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Datenvolumen des Smartphones : Vorsicht, die Datenfresser kommen

Internettelefonie schlägt voll durch

Wer Musik im Streaming-Verfahren direkt über die Mobilfunkverbindung hört, gehe beim Einsatz von Spotify oder Apple Music von einem Megabyte pro Minute in den Standardeinstellungen aus. Besserhörer, die eine feinere Audioqualität gewählt haben (etwa 320 Kbit/s), benötigen für jede Minute 2,4 Megabyte. Sparen ist hier ganz einfach - mit der Offline-Funktion der Musik-App: Man lädt die Stücke nur im W-Lan aufs Handy. Vorsicht bei Verträgen, die Musikstreaming angeblich ohne Anrechnung aufs Datenvolumen vorsehen, etwa die Spotify-Tarife der Telekom. Nicht nur, dass bei diesem „Zero Rating“ gegen die Netzneutralität verstoßen wird. Viele Spotify-Funktionen belasten ungeachtet der angeblich verbrauchsneutralen Nutzung das eigene Volumenkonto, etwa das „Entdecken“, oder das Laden von Coverbildern. Auch die neue Videofunktionalität von Spotify kann teuer werden.

Internettelefonate, zum Beispiel mit Skype oder Apples Facetime, schlagen ebenfalls auf das Datenvolumen durch, mit rund einem Megabyte pro Minute; tendenziell weniger, wenn nur gesprochen wird, und mehr, wenn die Kamera dazukommt. Whatsapp und andere Messenger sind von Hause aus bescheiden. Kurze Nachrichten kosten wenige Kilobyte, es sei denn, dass man Fotos oder Videos mitsendet. Weitere Fallstricke für Fotos und Videos suche man vielmehr in den eingebauten Cloud-Diensten des Smartphones und den nachträglich installierten. Fast alle Apps wie Dropbox oder Onedrive von Microsoft wollen einen zum automatischen Foto-Upload verleiten. Jeder neue Schnappschuss soll sofort in die Cloud. Bei Bildgrößen zwischen einem und 5 Megabyte achte man auf die Einstellungen: Das Hochladen über die Mobilfunknetze lässt sich abschalten, man setze allein aufs W-Lan.

Welche Datenfresser sonst noch am Inklusivvolumen knabbern, lässt sich auf dem Smartphone im Detail ablesen. Unter iOS gehe man in die Einstellungen und ins Mobile Netz. Dort ist der Gesamtverbrauch im aktuellen Zeitraum angegeben und der für jede App. Jede einzelne Anwendung lässt sich unter iOS für mobilen Datenkonsum sperren, was überaus sinnvoll sein kann. Auf Android-Geräten suche man ebenfalls in den Einstellungen, die Menübezeichnungen unterscheiden sich. Bei einem Samsung-Gerät führt die Datennutzung zum Ziel, bei HTC suche man unter Drahtlos und Netzwerke.

Deutschland hinkt hinterher

Erstaunlicherweise können selbst unscheinbare kleine Apps einen riesigen Appetit entwickeln. Twitter mit seinen maximal 140 Zeichen pro Nachricht ist ein solcher Kandidat. Des Rätsels Lösung zeigt sich in der App: Twitter ist so voreingestellt, dass eingebettete Videos in Tweets auch in den Mobilfunknetzen sofort abgespielt werden. Die nachteilige Standardeinstellung geht richtig ins Geld. Man ändert sie in den Einstellungen unter Video Autoplay. Auch Facebook schiebt einem diese Gemeinheit stillschweigend unter.

Vor allem wir Deutsche regen uns über solche Dreistigkeiten auf. In anderen westlichen Ländern kann man über die Datenfresser nur lächeln. Denn in Europa erhält man typischerweise deutlich mehr Datenvolumen fürs

Geld als in Deutschland. Für monatlich 35 Euro bekommen Franzosen, Dänen, Engländer und Schweden rund 20 Gigabyte in schnellen Netzen. Noch besser haben es Finnen und Esten,

die mit um die 50 Gigabyte in superflinken LTE-Netzen rechnen dürfen. Deutschland und Ungarn sind indes die europäischen Schlusslichter, haben die finnischen Telekommunikationsberater Rewheel berechnet. Kein Wunder also, dass wir um jedes Byte kämpfen müssen.

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