https://www.faz.net/-gy9-78edw

DE-Mail : Einschreiben im Klarsichtumschlag

  • -Aktualisiert am

Erfolglos und unsicher: DE-Mail führt aufs Abstellgleis Bild: dpa

Mit DE-Mail sollte der Versand von E-Mail endlich sicher und rechtsverbindlich werden. Doch unzureichende Technik und mangelnder Komfort verhindern die breite Akzeptanz eines an sich pfiffigen Projekts.

          5 Min.

          Die Idee ist bestechend und einfach: Wer seinen Mietvertrag kündigen, einen Widerspruch bei Gericht einlegen oder einen Bescheid des Finanzamtes anfechten will, soll nicht mehr mühsam zur nächsten Postfiliale laufen müssen, um den entsprechenden Papierbrief als Einschreiben mit Rückschein abzugeben, sondern einfach eine E-Mail schicken. Elektronische Briefe mit rechtsverbindlicher Unterschrift, Zustellbestätigung und der Garantie, dass am digitalen Briefinhalt nicht manipuliert wurde, wollte der deutsche Gesetzgeber mit dem DE-Mail-Gesetz vor zwei Jahren ermöglichen.

          Inzwischen sind außer der Deutschen Telekom AG einige DE-Mail-Provider am Markt etabliert, wie zum Beispiel der Internet-Provider 1&1 mit seinen Marken Gmx und Web.de. Auch die Bundesregierung bewirbt DE-Mail seit Einführung des elektronischen Neuen Personalausweises im Herbst 2010 sehr intensiv. Die Deutsche Post brachte ihren E-Postbrief schon 2010, ein Jahr bevor das DE-Mail-Gesetz in Kraft trat, auf den Markt, wollte dann auch DE-Mail-Provider werden, weil Nutzer des E-Postbriefes nicht mit DE-Mail-Anwendern elektronische Briefe austauschen können. Nun hat sie am Freitag angekündigt, sich aus Gründen des Datenschutzes nicht mehr an DE-Mail zu beteiligen.

          Vielen Bundesbürgern ist der Dienst zu kompliziert

          Der erwartete und regierungsamtlich immer wieder versprochene Durchbruch bei der DE-Mail-Nutzung blieb aus. Nicht nur, weil es ein deutscher Alleingang ist. Vielen Bundesbürgern ist der Dienst zu kompliziert. „Was hat es mit der Zustellfiktion auf sich, die vorsieht, dass der Bescheid einer Behörde nach drei Tagen als zugestellt gilt, auch wenn ich ihn gar nicht lesen kann, weil ich in Urlaub bin“, fragte zum Beispiel ein mittelständischer Unternehmer auf einer Informationsveranstaltung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main im Herbst 2012. Die anwesenden Vertreter des Bundesministeriums des Inneren konnten ihm keine befriedigende Antwort geben.

          Aber nicht nur solche rechtlichen Fragen, sondern vor allen Dingen technische Probleme halten viele potentielle Anwender davon ab, sich einen DE-Mail-Account zuzulegen. Auch der probeweise für diese Zeitung angelegte DE-Mail-Account wird nach einem mehrmonatigen Test wieder stillgelegt. Als wichtigster Grund gilt immer wieder die als Nutzungsbarriere angeführte zweimalige Entschlüsselung und abermalige Verschlüsselung eines DE-Mail-Briefs, die den gesamten Dienst angreifbar machen. Dabei ist Anfang 2011 im Innenausschuss des Deutschen Bundestages hart darum gerungen worden, eine durchgängige Verschlüsselung für DE-Mail-Dokumente in das entsprechende Gesetz hineinzuschreiben.

          Keine durchgängige Verschlüsselung

          Das ist dann auch passiert. Allerdings ist diese Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, wie die durchgängige Kryptierung auch genannt wird, im DE-Mail-Gesetz als bloße Option vorgesehen. „Rein technisch gesehen, ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung überhaupt kein Problem“, meint Christian Fischer, DE-Mail-Spezialist bei der Deutschen Telekom AG. Allerdings deutet er im Gespräch an, dass weder große Unternehmen noch staatliche Behörden diese durchgängige Verschlüsselung einsetzen wollen. Und wenn Großkonzerne und öffentliche Verwaltungen das für ihre DE-Mail-Adressen nicht anbieten, kann der Privatkunde die durchgängige Verschlüsselung im Mail-Verkehr mit ihnen auch nicht durchsetzen.

          So bleibt es also dabei, dass jeder DE-Mail-Briefe zweimal entschlüsselt und erneut verschlüsselt wird. Wenn ein DE-Mail-Nutzer einen Brief an sein Landratsamt schicken will, ruft er seinen Web-Browser auf, stellt eine abgesicherte Verbindung zum Webserver seines DE-Mail-Providers her und schickt ihm den Brief. Das im Web verwendete und SSL oder TLS genannte Verschlüsselungsprotokoll regelt dabei den Mail-Transport zwischen seinem PC und dem Web-Server des DE-Mail-Providers.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Spitzen der NATO-Mitgliedsstaaten kommen am Montag in Brüssel zusammen und sprechen über Russland, China und den Terrorismus.

          NATO-Gipfel in Brüssel : Schlussstrich unter die Ära Trump

          Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der NATO an diesem Montag in Brüssel treffen, wollen sie das Ende der Ära Trump besiegeln. Und neue Energie in die transatlantischen Beziehungen bringen.
          Fränzi Kühne, 1983 in Berlin-Pankow geboren, wurde 2017 als damals jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands in ein börsennotiertes Unternehmen gewählt.

          Freenet-Aufsichtsrätin : Sind Sie jungen Männern ein Vorbild?

          Fränzi Kühne, Aufsichtsrätin bei Freenet, hat in ihrem Buch viele der Fragen, die ihr in Interviews gerne gestellt werden, anderen Aufsichtsräten gestellt: Männern. Die allerdings fanden diese Fragen oft völlig absurd. Ein Gespräch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.