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Telekom setzt auf IP-Technik : Jetzt sprechen nur noch Bits und Bytes

Die Telekom kämpft derzeit an zwei Fronten: Zum einen soll die alte ISDN-Technik in den Vermittlungsstellen abgeschafft werden. ISDN, das erste Digitalnetz seit 1989, ist ein Auslaufmodell, und es gibt für die vor 30 Jahren installierte Technik kaum noch Ersatzteile. Zum anderen werden Telekom-Kunden an einem modernen VDSL-Anschluss bedrängt. An den VDSL-Verteilern will die Telekom den umstrittenen Datenturbo Vectoring installieren, der wiederum voraussetzt, dass die gesamte Frequenzbandbreite der Leitung für Daten zur Verfügung steht. Die Telefonsignale stören. Vectoring ist streitig und wird unter anderem von der EU-Kommission abgelehnt, weil mit dieser Technik nur noch ein einziger Anbieter direkten Zugang zu den Teilnehmeranschlussleitungen hat. Vectoring bedeutet Re-Monopolisierung, meint nicht nur Brüssel. So ist unschwer zu erklären, warum die Telekom VDSL-Kunden besonders intensiv in die Zange nimmt; angeblich soll die Umstellung dieser Anschlüsse noch 2015 abgeschlossen werden.

Ohne Festnetz- und Internetanschluss

Wer sich dem Druck der Telekom nicht beugt, steht nach Ablauf der Vertragslaufzeit ohne Festnetz- und Internetanschluss da. Gegen den Vertragsabschluss bei einem Mitbewerber der Telekom spricht nichts. Allerdings setzen auch 1 & 1, Vodafone oder die Kabelgesellschaften bei der Telefonie durchgehend die Voip-Technik ein. Und die günstigen Vor-Vorwahlen für Auslandsgespräche funktionieren dann nicht mehr. Auch der „Routerzwang“ der Rivalen kann eine hohe Hürde für den Wechsel sein.

Hat man der Umstellung zugestimmt, bestätigt die Telekom die Abschaltung der bisherigen Leitung zu einem bestimmten Tag, und dann darf der Kunde von dem Moment an basteln, sobald die Festnetztelefone „tot“ sind. Der Lohn der Mühe: Es wird einfacher. Der NTBA bisheriger ISDN-Anschlüsse und der DSL-Splitter werden ausrangiert. Nur noch ein einziges Kabel führt von der TAE-Dose in den Router. An ihn werden vorhandene Endgeräte wie Telefone, Anrufbeantworter oder Faxgeräte angeschlossen. Alte ISDN-Produkte können an der S0-Buchse des Routers angeschlossen werden. Das alles ist ohnehin meist die Standard-Verkabelung. Hier gibt es erwartungsgemäß nicht viel zu tun.

Für 100 Euro ein Techniker

Allerdings muss der Router Voip-fähig sein. Gegebenenfalls benötigt man ein neues Gerät, das man selbst bezahlen darf. Zum Zeitpunkt der Umstellung müssen die eigenen Rufnummern als Internet-rufnummern im Router eingetragen werden, und zwar für ankommende und abgehende Gespräche. Für die populäre Fritzbox hat AVM eine Anleitung im Internet veröffentlicht, Informationen zu den Speedport-Routern der Telekom finden sich unter telekom.de/ anschluss-zukunft. Für 100 Euro schickt die Telekom einen helfenden Techniker ins Haus. Welche Endgeräte wann und wie auf welche eingehenden Rufe reagieren, programmiert man in der Fritzbox, einige übergeordnete Funktionen sind bei der Telekom in einem neuen Web-Interface des Kundencenters aufgeführt, etwa die Sperre für 0900-Rufnummern.

Ausgehende Telefongespräche gelingen in der Regel sofort, während viele Anwender berichten, dass bei eingehenden Gesprächen mit Verzögerungen zu rechnen ist. Die Telefonnummern würden, so heißt es unter der Hand, erst mit Verzögerungen ins neue System portiert. Es hält sich das Gerücht, man könne das Warten verkürzen, indem man einen längeren ausgehenden Anruf tätige.

Die Signallaufzeiten sind länger

Geduld hilft freilich nicht, wenn es um Datenendgeräte geht, hier sind Probleme nach der Umstellung wahrscheinlich: etwa bei ISDN-Karten, Alarmanlagen, EC-Karten-Terminals, Clubtelefonen, Aufzug- und Hausnotrufsystemen. Faxgeräte funktionieren nur prinzipiell am neuen Anschluss. Paketverluste und Laufzeitschwankungen führen zu Verbindungsabbrüchen. Jede Seite einzeln faxen kann eine Lösung sein. Man probiere ferner, ob sich am Faxgerät ein T.38 genanntes Protokoll einschalten lässt, und schalte auf eine langsamere Geschwindigkeit (14,4 oder 9,6 kBit/s statt 33,6 kBit/s) herunter.

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