Umstellung ist aufwendig und teuer. Wer sich sträubt, dem wird gekündigt.

          7 Min.

          Der Konzern für Kommunikation schreibt einen Brief. Keine E-Mail, keine DE-Mail, keine SMS und kein Whatsapp. Es muss also wirklich wichtig sein, wenn die Telekom den Postweg beschreitet und bereits im Betreff unmissverständlich zur Sache kommt: „Ihr Handeln ist erforderlich - sonst müssen wir ihren jetzigen Anschluss leider kündigen.“ Es folgen jedoch honigsüße Versprechungen aus einer Zukunft, die neue Möglichkeiten mit noch schnelleren Daten biete; es gehe um bessere Sprachqualität, um die Modernisierung des Netzes und einen Weg, den bereits fünf Millionen Telekom-Kunden beschritten hätten: den Umstieg vom Festnetz auf die Internettelefonie. Die vielen Vorteile könne man jedoch nicht mit dem alten Vertrag genießen, jetzt sei die Zeit für den Wechsel gekommen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Bemerkenswerterweise nennt das Schreiben weder Fristen noch Details. Von eventuellen Nachteilen der Umstellung ist auch nicht die Rede. Der erzwungene Wechsel ist vielerorts das Stadt- und Kantinengespräch schlechthin. Und man kann der Prozedur nicht entgehen: Bis 2018 will die Telekom ihre 20 Millionen deutschen Anschlüsse auf IP-Telefonie umgestellt haben. Wer nicht einverstanden ist, dem wird in der Tat gekündigt. Die Drohung wirkt. Man habe ihn zur Umstellung überredet, schildert ein Leser, und das Ergebnis sei ein Desaster. Er könne seit drei Monaten nicht mehr telefonieren oder störungsfrei angerufen werden.

          Nach spätestens acht Minuten ende jedes Gespräch. Und man werde von der Telekom-Kundenbetreuung geradezu gedemütigt: „Am 10. Juni sollte ich mit an den Router angeschlossenem Laptop um 9 Uhr morgens auf den Anruf der Endgeräteabteilung warten. Dann wollte man mit mir bestimmte Einstellungen ändern. Ich hatte mir deswegen freigenommen. Weder erfolgte dieser Anruf, noch wurden weitere Termine eingehalten. Stattdessen erhielt ich am 12. Juni eine SMS mit der Mitteilung, dass die Störungsmeldung storniert wurde.“

          Ein bedauerlicher Einzelfall? Kann man mit der Telekom nicht mehr telefonieren? Nach heftigen Störungen wandte sich bereits im Herbst vergangenen Jahres der Geschäftsführer Kundenservice der Telekom an die Öffentlichkeit und bat, die wiederholten Ausfälle der IP-Telefonie zu entschuldigen: „Es kam zu Kommunikationsproblemen zwischen einzelnen Komponenten unseres Voip-Systems, wodurch teilweise die Registrierungen von Routern verlorengingen.“ Voip steht für Voice over IP, die Technik hinter der Internettelefonie, die an sich nichts Neues ist.

          Im April ging jedoch gleich die nächste Störungswelle über Telekom-Kunden nieder: Hunderttausende Anschlüsse blieben stumm. Um so lauter meldeten sich die Bundesnetzagentur und die Verbraucherschützer: Die Umstellung funktioniere oft nicht, der Anschluss falle wochenlang aus, die Informationen über die Technik seien unzureichend, bilanzierte die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern: Häufig erhielten die Betroffenen keine Antwort oder Hilfe von der Telekom, auch würden sie nicht ausreichend über die anstehenden Änderungen und Folgekosten informiert.

          Es kommen also viele Probleme zusammen: Die neuen technischen Herausforderungen und die altbekannten der Telekom-Kundenbetreuung. Die Internettelefonie an sich ist jedoch kein Hexenwerk, sondern beruht auf seit Jahrzehnten bewährten Standards. Rufaufbau, Vermittlung und Sprach-Datenübertragung erfolgen über das Internet-Protokoll, dies macht die Netzstruktur einfacher und billiger. Die Umstellung betrifft die Telefonie, nicht den Internetzugang an sich, und dem Kunden bleiben seine Rufnummern erhalten.

          Wer kein Internet hat und nur einen herkömmlichen analogen Telefonanschluss verwendet, ist nach derzeitigem Stand der Planung nicht betroffen. Denn dann erfolgt die IP-Umstellung in der Vermittlungsstelle. Der Wechsel an den (seltenen) Anschlüssen mit Line-Sharing (Telefon und DSL laufen über eine Leitung, aber die Rechnung kommt von unterschiedlichen Anbietern) kann hingegen zu einem Albtraum werden, wenn die Restvertragslaufzeiten differieren.

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