https://www.faz.net/-gy9-16gss

Designer Dieter Rams im Gespräch : „Braun hat Apple angeregt - ein Kompliment“

  • Aktualisiert am

Woran erkennt man gutes Design?

(holt eine Zahnbürste) Sehen Sie, bei Braun war ich in den 80-er Jahren für die neue Oral-B-Linie verantwortlich. Das hier ist eine ältere Zahnbürste. Da ist der Verlauf relativ einfach. Ein runder Zylinder geht über in den Bürstenkopf, der Abtrieb kommt zentrisch heraus. Wenn der Abtrieb asymmetrisch rauskommen soll, erfordert das einen ganz anderen Übergang ... Solche Dinge sind oft sehr wesentlich. Wenn die verkorkst sind, sieht das ganze Ding verkorkst aus. Der Teufel steckt wie so oft im Detail: Die Summe gut gelöster Details an einem Produkt macht letztlich die Gesamterscheinungsform gut.

Kauft irgendjemand eine Zahnbürste wegen ihrer Optik?

Nein. Einen Rasierer kauft niemand, weil er gut aussieht, sondern weil er schonend rasiert. Und auch eine Zahnbürste kauft man nicht wegen des Designs, auch wenn das manche gerne glauben. Es gab Designer, die haben Zahnbürsten entworfen, die man als Mordinstrument hätte verwenden können. Bei der Oral-B ging es um bessere Benutzbarkeit. Wir brachten damals zum ersten Mal in einer Bürste zwei Materialien zusammen: weich und hart. Sinn dieser Kombination: eine flexible Bürste, die bei der Handhabung nicht wegrutschte. So sehen Zahnbürsten im Prinzip heute noch aus.

Form follows function - die Form muss der Funktion folgen. Ihr Credo?

Ich lege Wert auf Qualitätsarbeit am Produkt. Da geht es um Radienverläufe, da geht es um Übergänge. Alles Sachen, die man als Designer im Studium lernt, wenn man's nicht vergisst oder fehlgeleitet wird. Und wir waren bei Braun überzeugt: Unsere Produkte sind Dinge, die die Leute brauchen und die die Lebensqualität verbessern. Wenn ich dieses Ziel vor Augen habe, schließt das doch aus, dass ich Mätzchen mache.

Mätzchen?

Dinge, die nicht umweltgerecht sind und die nicht in die Zeit passen. Und in die Zeit passen nicht mehr Produkte, die wir morgen wieder wegwerfen. Wir brauchen nicht viel, wir brauchen Besseres.

Das sagen Sie. Ein Unternehmer sagt: Wenn ich Waren herstelle, die 30 Jahre halten, ist das zwar schön, aber übermorgen bin ich pleite.

Es gibt doch Gegenbeispiele. Nehmen Sie Braun, oder nehmen Sie Miele. Die sind bekannt für gute Qualität. Die machen keine Mätzchen, die brauchen das nicht. Es muss nicht sein, dass ich ständig eine neue Waschmaschine verkaufen muss. Man kann auch vom Service leben, wenn man den richtig gut macht.

Was sind die schlimmsten Design-Sünden?

Wenn es nur noch um Styling geht - wie mit wenigen Ausnahmen überall in der Autoindustrie.

Was gefällt Ihnen da nicht?

Das ist mir alles zu gewollt, eben zu gestylt. Der Begriff kam Anfang der 1960-er Jahre von den Amerikanern, mit den Flossen hinten und den Grills vorne. Mit solchen stilistischen Elementen will man neugierig machen, Kaufbereitschaft wecken. Solche Moden halten aber nicht lange, und dann muss etwas Neues her.

Gibt es ein Auto, das Ihnen gefällt?

Ich mochte sehr gerne den Citroën 2CV ...

... die Ente ...

... sie war sehr geländegängig, die Federung war gut, das ganze Fahrgestell-Design hervorragend. Dass das Auto geklappert hat, gehörte halt dazu. Bei der Technik musste man ein paar Abstriche machen. Aber das Auto hatte auch nicht den Anspruch, schnell unterwegs zu sein. Das kann man heute sowieso nicht mehr. Insofern war es seiner Zeit voraus. Ich weiß gar nicht, warum man das aufgegeben hat. Ich fand die Konzeption recht beachtlich, schon für die damalige Zeit.

Weitere Themen

Blitzer erkennt Handys am Steuer Video-Seite öffnen

Sydney : Blitzer erkennt Handys am Steuer

Wer in Australien am Steuer telefoniert, wird seit Sonntag geblitzt, denn Kameras erkennen Handys beim Fahrer. Damit soll die Zahl der Verkehrstoten über zwei Jahre um ein Drittel gesenkt werden.

Topmeldungen

Ärger beim FC Bayern : „Ich könnte durchdrehen“

Joshua Kimmich kocht nach dem 1:2 der Bayern in Gladbach vor Wut, Thomas Müller faucht, Hasan Salihamidzic ist ratlos. Und Trainer Hansi Flick wirkt angeschlagen. Die Münchner haben ein großes Problem.
Bei welcher Krankenkasse man unter welchen Bedingungen durch Vorauszahlungen Geld sparen kann, hängt auch vom Einzelfall ab.

Die Vermögensfrage : Mit Vorauszahlungen Steuern sparen

Wer seine Krankenversicherungsbeiträge im Voraus bezahlt, kann damit nicht unbeträchtlich Steuern sparen. Ob dies im Einzelfall immer möglich ist, hängt allerdings auch von Versicherung und Krankenkasse ab.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.